Ein Mann mit Gesichtsmaske am Flughafen in Wuhan | AFP

Coronavirus in China Wuhan - eine Stadt unter Quarantäne

Stand: 23.01.2020 04:24 Uhr

Wegen des neuartigen Coronavirus haben die chinesischen Behörden wichtige Verkehrsverbindungen von und nach Wuhan gekappt. Die Zahl der Krankheitsfälle ist auf rund 550 gestiegen, 17 Infizierte sind bislang gestorben.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Es sind drastische Maßnahmen, die die Verbreitung des neuartigen Coronavirus in China eindämmen sollen: Busse, U-Bahnen, Züge, Fähren und auch der Flugverkehr in der 11-Millionen-Stadt Wuhan werden vorerst gestoppt. Auch die unweit von Wuhan gelegene Stadt Huanggang kündigte eine Unterbrechung der öffentlichen Bus- und Bahnverbindungen an, wie das örtliche Fernsehen berichtet.

Axel Dorloff ARD-Studio Peking

Für den Autoverkehr in Wuhan gelten die Anweisungen bislang nicht, die Behörden riefen die Bewohner aber dazu auf, die Stadt nur unter besonderen Umständen zu verlassen, bestätigt Wuhans Bürgermeister Zhou Xianwang.  

Wir werden die Ausbreitung der Krankheit entschieden bekämpfen. Wir wollen sicherstellen, dass sich das Virus weder innerhalb noch außerhalb der Stadt ausbreitet. Andere Städte in China sollen nicht unter dem Ausbruch in Wuhan leiden. Wir haben Kontrollen an den Ausfallstraßen aufgestellt. Und wenn es keine besonderen Gründe gibt, appellieren wir an die Leute, Wuhan nicht zu besuchen oder zu verlassen. Dadurch wollen wir die Wahrscheinlichkeit der Virus-Übertragung verringern und die Situation entspannen." 

Wuhan gehört wegen seiner zentralen Lage zu den vier größten Knotenpunkten für das Streckennetz für Hochgeschwindigkeitszüge in China. Viele Menschen haben gestern Abend und heute Morgen noch versucht, die Stadt zu verlassen, Bahnhöfe und der Flughafen waren überfüllt. Seit 10 Uhr Ortszeit ist der öffentliche Verkehr eingestellt. Morgen beginnt in China das chinesische Neujahrsfest, der heutige Tag gilt eigentlich als der Tag im Jahr mit dem höchsten Reiseaufkommen.  

Unsicherheit, aber keine Panik

Auch vom Westbahnhof in Peking fahren keine Züge mehr nach Wuhan. Fast ausnahmslos tragen die Menschen Gesichtsmaske. Es herrscht Unsicherheit unter den Reisenden, aber keine Panik.  

Ich mache mir schon Sorgen, infiziert zu werden. Das ist ja verständlich. Aber die Medizin ist so gut entwickelt, Krankheiten lassen sich ja behandeln. Man muss optimistisch bleiben."  
Natürlich habe ich irgendwie Angst. Ich hoffe, dass sie die Ausbreitung der Krankheit so schnell wie möglich kontrollieren können.
Ich habe keine Angst, überhaupt keine Angst. Es gibt lediglich zu viele Leute, und alle schützen sich.

In Wuhan wurde der Verkauf von Gesichtsmasken auf ein Paket pro Kunde beschränkt, vor einigen Apotheken und Geschäften haben sich lange Schlangen gebildet. Die zentralchinesische Provinz Hubei, in der die Stadt Wuhan liegt, hat außerdem Notfall-Unterstützung vom Staat angefordert. 40 Millionen Gesichtsmasken, fünf Millionen Sets Schutzkleidung und 5000 Infrarot-Thermometer.

WHO berät über globalen Gesundheitsnotstand

Die stellvertretende Vorsitzende der Nationalen Gesundheitskommission Chinas, Jiao Yahui, erklärt weitere Notfall-Maßnahmen.

Wir haben spezielle Krankenhäuser im ganzen Land angewiesen, sich auf die Epidemie vorzubereiten. Und wir haben noch Krankenhäuser in der Hinterhand, die wir zu jeder Zeit aktivieren können, wenn sich die Zahl der Infektionen weiter erhöht. Es gibt detaillierte Notfallpläne für ganz China, um sicherzustellen, dass unsere medizinischen Ressourcen effektiv eingesetzt werden, um sofort Diagnosen zu stellen und die Patienten zu behandeln.

Die Weltgesundheitsorganisation in Genf hatte am Abend ihre Entscheidung darüber verschoben, wegen des neuartigen Coronavirus einen globalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Der Notfallausschuss, der die WHO berät, will aber heute erneut tagen.

Über dieses Thema berichtet die tagesschau am 22. Januar 2020 um 20:00 Uhr.