Einwohner des Ortes Jiduhe nördlich von Peking am Ortseingang (Foto vom 7.02.2020). | Bildquelle: AFP

China 86 weitere Tote durch Coronavirus

Stand: 08.02.2020 07:20 Uhr

Die Zahl der Coronavirus-Fälle in China steigt sprunghaft. Inzwischen sind mehr als 700 Menschen an der Infektion gestorben. Am Wochenende sollen weitere Deutsche aus der Provinz Hubei ausgeflogen werden.

Binnen 24 Stunden sind in China 86 Menschen an der Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben. Das teilte die nationale Gesundheitskommission mit. Mit Ausnahme von fünf Fällen stammten alle aus der zentralchinesischen Provinz Hubei, in der die Lungenkrankheit ausgebrochen war.

Damit ist die offizielle Gesamtzahl der Todesopfer in Festlandchina und Hongkong durch das Coronavirus auf mindestens 722 Menschen gestiegen. Seit Freitag wurden außerdem 3399 weitere Ansteckungsfälle verzeichnet - inzwischen sind in China mehr als 34.500 Menschen infiziert.

Bestätigt wurden die ersten ausländischen Opfer in China. Es handelt sich demnach um einen 60-jährigen US-Bürger sowie um einen Japaner. Beide starben in Wuhan an den Folgen der Erkrankung.

Infografik Verbreitung neues Coronavirus Stand 7.2.2020
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Bestätigte Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus gibt es bislang hauptsächlich in Festlandchina, die Mehrzahl von ihnen in der Provinz Hubei (Stand: 7.2.2020).

Auswärtiges Amt arbeitet an Ausreise 20 Deutscher

Von der Millionenstadt Wuhan, die die Behörden derzeit rigoros abgeriegelt haben, hatte sich das Virus seit Dezember in fast 30 weitere Länder ausgebreitet.

In Deutschland gibt es inzwischen 14 bestätigte Infektionen - die meisten von ihnen sind Mitarbeiter einer bayerischen Firma und deren Angehörige, darunter auch zwei Kinder.

Am Wochenende sollen weitere Deutsche aus Wuhan zurückgeholt werden. "Einzelne Personen" hätten sich erst nach dem Rückholflug vergangenen Samstag gemeldet oder es nicht rechtzeitig zum Flughafen geschafft, teilte das Auswärtige Amt mit. Man bemühe sich intensiv darum, auch diesen Personen eine Ausreise zu ermöglichen.

Insgesamt sollen etwa 20 Menschen nach Deutschland kommen. Möglicherweise können sie mit einer größeren Gruppe von Briten ausfliegen. Sie sollen nach Berichten des "Spiegel" in einer Klinik in Berlin-Köpenick in Quarantäne kommen.

Ermittlungen nach Tod chinesischen Arztes

Chinas staatliche Aufsichtskommission hat ein Ermittlerteam nach Wuhan entsandt, um den Tod des Arztes Li Wenliang zu investigieren. Li hatte frühzeitig vor dem Ausbruch des neuartigen Virus gewarnt, wurde kurz darauf aber von der Polizei verwarnt und durfte zunächst nichts mehr darüber verbreiten. Später wurde bekannt, dass er selbst infiziert war. Inzwischen ist Li an der Lungenkrankheit gestorben.

Der Tod des 34-jährigen Augenarztes löste große Anteilnahme aus: Sein Schicksal symbolisiert für viele Chinesen die Folgen der Vertuschung und langsamen Reaktion der Behörden.

Xi "vollauf zuversichtlich"

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sagte, der Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sei in einer "entscheidenden Phase": Das ganze Land sei mobilisiert und habe strenge Maßnahmen zur Vorbeugung ergriffen. "Wir sind vollauf zuversichtlich und in der Lage, die Epidemie zu besiegen."

Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation WHO ist der weitere Verlauf der Epidemie jedoch schwer vorauszusagen. Abgesehen von den besonders betroffenen Gebieten scheine die Lage in China momentan relativ stabil zu sein, sagte ein WHO-Experte. Ein chinesischer Gesundheitsexperte hatte den voraussichtlichen Höhepunkt der Epidemie auf Mitte kommender Woche datiert.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Februar 2020 um 03:00 Uhr.

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