Sandro Wagner | Bildquelle: picture alliance/dpa

Wegen Coronavirus Kein Fußball in China

Stand: 06.03.2020 16:52 Uhr

Während die Bundesligaspiele wie gewohnt stattfinden, kicken die Profifußballer in Italien und Dänemark wegen des Coronavirus vor leeren Rängen. In China wurde gar der Saisonstart verschoben.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

"Besser werden - auch für unsere Stadt" - so heißt es auf einem riesigen Plakat, das am traditionellen Arbeiterstadion in Peking hängt - der Heimat des Klubs Peking Guoan, amtierender Vizemeister der Super League in China. Es klingt wie eine Durchhalteparole, denn im Moment wird im chinesischen Fußball gar nichts besser. Die hohen Stahltore zum Stadiongelände sind zugesperrt. Die vielen, umliegenden Restaurants haben alle geschlossen. Der 35 Jahre alte Wang Jun ist Peking-Guoan-Fan, er blickt ratlos auf die Spielstätte seiner Mannschaft.

"Mir ist extrem langweilig, weil wir keinen Fußball gucken können. Wir können nichts machen außer Warten. In meiner Peking-Guoan-Fangruppe können wir nicht mal vernünftig über Fußball reden, weil derzeit nichts stattfindet", klagt Jun. "Wir diskutieren über die Corona-Epidemie, über die Arbeit, übers Essen und Kochen. Aber nicht über Fußball! Niemand weiß ja, wann die Liga startet."

Gerüchte, dass die ganze Saison abgesagt wird

Die Fußballsaison in China geht in der Regel von Ende Februar/Anfang März bis November. Aber wegen des Coronavirus wurde der Ligastart verschoben. Für den chinesischen Fußball ist das eine herber Schlag, sagt Yan Qiang, ein bekannter Fußballmoderator aus Peking: "Es ist wirklich, wirklich schlimm! Ungefähr ein Drittel der Vereine der Super League bereiten sich gerade außerhalb Chinas auf die neue Saison vor - im Nahen Osten oder in Australien. Und die Vereine stehen vor großen Herausforderungen, weil sie sich gar nicht normal vorbereiten können", sagt Qiang. "Es gibt ja nicht mal ein Datum für den Saisonstart. Es gibt sogar Gerüchte, dass der Fußballverband die Saison ganz absagt. Im besten Falle ein Start Ende April, Anfang Mai. Es hängt alles davon ab, wie sich die Situation um das Coronavirus entwickelt."

Die Fußballmannschaft aus Wuhan bei ihrer Ankunft in Madrid | Bildquelle: AP
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Die Fußballmannschaft aus Wuhan bereitet sich in Spanien auf die neue Saison vor.

Die Mannschaften hängen in der Luft, manche verlängern von Woche zu Woche die Hotelbuchungen im Trainingslager. Wuhan Zall, die Mannschaft aus der vom Coronavirus am meisten betroffenen Stadt Wuhan, bereitet sich gerade in Spanien auf die neue Saison vor. Ihre Heimatstadt in China ist weiter streng abgeriegelt. Vergangenes Wochenende hat der Verein Real Madrid das komplette Team aus Wuhan zum Classico gegen den FC Barcelona eingeladen.

Schwierige wirtschaftliche Lage der Vereine

Wirtschaftlich wird die Situation für die Vereine immer schwieriger, sagt Qiang. "Die Wahrheit ist, dass alle Mannschaften Geld verlieren. Es gibt nicht einen einzigen Fußballverein in China, der kein Minus macht. Darum müssen die Investoren Cash in die Vereine pumpen. Sie müssen Geld verbrennen, um die Klubs am Leben zu halten", sagt Qian. "Aber das Coronavirus hat dafür gesorgt, dass alles in China zum Stillstand gekommen ist. Wir haben bald zwei Monate, in denen wirtschaftlich nichts passiert ist. Das wird sehr düster für die Fußballklubs."

Auch weil Sponsoren und Investoren selbst unter den wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus leiden - und deshalb Investitionen in den Fußball auf der Kippe stehen. Je schlechter die wirtschaftliche Lage im Land, desto größer auch die Auswirkungen auf die chinesische Super League. Die Zeiten der gigantischen Investitionen und extrem hohen Gehälter für internationale Stars sind schon seit etwa zwei Jahren vorbei. Jetzt könnte es für einige Vereine ein Überlebenskampf werden.

Chinas Fußball am Abgrund: Ungewissheit wegen Corona-Virus
Axel Dorloff, ARD Peking
06.03.2020 15:55 Uhr

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