Wirtschaft in China: Containerschiff im Hafen von Qingdao | Bildquelle: AP

Chinas Wirtschaft Handelskonflikt mit USA hinterlässt Spuren

Stand: 14.01.2019 11:05 Uhr

Der Zollstreit mit den USA und das langsamere Wirtschaftswachstum haben den chinesischen Außenhandel am Jahresende stark belastet. Die Exporte gingen stärker zurück als erwartet. Insgesamt lief es 2018 aber gut.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

An den Handelszahlen, die der Sprecher der chinesischen Zollbehörde in Peking vorgelegt hat, lassen sich zwei Dinge ablesen. Erstens: Betrachtet man das Gesamtjahr 2018, lief es für Chinas Wirtschaft gut. Die Ausfuhren wuchsen im Vergleich zu 2017 um 9,9 Prozent. Damit stiegen die Exporte so kräftig wie seit sieben Jahren nicht mehr. Der Wert der Waren-Importe legte sogar noch deutlicher zu, um fast 16 Prozent. Der umstrittene chinesische Handelsüberschuss mit dem Ausland ist dadurch insgesamt gesunken.

Zweitens: Es lohnt sich aber ein Blick aufs Ende des zurückliegenden Jahres. Denn im Dezember drehten die Zahlen deutlich ins Minus: Die Exporte sind im Vergleich zum Dezember 2017 um 4,4 Prozent geschrumpft, die Importe sogar um 7,6 Prozent. Experten hatten hier zwar mit einem schwachen Dezember-Ergebnis gerechnet, aber trotzdem noch ein Plus erwartet bei Importen und Exporten.

Die überraschend negativen Zahlen werten Analysten als klares Zeichen dafür, dass die wirtschaftlichen Spannungen mit den USA endgültig auf die chinesische Realwirtschaft durchschlagen.

Handelskonflikt mit den USA

Das Wort "Handelskrieg" nahm der Sprecher der Zollbehörde Li Kuiwen zwar nicht in den Mund - fast kein chinesischer Politiker traut sich das öffentlich. Aber indirekt erwähnte Li den Handelskonflikt mit den USA. Die größte Herausforderung für 2019 blieben die komplizierten und heftigen externen Einflüsse, sagte Li. Es gäbe eine ganze Reihe unsicherer und instabiler Faktoren. In einigen Ländern nehme der Protektionismus zu. Die Weltwirtschaft schwäche sich ab. Davon betroffen seien auch Handel und Investitionen.

Die USA und China überziehen sich seit Mitte 2018 gegenseitig mit Sonderzöllen. Die USA erheben diese Sonderabgaben inzwischen auf rund die Hälfte aller importierten Waren aus China. China wiederum erhebt Gegenzölle, allerdings in nicht ganz so großem Umfang. Angezettelt hat den Handelsstreit die US-Regierung unter Donald Trump. Sie wirft China unfaire Handelspraktiken vor: Technologieklau und die Benachteiligung ausländischer Firmen etwa. Fast die gleichen Vorwürfe kommen auch seit Jahren aus Europa. China weist sie zurück.

Wirtschaft in China: Containerschiff im Hafen von Qingdao | Bildquelle: AP
galerie

Chinas Regierung hat Hilfe für heimische Wirtschaft angekündigt.

Bis Ende Februar haben sich China und die USA noch Zeit genommen, um den Handelskonflikt beizulegen. Experten sind inzwischen wieder etwas zuversichtlicher als noch vor einigen Wochen. Wang Tao zum Beispiel, die Chefökonomin für den Bereich China bei der Schweizerischen Großbank UBS. Seit gut einem Monat würde man erleben, dass der Wille zu echten Verhandlungen gestiegen sei, sagt sie. Sowohl bei der chinesischen Führung als auch in den USA. Nach den Turbulenzen an den US-Börsen scheine auch US-Präsident Trump zunehmend interessiert an einem Kompromiss.

Hilfe für heimische Wirtschaft

Chinas Staats- und Parteiführung hat inzwischen einige Maßnahmen angekündigt, um der schwächelnden heimischen Wirtschaft zu helfen. So sollen die Sozialabgaben gesenkt werden. Firmen können damit rechnen, die Hälfte ihrer Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für 2018 zurückzubekommen. Auch neue Milliarden für diverse staatliche Bau-Projekte sollen die Konjunktur beleben. Bezahlt wird das Ganze mit neuen Schulden.

China: Handel mit Ausland legte 2018 zu, Tendenz aber negativ
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
14.01.2019 09:44 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Januar 2019 um 08:00 Uhr.

Darstellung: