Der chinesische Menschenrechtsanwalt Wang Quanzhang mit seiner Frau Li Wenzu und dem gemeinsamen Sohn (Aufnahme von 2015). | Bildquelle: AP

China Prozess gegen Anwalt Wang eröffnet

Stand: 26.12.2018 08:54 Uhr

Seit drei Jahren sitzt der chinesische Menschenrechtsanwalt Wang Quanzhang in Haft. Nun wird ihm der Prozess gemacht. Er hatte unter anderem Opfer von Landenteignungen vertreten.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

"Wang Quanzhang ist ein guter Mensch", ruft ein Aktivist vor dem Gerichtsgebäude in der ostchinesischen Hafenstadt Tianjin. Sein Auftritt ist nur von kurzer Dauer. Zivilpolizisten führen ihn ab, zerren ihn in ein schwarzes Auto und fahren mit ihm davon.

In dem Gericht in Tianjin hat am Morgen der Prozess gegen den Menschenrechtsanwalt Wang begonnen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Gerichtsgebäude wurde weiträumig abgeriegelt. Anwälte, Unterstützer, ausländische Diplomaten, Journalisten, Wangs Familie - sie alle müssen draußen bleiben.

Haare lassen aus Protest

Seit der Festnahme des Anwalts vor drei Jahren hat seine Frau Li Wenzu nach eigenen Angaben keinen Kontakt zu ihm. Sie habe versucht, ihre Wohnung in Peking zu verlassen, schreibt sie im Nachrichtendienst Wechat. Polizisten hätten sie daran gehindert, ins 100 Kilometer entfernte Tianjin zum Prozess zu reisen.

Vergangene Woche hat sich Li Wenzu aus Protest gemeinsam mit anderen Ehefrauen von Anwälten und Aktivisten öffentlich die Haare abrasieren lassen.

"Wir lassen uns die Haare abschneiden. Wir wollen damit zeigen, dass die Behörden ohne Unterbrechung schamlos das Gesetz brechen."

Li Wenzu, die Frau des in China inhaftierten Menschenrechtsanwalts Wang Quanzhang, lässt sich im Dezember 2018 aus Protest öffentlich die Haare abrasieren. | Bildquelle: AFP
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Wangs Frau Li Wenzu ließ sich öffentlich die Haare abrasieren, um auf den von ihr angeprangerten Machtmissbrauch der Behörden aufmerksam zu machen.

Wegen Unterwanderung der Staatsgewalt angeklagt

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich bei ihrer China-Reise im Mai mit Li Wenzu getroffen. Als Geste der Unterstützung hat die Kanzlerin bei ihren Besuchen in der Volksrepublik immer wieder Gespräche mit Aktivisten geführt.

Der Menschenrechtsanwalt Wang hatte unter anderem Opfer von Landenteignungen und Anhänger von Falun Gong vertreten. Diese spirituelle Praktik ist in China verboten. 2015 verschwand er im Zuge einer groß angelegten Polizeiaktion gegen Kritiker der chinesischen Staats- und Parteiführung. Seitdem sitzt er in Isolationshaft.

Ihm wird Unterwanderung der Staatsgewalt vorgeworfen. Als Einziger der damals insgesamt mehr als 200 Festgenommenen musste Wang so lange auf seine Verhandlung warten.

Prozesse über Weihnachten - keine Seltenheit in China

Prozesse gegen Menschenrechtsaktivisten werden in China häufig in kürzester Zeit abgehandelt und enden in fast allen Fällen mit einer Verurteilung. Immer wieder werden die Angeklagten und ihre Familien unter Druck gesetzt, erzwungene Geständnisse sind keine Seltenheit.  

Prozesse an Weihnachten haben in China Tradition. Viele Diplomaten und Korrespondenten verlassen das Land, westliche Medien sind zwischen den Jahren häufig nur mit Notdiensten besetzt.

China: Prozess gegen Menschenrechtsanwalt Wang Quanzhang
Benjamin Eyssel, ARD Peking
26.12.2018 08:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Dezember 2018 um 09:00 Uhr in den Nachrichten.

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