Reporter bei einer Pressekonferenz im Informationsbüro des chinesischen Staatsrats in Peking. | Bildquelle: WU HONG/EPA-EFE/REX

Auslands-Journalisten in China Mehr Schikanen gegen Korrespondenten

Stand: 13.02.2019 14:24 Uhr

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sagt, er wolle sein Land öffnen. Oft ist das Gegenteil der Fall. Journalistisches Arbeiten wird immer schwieriger, auch für ausländische Reporter.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

"Unter Beobachtung: Berichterstattung im chinesischen Überwachungsstaat". Schon der Titel des neuen Jahresberichts des Pekinger Auslandskorrespondenten-Clubs macht deutlich: Einfach ist die Situation für Auslandskorrespondenten in China nicht. Und nicht nur das: Es werde auch nicht besser, sagt Hanna Sahlberg, die Präsidentin des Foreign Correspondents' Club of China (FCCC):

"Die Antworten, die uns die Mitglieder für den Report gegeben haben, zeichnen das wohl düsterste Bild der vergangenen Jahre im Bezug auf die Berichterstattung aus China."

Rund einhundert ausländische Medienvertreter in China hat der FCCC für den neuen Jahresreport befragt. Mehr als die Hälfte gab an, dass sich die Arbeitsbedingungen in China 2018 verschlechtert hätten. Besonders deutlich wird: Ein großer Teil der ausländischen Reporter fühlt sich überwacht. Zum einen ganz konkret durch Beschattung durch die Geheimpolizei. Oder durch Wanzen in Wohnungen und Büros.

Druck auf Quellen und Gesprächspartner

"Seit Xi Jinping 2013 an die Macht gekommen ist, hat sich die Situation für Journalisten in China immer weiter verschlechtert - nicht nur für heimische Reporter, sondern auch für ausländische", sagt Cédric Alviani von der nichtstaatlichen Organisation "Reporter ohne Grenzen". "Sie werden belästigt, sie werden verfolgt. Ihre Kommunikation wird überwacht. Und es wird immer schwieriger, auch nur ansatzweise ordentlich zu arbeiten."

Besonders groß aber ist die Sorge vor digitaler Überwachung. Neun von zehn der befragten Auslandskorrespondenten gehen davon aus, dass ihre Smartphones überwacht werden. Ein weiteres generelles Problem: Es wird immer schwieriger, an Gesprächspartner, an Quellen zu kommen. "Sie wollen häufig nicht mit einem sprechen", sagt Hanna Sahlberg vom FCCC. "Für uns Auslandskorrespondenten bedeutet das, dass wir wichtige Informationen und auch gute Geschichten verpassen."

Immer häufiger haben potenzielle Gesprächspartner in China Angst vor staatlichen Repressalien, wenn sie mit ausländischen Journalisten sprechen. Das gelte für Analysten, Professoren und Firmenmanager, aber auch für weniger exponierte Leute, sagt Alviani.

"Auf Quellen und Gesprächspartner wird Druck ausgeübt. Der ist zum Teil so heftig, dass es Auslandsreporter oft nicht mehr wagen, Quellen zu kontaktieren: aus Angst, dass diese bestraft werden könnten."

Internierungslager sind besonders heikles Thema

Besonders nervös reagierte Chinas Staats- und Parteiführung zuletzt, wenn sich ausländische Reporter mit den Menschenrechtsverletzungen im muslimisch-geprägten Landesteil Xinjiang befassen. Dort sperren die Behörden nach übereinstimmenden Berichten internationaler Organisationen bis zu eine Million Menschen in Internierungslagern ein. Chinas Führung spricht von beruflichen Fortbildungszentren. Für ausländische Reporter ist es inzwischen äußerst schwierig, sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Wer es doch vesucht, wird vor Ort schikaniert und riskiert auch anschließend Repressionen.

Der Bürochefin des US-Nachrichtenportals Buzzfeed etwa wurde nach Recherchen in Xinjiang die Erneuerung ihres Jahresvisums verweigert. Sie wurde also de facto aus China rausgeworfen. Die Aufenthaltsgenehmigung eines Korrespondenten des australischen Rundfunks (ABC) wiederum wurde nach Veröffentlichung seiner Xinjiang-Geschichte so stark befristet, dass auch er das Land verlassen musste. Alviani von "Reporter ohne Grenzen" prangert an:

"Was diese permanente Schikane noch schockierender macht, ist die Tatsache, dass Chinas Führung die Pressefreiheit in demokratischen Staaten schamlos ausnutzt. So will sie ihre Staatspropaganda verbreiten."

Ein Beispiel sind die bezahlten Beilagen staatlicher chinesischer Medien, die auch immer wieder in deutschen Zeitungen zu finden sind. Diese Beilagen vermitteln das Bild eines Chinas, das sich öffnet und reformiert. "Das klingt doch sehr widersprüchlich zu dem, was wir hier als Journalisten erleben", sagt Hanna Sahlberg vom Foreign Correspondents Club of China. "Die Beschränkungen nehmen zu, sowohl für chinesische Medien, als auch für uns. Verglichen mit der Situation vor zehn Jahren ist der Zugang zu Informationen oft schwerer und mit mehr Hindernissen verbunden als früher."

China: Arbeit für Korrespondenten wird schwieriger, Schikanen nehmen zu
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
13.02.2019 12:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Februar 2019 um 11:50 Uhr.

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