Models auf dem Laufsteg der China Fashion Week | Bildquelle: AFP

Selbstbewusst und unabhängig Chinas neues Modebewusstsein

Stand: 28.03.2019 09:37 Uhr

Lange haben chinesische Konsumenten alles verehrt, was aus dem Westen kam. Aber es gibt einen Gegentrend: Auf der "China Fashion Week" zeigt sich die Vorliebe für heimische Designs und Marken.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Eine alte Fabrikhalle im Pekinger Künstlerviertel 798. Auf der "China Fashion Week" präsentieren mehr als 100 Models an diesem Abend die neue Kollektion von Modedesigner Hu Sheguang. Titel: "Mode - Frauen -Truppen". Hu Sheguang zitiert in seiner Arbeit immer wieder Elemente aus seinem Heimatland China.

Er möchte die kulturellen Traditionen der Vorfahren nicht unverändert in seinem Design zeigen, sagt er. Aber er will sie weiter entwickeln zu einer Kombination aus Innovation und traditioneller Elemente. "Die jungen Leute sollen das mögen. Meine Show zeigt meine Sicht auf die chinesische Kultur, die ich mit meiner Arbeit vermitteln möchte."

Models auf dem Laufsteg während der China Fashion Week | Bildquelle: AFP
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Auch Elemente traditioneller Kultur sind bei der "China Fashion Week" zu sehen.

Kulturelle Emanzipation vom Westen

Die traditionellen rot-bunte Hüte erinnern an die Innere Mongolei. Der Schnitt der Mäntel an die ausfallenden Wintermäntel aus der Mao-Zeit. Auf dunkelgrünen Rucksäcken strahlt der rote Stern als Symbol der Arbeiterbewegung.

Das Design des 45-jährigen Hu Sheguang lebt von der kulturellen Referenz. Er stammt aus der Inneren Mongolei, ist mit 16 Jahren nach Holland gezogen, hat in Amsterdam studiert und die niederländische Staatsangehörigkeit angenommen. Vor sieben Jahren ist er nach China zurückgekehrt.

Nach seiner Rückkehr nach China habe er das Gefühl gehabt, dass seine Inspiration unerschöpflich ist. Er könne hier viele neue Sachen ausprobiere", sagt er. Viele Chinesen hätten aber noch immer die Angewohnheit, ausländische Marken und ausländisches Design mehr zu achten.

"China befindet sich im Übergang. Von einer Produktionsstätte für ausländische Marken hin zu einem eigenen, chinesischen Modedesign."

Designer Hu Sheguang gehört zu denen, die ein neues, kulturelles Selbstbewusstsein propagieren. China nicht nur als Land, in dem die meisten Gucci-Taschen gefälscht und die meisten westlichen Turnschuhe produziert werden. Sondern ein Land, deren Modedesigner sich vom Westen emanzipieren.

Die Mode entwickelt sich so schnell wie die Wirtschaft

Chen Wen ist zweiter Vorsitzender der "China Fashion Association". Die meisten der chinesischen Designer kämen kaum aus China heraus, sagt er. Deswegen wüssten die Medien und die Menschen im Westen wenig über chinesische Designer.

"Sie denken, wir verharren im Zustand von vor zehn Jahren, haben keine originären Ideen, sind lediglich Produktions- und Konsumentenland." Die chinesische Mode habe sich in den letzten zehn Jahren so schnell entwickelt wie die chinesische Wirtschaft.

Chinas Großstadt-Hipster

Auf der "China Fashion Week" in Peking treffen sich Chinas Großstadt-Hipster. Sie tragen Feiyue Turnschuhe, den legendären chinesischen Kung Fu Schuh aus Segeltuch-Material. Oder die chinesische Sportmarke Li Ning, die zu Adidas und Nike aufschließen möchte.

Deren intensive Verwendung chinesischer Zeichen und der Farben Rot-Gelb manche bereits Mode-Nationalismus nennen. Der Blick nach außen bleibt wichtig, findet Designer Hu Sheguang. Man könne auf Dauer nicht mit chinesischer Mode im eigenen Saft kochen.

"Wir müssen die Tür aufmachen, das Ausland kommentieren lassen. Das ist der richtige Weg. Aber viele chinesische Designer wollen diese Tür jetzt noch nicht öffnen." Hu Sheguang hat über zwanzig Jahre in Holland gelebt und als Modedesigner fürs niederländische Königshaus gearbeitet. Aber seine Zukunft - und die des Modedesigns - sieht er in China.

Besucher der China Fashion Week | Bildquelle: AFP
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Die "China Fashion Week" zieht vor allem junge Besucher an.

Der Trend geht zur Tennissocke

Zeitgleich zur "China Fashion Week" hat der chinesische E-Commerce-Gigant "Taobao" seine Mode-Trends für 2019 veröffentlicht. Eine Vorhersage, die aus dem Such- und Kaufverhalten von über 600 Millionen "Taobao"-Nutzern resultiert.

Danach haben chinesische Frauen im Januar dieses Jahres zum ersten Mal mehr Anzüge gekauft als chinesische Männer. Ein weiterer Trend: übergroße Jacketts, Blazer und Sportjacken. Der Verkauf von übergroßen Blazern ist in China zuletzt um 140 Prozent gestiegen. Der Verkauf von Tennissocken sogar um fast 500 Prozent.

Neuer Stolz, neues Selbstbewusstsein: Chinas Modedesign im Aufwind
Axel Dorloff, ARD Peking
28.03.2019 08:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. März 2019 um 05:25 Uhr.

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