Ein Zug fährt in den Bahnhof von Harbin, China. Im Hintergrund steigt Rauch aus einem Turm. | Bildquelle: REUTERS

Kampf gegen Klimawandel China gibt sich als Klimaretter

Stand: 02.12.2019 11:06 Uhr

Vom klimapolitischen Saulus zum Paulus? China brüstet sich gern mit seinen Fortschritten beim Klimaschutz. Gleichzeitig floriert der Export von Kohlekraftwerken ins Ausland. Wie passt das zusammen?

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

China auf der Klima-Überholspur: Das ist die Botschaft, die der chinesische Vize-Umweltminister Zhao Yingmin mitgebracht hat. Rechtzeitig zum Klimagipfel in Madrid referiert er in Peking noch einmal die klimapolitischen Errungenschaften seines Landes: "Chinas CO2-Ausstoß pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts ist 2018 um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen. Wir liegen jetzt besser als unser Jahresziel für 2020." Der Anteil aus nicht-fossilen Energieträgern betrage heute 14,3 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. "Das sind die hart erkämpften Resultate unserer Politik, in China eine grüne und kohlenstoffarme Wirtschaft aufzubauen."

Dann teilt der chinesische Vize-Umweltminister aus und wirft den westlichen Industrieländern einen mangelnden Willen zum Klimaschutz vor. Dies sei das größte Problem bei den Bemühungen um ein Umsteuern in der Klimapolitik. In der Selbstwahrnehmung hat sich China vom klimapolitischen Saulus zum Paulus gewandelt - die Bösen sind jetzt die anderen.

Widersprüchliches Bild

Tatsächlich ist in China einiges passiert, bestätigt Ma Jun, Direktor des unabhängigen Pekinger Umwelt-Instituts IPE. "Durch all die Anstrengungen, die China unternommen hat, sind die Emissionen deutlich zurückgegangen", erzählt er. "Verantwortlich dafür sind vor allem die Kontrolle und Reduzierung der Kohleverbrennung und eine Umstrukturierung der Schwerindustrie. Außerdem strengere Auflagen für verschmutzungsintensive Industrien, staubintensive Baustellen und für den Autoverkehr."

Eine Frau steht vor dem Gebäude des China Central Television (CCTV) | Bildquelle: REUTERS
galerie

CO2-arme Wirtschaft nützt auch im Kampf gegen Luftverschmutzung - ein drängendes Problem in Chinas Großstädten.

Aber das Bild bleibt höchst widersprüchlich: Seit 2005 stößt China in absoluten Zahlen weltweit am meisten CO2 aus. Dreckige Kohle ist immer noch der mit Abstand wichtigste Energieträger. China verringert zwar die eigene Abhängigkeit von der Kohle, verkauft aber gleichzeitig Kohlekraftwerke als Exportschlager ins Ausland. Zudem ist das Bewusstsein in der Bevölkerung für klimafreundliches Verhalten kaum vorhanden. Das, was passiert, ist von oben verordnet.

Kein Blockierer der Klimapolitik

In der Klimapolitik bleibt also auch für China viel Luft nach oben. Das gibt selbst Vize-Umweltminister Zhao zu: "Wir stehen weiter vor der Herausforderung, unsere Wirtschaft zu entwickeln, den Lebensstandard der Bevölkerung zu verbessern, Armut zu senken und unsere Umwelt sauberer zu machen." Trotz dieser Herausforderungen und Schwierigkeiten werde sich China dem Kampf gegen den Klimawandel und dem Pariser Klimaschutzabkommen voll und ganz verpflichtet fühlen. "Ebenso wie dem klimafreundlichen Umbau unserer Wirtschaft."

Nachdem sich die USA offiziell aus dem Klimaabkommen von Paris zurückgezogen haben, will China als der starke und wichtige Partner in der internationalen Klimapolitik wahrgenommen werden. Die chinesische Führung sieht das als Feld, in dem das Land nur gewinnen kann. Denn die Auswirkungen des Klimawandels sind in China bereits sichtbar. Außerdem nützt eine kohlenstoffarme Wirtschaft auch im Kampf gegen die Luftverschmutzung. Zudem sieht China alles, was mit Green Economy zu tun hat, als Wachstumstreiber der Zukunft. In der internationalen Klimapolitik ist China nicht mehr der Blockierer.

China im Kampf gegen den Klimawandel
Axel Dorlofff, ARD Peking
02.12.2019 09:58 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 02. Dezember 2019 um 11:17 Uhr.

Darstellung: