Sicherheitspersonal vor der kanadischen Botschaft in Peking | Bildquelle: ROMAN PILIPEY/EPA-EFE/REX

Spannungen zwischen China und Kanada Der Ton verschärft sich

Stand: 15.01.2019 09:38 Uhr

Das Todesurteil gegen einen kanadischen Staatsbürger hat zu neuen Spannungen zwischen China und Kanada geführt. Premier Trudeau sprach von einem "willkürlichen" Urteil. Die Reaktion Pekings ließ nicht lange auf sich warten.

Nach dem Todesurteil gegen einen mutmaßlichen kanadischen Drogenschmuggler hat sich das angespannte Verhältnis zwischen China und Kanada weiter verschlechtert.

Die kanadische Regierung verschärfte ihre Reisehinweise für China und warnte kanadische Staatsbürger vor der "willkürlichen Durchsetzung" von Gesetzen in der Volksrepublik. Kanadier werden deshalb um besondere Vorsicht gebeten.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau zeigte sich "extrem" besorgt darüber, dass China "willkürlich" die Todesstrafe gegen Robert Lloyd Schellenberg verhängt habe.

Peking ist "äußerst unzufrieden"

Das Außenministerium in Peking wies Trudeaus Kritik an dem Urteil in scharfer Form zurück. Die Äußerungen Trudeaus seien "äußerst unbefriedigend" sagte Ministeriumssprecherin Hua Chunying. Kanada müsse endlich die Souveränität Chinas akzeptieren und auf derartige Bemerkungen verzichten.

Ein Gericht im Nordosten Chinas hatte am Montag den 36-jährigen Kanadier wegen Schmuggels von mehr als 200 Kiligramm Drogen zum Tode verurteilt. Die Richter hoben in einem Wiederaufnahmeverfahren ein Urteil vom November auf, demzufolge Schellenberg eine 15-jährige Haftstrafe verbüßen und eine Geldstrafe von 150.000 Yuan (19.000 Euro) zahlen sollte.

Schellenberg war bereits im Jahr 2014 in der chinesischen Provinz Liaoning festgenommen worden. Im Dezember hatte ein Berufungsgericht das erste Urteil als zu milde beanstandet und ein höheres Strafmaß gefordert. Schellenberg kann das Todesurteil noch anfechten.

Verhältnis beider Länder bereits angespannt

Die Beziehungen zwischen Kanada und China sind bereits stark angespannt. Peking ist verärgert über die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Vancouver Anfang Dezember. Inzwischen wurde Meng gegen Zahlung einer Kaution unter strengen Auflagen freigelassen. Das Verfahren zu ihrer Auslieferung an die USA läuft aber weiter.

Washington wirft der Unternehmerin Verstöße gegen die Iran-Sanktionen vor und fordert ihre Auslieferung. Seit dem Verfahren gegen Meng wurden in China mehrere kanadische Staatsbürger festgenommen - ein ehemaliger Diplomat und ein in China lebender Nordkorea-Experte sind weiterhin in Haft. Die beiden Männer stehen Peking zufolge im Verdacht, die "nationale Sicherheit" zu gefährden - in China eine Umschreibung für einen Spionageverdacht.

Nach Einschätzung von Beobachtern war die Festnahme der beiden Kanadier eine Vergeltungsaktion der chinesischen Behörden für die Festsetzung der chinesischen Topmanagerin. 

Todesstrafe für Kanadier in China
Axel Dorloff, ARD Peking
15.01.2019 11:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Januar 2019 um 11:00 Uhr.

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