Anhänger der VR China mit der chinesischen Nationalflagge in Hongkong | Bildquelle: AP

Proteste in Hongkong "Warum spielen die sich auf?"

Stand: 16.08.2019 07:50 Uhr

Die Bevölkerung in Festlandchina betrachtet die Anti-Regierungsproteste in Hongkong eher skeptisch. Nach der Eskalation am Flughafen Anfang der Woche nimmt die Empörung gegenüber den Demonstranten zu.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

"Was soll das, warum spielen die sich auf? Die sollen bitte einfach arbeiten und friedlich vor sich hin leben. Vor allem: Das bringt doch alles nichts." So wie dieser 30-jährige Angestellte aus Shanghai sehen es die meisten Menschen in Festlandchina.

Die Proteste in der Sonderverwaltungsregion Hongkong seien absolut unverständlich. Erst recht seit der Gewalteskalation Anfang der Woche, als Protestierer am Hongkonger Flughafen einen festlandchinesischen Zeitungsreporter misshandelten.

Demonstranten entschuldigen sich am Flughafen in Hongkong | Bildquelle: REUTERS
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Demonstranten entschuldigen sich am Dienstag am Flughafen in Hongkong für die Eskalation der Gewalt.

"Sie werden damit nichts erreichen"

Eine Frau erzählt, dass sie selbst vier Jahre lang in Hongkong gelebt und in der Finanzbranche gearbeitet hat. Heute wolle sie dort nicht mehr hin, zu unsicher sei es geworden. "Ich habe Handyvideos gesehen, wie sie diesen chinesischen Reporter angegriffen haben", berichtet sie. "Ich habe mitbekommen, was auf den Flyern der Demonstranten steht und wie sie den Verkehr behindern. Ich verstehe das nicht. Das ist unnötig. Und was auch immer sie tun: Sie werden damit nichts erreichen."

Die Forderungen der Demonstranten könne sie absolut nicht nachvollziehen. Vor allem stört sie die Forderung nach einer Untersuchung der Polizeigewalt. "Ich unterstütze die Hongkonger Polizei", sagt sie. "Wissen sie: Hongkong gehört jetzt seit mehr als 20 Jahren zu China. Seitdem hat sich dort wirtschaftlich viel verbessert, auch dank der Unterstützung durch Festlandchina. Das habe ich selbst erlebt. Deswegen sage ich, ohne gerade selbst dabei zu sein, dass radiakale Aktionen falsch sind."

Informationen kommen von den Staatsmedien

In Festlandchina werden ausnahmslos alle Nachrichtenportale, Zeitungen sowie Radio- und Fernsehsender von der Staats- und Parteiführung kontrolliert. Als die Proteste Anfang Juni begannen, wurden diese totgeschwiegen, dann als vereinzelte Gewaltaktionen gebrandmarkt, inzwischen vergleichen die staatlichen Medien die Demonstranten mit Terroristen.

Ganz so weit will dieser 70-jährige Shanghaier Rentner nicht gehen. Es sei aber "offensichtlich falsch, was die machen", glaubt er. "Hongkong war immer eine großartige Stadt. Ein wichtiges Finanzzentrum. Dieser Mob hat bisher nur Schlechtes angerichtet, nichts Gutes."

Auf die Frage, wie er sich über das Geschehen in der chinesischen Sonderverwaltungsregion informiert, antwortet er, dass er sich die Fernsehnachrichten bei CCTV anschaue, dem wichtigsten staatlichen Fernsehsender Chinas. Radio höre er auch: China Radio International, ebenfalls ein staatlicher Sender.

"Wir normalen Bürger haben ja gar keinen Zugang zu anderen Sendern", sagt er. "Ausländische Sender schaue ich natürlich nicht. Ich vertraue der chinesischen Staatsführung. Der Propaganda aus dem Ausland, ausländischen Medien, vertraue ich nicht."

Kein Verständnis für Honkong-Demonstranten in China
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
16.08.2019 07:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 16. August 2019 um 07:12 Uhr.

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