Ein Mann schaut vor dem Logo von Apple auf das Display seines Handys. | Bildquelle: REUTERS

"Bloomberg"-Bericht Chinesische Spionage bei Apple und Amazon?

Stand: 05.10.2018 10:41 Uhr

Dem chinesischen Militär soll es gelungen sein, Spionage-Chips in Server für Apple und Amazon einzubauen. Das berichtet der Finanzdienst "Bloomberg". Die Unternehmen dementieren energisch.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die Unternehmen Apple und Amazon haben einen Bericht zurückgewiesen, sie hätten in ihren Servern chinesische Spionage-Chips entdeckt. Michael Riley vom Wirtschaftsnachrichtendienst "Bloomberg" hält dagegen an der Enthüllungs-Geschichte fest.

Er stütze sich unter anderem auf die Beurteilung der US-Geheimdienste, sagt Riley im Radiosender NPR. Diese hätten großes Vertrauen in ihre Beurteilung. Interessant sei auch, wie das chinesische Außenministerium auf unsere Anfrage reagiert habe, sagt Riley. "Häufig streiten die alles ab. Dieses Mal war die Antwort ausgewogener. Sie erklärten, sie seien ebenfalls Opfer solcher Hardware-Angriffe."

Das Amazon-Logo auf einer Glastür. | Bildquelle: REUTERS
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Dem Bericht zufolge haben Apple und Amazon den Chip 2015 entdeckt.

Chip so groß wie ein Reiskorn

Riley hatte zusammen mit Kollegen berichtet, dass eine Einheit der chinesischen Armee einen Spionage-Chip auf Tausenden US-Servern platzieren konnte. Die Bauteile für Server werden überwiegend in China hergestellt, auch wenn die eigentlichen Produzenten US-Unternehmen sind. Die chinesische Armee habe Subunternehmer in der Volksrepublik geschmiert, um das Design von Platinen zu ändern.

Der Chip der Chinesen sei nicht größer als ein Reiskorn, erklärt Riley. "Grundsätzlich ist das am Ende ein Chip auf einer Hauptplatine des US-Unternehmens Super Micro. Den Namen haben die meisten nie gehört. Aber die Firma ist unheimlich wichtig für die Produktion von Servern." Das zusätzliche Bauteil konnte mit Hilfe des Servers eine Verbindung nach außen herstellen und so ermöglichen, dass Spionageprogramme nachgeladen werden. Apple und Amazon hätten den Chip auf Platinen von Super Micro 2015 entdeckt.

Apple und Amazon wissen von nichts

Amazon erklärte auf Nachfrage von "Bloomberg", das Unternehmen sei nie über eine kompromittierte Lieferkette, über Veränderungen an der Hardware oder bösartige Computerchips informiert gewesen. Apple versicherte in einer Erklärung: Der Bericht der "Bloomberg"-Journalisten sei komplett falsch. Kein Mitarbeiter des Unternehmens habe sich je mit solchen Informationen an das FBI gewandt, noch habe umgekehrt das FBI Apple kontaktiert. Deshalb gebe es auch keinen Maulkorb.

"Bloomberg" beruft sich auf eine Gruppe von Informanten aus Wirtschaft und Politik. Die USA werfen China grundsätzlich Wirtschaftsspionage vor. Der Chef des FBI, Christopher Wray, sagt, alle Regionalbüros seiner Behörde seien mit der Abwehr und Aufklärung beschäftigt. "China hat höchste Priorität auf diesem Gebiet", sagt Wray. "Wir hatten Fälle von Technologie für Windräder in New York bis zu Forschung an Maissamen in Iowa."

Grundsätzliches Problem für die Tech-Branche

Die US-Administration hatte zuletzt weitere Zölle auf Importe aus China in Milliardenhöhe erlassen. Und zwar auch als Reaktion auf den Diebstahl von intellektuellem Eigentum. Der "Bloomberg"-Journalist Riley glaubt, auch die US-Wirtschaft müsse eine Entscheidung treffen.

"Unternehmen müssen sich jetzt überlegen, ob sie der Produktion noch vertrauen. Wie reagiere ich darauf? Soll ich woanders produzieren? Das ist ein großes Problem, das nur schwer zu lösen ist." Denn nach einigen Schätzungen produziert China derzeit 75 Prozent aller Mobiltelefone weltweit und 90 Prozent aller PCs.

Apple und Amazon weisen Bericht zu chinesischen Spionage-Chips zurück
Torsten Teichmann, ARD Washington
05.10.2018 10:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Oktober 2018 um 8:25 Uhr.

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