Eishockeyhelm | Bildquelle: imago/Icon SMI

Handelsstreit USA-China Eishockeyhelme sind erstmal raus

Stand: 24.09.2018 08:02 Uhr

Ab heute gelten die neuen Sonderzölle der USA gegen China. Das sorgt bei vielen Unternehmern und Angestellten für Unsicherheiten. Der Eishockeyhelm-Händler hat aber Glück.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

In der Cadillac-Arena in Chinas Hauptstadt Peking funktioniert sie noch, die chinesisch-amerikanische Freundschaft. Von Handelskrieg ist erstmal wenig zu spüren. Fast 20.000 Zuschauer sind an diesem Abend zu einem Gastspiel der Eishockeyprofis aus der National Hockey League gekommen. Auf dem Eis spielen die Boston Bruins gegen die Calgary Flames.

Auf der Tribüne sitzt auch Ji Qun. Das Spiel ist ein Feiertag für den chinesischen Unternehmer. Er produziert mit seiner Firma "Zhuhai Sports" Eishockeyhelme, fast 150.000 Stück im Jahr. Jetzt kann er endlich mal die Profis aus Nordamerika live sehen.

Aber da er viele seiner Eishockeyhelme in die USA exportiert, wächst auch bei ihm seit Wochen die Unsicherheit. "Auf lange Sicht machen wir uns natürlich Sorgen. Und unsere Regierung sucht nach Strategien. Wir haben aber neben den USA noch andere Märkte. Wir müssen einen Ausgleich finden."

Neue Strategien finden

Die Strategie: Mehr in andere Länder exportieren - nach Tschechien, Kanada, Russland, in die Slowakei und nach Schweden. Länder, die ebenso wie die USA eng mit dem Eishockey verbunden sind. Bislang kam Unternehmer Ji um Sonderzölle herum.

Auch bei der neuen Runde, die heute in Kraft getreten ist, hat er noch mal Glück gehabt. Nach Stellungnahmen der US-Wirtschaftsverbände wurden einige Produkte wieder von der Zoll-Liste gestrichen, unter anderem gesundheits- und sicherheitsrelevante Artikel wie Fahrrad- und eben auch Eishockeyhelme. "Wir können die Handelspolitik der Staaten nicht kontrollieren. Wir können uns nur auf die Qualität unserer Produkte konzentrieren. Solange die Nachfrage da ist, werden die Amerikaner auch kaufen. Unsere Preise sind immerhin im Vergleich sehr günstig", meint Ji.

Sonderzölle im Wert von 200 Milliarden US-Dollar

Ab heute erheben die USA Sonderzölle auf Waren aus China im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar. China wiederum hat Zuschläge auf US-Produkte im Wert von 60 Milliarden Dollar beschlossen, die ebenfalls heute in Kraft treten sollen.

China kann dem Ganzen nicht tatenlos zusehen, fordert der 33-jährige Wang Xiaoping aus Peking: "Ich finde, das ist politische Erpressung von Trump, er ist selbst Geschäftsmann. Er nutzt jede Gelegenheit, China zu erpressen. Die Gegenmaßnahmen unserer Regierung sind auch hart. Sie hat genug Möglichkeiten, zurückzuschlagen."

China hatte Beschwerde eingelegt

China legte Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO ein. Welche Auswirkungen die neuen US-Zölle für die Volksrepublik haben, dazu gehen die Meinungen auseinander. Der Bremseffekt für das chinesische Wirtschaftswachstum bleibt aber vermutlich überschaubar.

Trotzdem machen sich viele Menschen Sorgen über die Konsequenzen für den eigenen Geldbeutel. Der 30-jährige Lin Xijun ist Angestellter in einem mittelständischen Unternehmen in Peking. "Auf lange Sicht wird dieser Handelskrieg definitiv Auswirkungen geben. Wenn der Sojabohnenimport beeinflusst wird, steigt der Preis von Tierfutter und Öl. Das beeinflusst dann wiederum die Preise für die alltäglichen Lebensmittel, die wir auf dem Tisch haben", sagt er.

Seit Anfang Juli überziehen sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt mit Sonderzöllen. Die USA werfen China unter anderem Technologieklau und unfaire Wettbewerbsbedingungen auf dem chinesischen Markt vor. China hat nun angekündigt, den Handelskrieg zu nutzen, um sich weniger abhängig von Importen zu machen.

Container mit der Aufschrift China Shipping stapeln sich im Hafen von Schanghai. | Bildquelle: dpa
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2017 erzielte China im Handel mit den USA einen Überschuss von 375 Milliarden US-Dollar.

Chinesische Reaktionen auf US-Sonderzölle
Axel Dorloff, ARD Peking
24.09.2018 09:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. September 2018 um 05:40 Uhr.

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