Müllsammler im Jangtse | Bildquelle: REUTERS

Fluss Jangtse Chinas vermüllter Strom

Stand: 06.09.2018 11:58 Uhr

Jahrzehntelang hat China Europas Müll entsorgt. Im Jangtse, Asiens längstem Strom, finden sich neben dem einheimischen Unrat Verpackungsreste aus der ganzen Welt. Die Folgen für die Umwelt sind fatal.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Im tibetischen Hochland entspringt der Jangtsekiang, kurz Jangtse - der längste Fluss Asiens und der drittlängste Strom der Welt. Vom tibetischen Quellgebiet in der Provinz Qinghai führt der Fluss knapp 6400 Kilometer quer durch China. Während das Wasser im Hochland von Tibet noch klar und sauber ist, wird der Jangtse bis zu seiner Mündung ins Ostchinesische Meer zu einem der dreckigsten Flüsse der Welt, sagt Chen Chun Shang, Professor an der Ozean Universität in Shanghai:

"Die Verschmutzung betrifft den Jangtse-Fluss, seine Nebenflüsse und das ganze Küstengebiet. Nehmen wir nur mal den Messerfisch. Der hat sich vorzugsweise hier im Jangtse und in den Nebenflüssen fortgepflanzt. Aber es ist alles so verschmutzt, dass er nicht mal mehr Plätze zum Eierlegen findet. Die Zahl der Messerfische ist im Jangtse im vergangenen Jahrzehnt um rund 90 Prozent zurückgegangen."

Bereits 2012 haben chinesische Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science" eine "beispiellose Verschmutzung" des Jangtse festgestellt. 2017 haben Wissenschaftler, unter anderem vom Helmholzzentrum für Umweltforschung in Leipzig, Daten über die Verschmutzung von 1350 Flüssen weltweit ausgewertet. Ergebnis: Von allen Flüssen der Welt spült der Jangtse am meisten Plastik ins Meer.

Blick auf den Finanzdistrikt von Shanghai | Bildquelle: AFP
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Millionenstädte wie Shanghai liegen am Jangtse. Und dort werden täglich Tonnen von Müll produziert.

"Die Müllhalde der gesamten Welt vor mir"

Das ist keine Überraschung, denn kein Land produziert in absoluten Zahlen mehr Plastikmüll als China. Dazu haben die Industrieländer über Jahrzehnte große Mengen ihres Plastikmülls nach China verschickt. Der Dokumentarfilmer Wang Jiuliang hat dazu einen Film gedreht, Titel: Plastic China. "Eines Tages war ich für meine Recherchen auf einer Müllhalde in der Provinz Hebei am Rande Pekings. Riesig groß, überall Abfall, in allen Farben. Dann schaute ich genauer hin und sah Verpackungen aus den USA, aus Japan, Deutschland und Frankreich. Ich begriff, dass ich die Müllhalde der gesamten Welt vor mir hatte."

Auch der Anteil des Plastikmülls, der unsachgemäß entsorgt wird, ist in China am größten. Laut einer Studie der US-Universität in Georgia betrifft das rund drei Viertel des Plastikmülls. Viel davon landet im Jangtse - und schließlich im Ostchinesischen Meer.

Millionenstädte mit Tonnen von Plastikmüll

Der Jangtse passiert auf seinem Weg durch China zahlreiche Megastädte wie Chongqing oder Shanghai. Allein diese beiden Metropolen haben gemeinsam fast 60 Millionen Einwohner. Und die trinken Getränke aus Einweg-Plastikflaschen und kaufen Äpfel oder Birnen, die oft einzeln in Plastik verpackt werden. Mut mache das nicht, sagt Ozean-Forscher Chen Shun Sheng: "Ich bin nicht wirklich optimistisch, was die Zukunft anbelangt. Zurzeit sehe ich keine positiven Entwicklungen."

Der Chinesische Flussdelfin ist vermutlich ausgestorben, der Jangtse-Stör und der China-Alligator im Jangtse gelten als vom Aussterben bedroht. Anfang des Jahres hat China als größter Müll-Importeur die Auflagen für Einfuhren drastisch verschärft und viele Importe gleich ganz verboten. Das gibt etwas Entlastung. Aber solange ein Großteil des Hausmülls in China nicht sortiert und ordnungsgemäß entsorgt wird, landen Unmengen von Plastikmüll weiter im Jangtse.

Und ab ins Meer: Der Jangtse als Plastikmüll-Weltmeister
Axel Dorloff, ARD Peking
06.09.2018 12:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. September 2018 um 05:43 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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