Ein Sicherheitsbeamter steht während einer Pressekonferenz zur Veröffentlichung des Weißbuchs zur Bekämpfung von COVID-19 China in Aktion, Peking/China | Bildquelle: WU HONG/EPA-EFE/Shutterstock

Umgang mit Coronavirus China lobt sich selbst

Stand: 07.06.2020 13:07 Uhr

66 Seiten Eigenlob: Chinas Führung hat sich selbst ein fehlerfreies Corona-Krisenmanagement bescheinigt. Das Grundsatzpapier steht im krassen Widerspruch zu unabhängigen Berichten.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

China hat alles richtig gemacht. Zu diesem Ergebnis kommt ein umfassendes Grundsatzpapier der chinesischen Staats- und Parteiführung. Sie hat das so genannte Weißbuch zur Coronavirus-Krise, eine erste Zwischenbilanz zur Pandemie, heute in Peking vorgestellt.

"Die chinesische Führung hat Informationen über den Ausbruch der Krankheit jederzeit gesetzestreu, zeitnah, offen und präzise veröffentlicht," erklärte Xu Lin, stellvertretender Chef des Zentralkommitees der Kommunistischen Partei Chinas. "Das Weißbuch belegt, dass China direkt auf die Sorgen der Bevölkerung reagiert hat und in Verantwortung für Menschenleben, für das Volk, für die Geschichte und für die internationale Staatengemeinschaft gehandelt hat."

Keine Fehler, keine Missstände

Auf 66 Seiten listet das Weißbuch detailliert auf, wie die chinesischen Behörden das Coronavirus bekämpft und die Lage schließlich in den Griff bekommen haben. Auf Fehler und Missstände der chinesischen Führung wird nicht eingegangen.

Damit steht das Papier in krassem Widerspruch zu Analysen von Expertinnen und Experten und auch zu Recherchen internationaler Medien. Sie belegen ausführlich, dass Chinas Führung vor allem zu Beginn der Coronavirus-Krise Ende 2019 wichtige Informationen ignoriert und sogar vertuscht hat.

Xu Lin, stellvertretender Leiter der Öffentlichkeitsabteilung des Zentralkomitees der KPCh zeigt das Weissbuch zur Bekämpfung von COVID-19, Peking/China | Bildquelle: WU HONG/EPA-EFE/Shutterstock
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Alles super: Der Vize-Chef des Zentralkommitees der Kommunistischen Partei, Xu Lin, verteilt Bestnoten.

Internationale Zusammenarbeit ausgebremst

So wurden Hinweisgeber zum Schweigen gebracht, Medienberichte zur Lage in Wuhan verhindert oder zensiert und die internationale Zusammenarbeit zunächst ausgebremst.

Der inzwischen gestorbene Wuhaner Arzt Li Wenliang, der frühzeitig vor den Gefahren des Lungenvirus gewarnt hatte, wird in dem Papier der Staatsführung nicht ein einziges Mal erwähnt. Der Name von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping kommt hingegen fast 40 Mal vor.

Kritische Journalisten verschwanden spurlos

Die allesamt vom Staat kontrollierten Medien in China berichten heute ausführlich über den vermeintlich fehlerfrei geführten Kampf der chinesischen Führung gegen das Virus. Auch über die ausländischen Kanäle der chinesischen Staatsmedien und über deren Produktionsfirmen wird dieses Narrativ seit Wochen weltweit verbreitet, auf Englisch, auf Deutsch und in anderen Sprachen. Unabhängige Informationen und Berichte zur Coronavirus-Krise werden von der chinesischen Regierung konsequent unterdrückt.

Recherchen des Hongkonger Nachrichtenportals Abacus belegen, dass die Kommunistische Führung in Online-Medien und Messenger-Diensten kritische Coronavirus-Informationen besonders streng zensieren lässt. Journalistinnen und Journalisten, die in China unabhängig zu dem Thema recherchieren wollen, bringen sich in Gefahr: Mehre chinesischen Journalisten, die aus Wuhan berichtet haben, sind in den vergangenen Monaten spurlos verschwunden. Mehrere ausländische Reporter wurden ausgewiesen.

Coronavirus: Chinas Führung bescheinigt sich exzellentes Krisenmanagemen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
07.06.2020 12:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juni 2020 um 23:22 Uhr.

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