Stahlproduktion in Zouping, einer Stadt in Chinas östlichen Provinz Shangdong | Bildquelle: AFP

Reaktion auf US-Schutzzölle China schielt nach Europa

Stand: 06.03.2018 15:28 Uhr

Die angekündigten US-Schutzzölle auf Aluminium und Stahl alarmieren China. Einen Handelskrieg will die Führung in Peking um jeden Preis verhindern - und schielt auf Europa.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Zuckerbrot und Peitsche - so lässt sich Chinas Reaktion auf die von der US-Regierung angekündigten Schutzzölle beschreiben. Oder wie es die Amerikaner gerne zu sagen pflegen: Speak softly and carry a big stick. Also: Sanft sprechen, aber einen dicken Knüppel in der Hinterhand haben. Chinas Vizeaußenminister Zhang Yesui sagte vergangenen Sonntag, sein Land wolle keinen Handelskrieg mit den USA - um danach aber direkt anzuschließen, dass man im Zweifelsfall nicht tatenlos zusehen werde. Gegebenenfalls könne man mit nötigen Maßnahmen reagieren.

Konkret wurde Zhang nicht, aber es wäre für seine Regierung ein Leichtes, die Einfuhr bestimmter US-Produkte zu erschweren: von Lebensmitteln über IT-Zubehör bis hin zu Viehfutter und Autos.

Chinas Vizeaußenminister Zhang Yesui | Bildquelle: AP
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Chinas Vizeaußenminister Zhang Yesui sagte, im Zweifelsfall werde man nicht tatenlos zusehen und könne mit nötigen Maßnahmen auf US-Schutzzölle reagieren.

Xis Wirtschaftsberater in Washington

Klar ist, dass es dieser Tage in diversen Wirtschaftsabteilungen des chinesischen Regierungsapparates hoch her gehen dürfte. Denn einen Handelskrieg mit den USA als der wichtigsten Wirtschaftsnation der Welt will man in Peking mit allen Mitteln vermeiden.

Deswegen reiste vergangene Woche der chinesische Wirtschaftsexperte Liu He zur Vermittlung nach Washington. Er ist der wichtigste Wirtschaftsberater von Staats- und Parteichef Xi Jinping. Doch noch während sich Liu in der Hauptstadt der USA aufhielt, machte US-Präsident Donald Trump seine Ankündigung in Sachen Strafzölle: 25 Prozent auf Import-Stahl, zehn Prozent auf ausländisches Aluminium. Eine Ohrfeige für die stets auf Gesichtswahrung bemühten chinesischen Diplomaten.

Chinas fast allesamt regierungsnahen Wirtschaftswissenschaftler betonen immer wieder die Rolle der EU in einem Handelskonflikt zwischen den USA und China. Europa könne profitieren, sagt zum Beispiel Ding Yuan von der China Europe International Business School in Shanghai. "Chinas und Europas Wirtschaft ergänzen sich", so Ding.

Für viele US-Produkte finde man entsprechende Alternativen aus Europa, sagt er. "Deswegen könnte es zu einer goldenen Ära zwischen Europa und China kommen. Airbus-Flugzeuge könnten Boeings ersetzen. Ähnliches ist vorstellbar im Automobilsektor. Nichts ist unersetzlich."

Arbeiter stehen vor einem beladenen Containerschiff. | Bildquelle: AP
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Arbeiter im Hafen von Qingdao. "Airbus-Flugzeuge könnten Boeings ersetzen. Ähnliches ist vorstellbar im Automobilsektor. Nichts ist unersetzlich."

Kritischer Blick auf Chinas Wirtschafts- und Handelspolitik

Ganz so golden wie Wirtschaftsprofessor Ding sieht man in Europa die ganze Angelegenheit allerdings nicht. Chinas Wirtschafts- und Handelspolitik wird zunehmend kritisch gesehen. Das geschieht nicht nur, weil China zum Beispiel auch Europa mit billigem Stahl, billigen Solarzellen und anderen Produkten überschwemmt. Sondern vor allem, weil es europäische Firmen in China zunehmend schwer haben, Geschäfte zu machen.

Der freie Handel, für den die Pekinger Führung in Sonntagsreden immer wieder wirbt, ist in China alles andere als frei. Und der Trend geht eindeutig in eine noch unfreiere Richtung.

US-Zoll-Pläne: China will Handelskrieg verhindern
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
06.03.2018 14:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. März 2018 um 12:20 Uhr und im "Mittagsecho" ab 13:00 Uhr.

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