Ein Mann mit Mund-Nasen-Schutz geht durch das afrikanische Viertel von Guangzhou | Bildquelle: ALEX PLAVEVSKI/EPA-EFE/Shutterst

Diskriminierung Corona zeigt Chinas Rassismusproblem

Stand: 08.05.2020 08:47 Uhr

In China werden Menschen mit schwarzer Hautfarbe im Namen vermeintlicher Virusbekämpfung diskriminiert und belästigt. Die Corona-Krise macht deutlich: Das Land hat ein Rassismusproblem.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Ausländer müssen draußen bleiben. Das macht der grimmige Wachmann vor dem Sanyuanli-Textilmarkt in Guangzhou deutlich. "Sie können den Code nicht scannen", ruft er immer wieder und meint damit den ausgedruckten QR-Code, den er vor sich auf seinem Tisch hat. Normalerweise scannt man mit dem Smartphone diesen Code und bekommt eine Art digitalen Passierschein, mit dem man dann in das Gebäude reinkommt. Doch normal läuft zur Zeit zumindest für Ausländer vieles nicht in Guangzhou. Der Wachmann lässt nur Chinesen ins Gebäude.

Nach Ansicht vieler Menschen in Guangzhou geht von Ausländern ein höheres Coronavirus-Übertragungsrisiko aus als von Chinesen. Besonders verdächtig erscheinen Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Anfang April wurde bekannt, dass sich in Guangzhou mehrere Nigerianer mit dem Coronavirus angesteckt hatten. Anwohner und teils auch die Behörden der Stadt gingen daraufhin systematisch gegen "nicht-chinesisch-aussehende" Menschen vor.

Diskriminiert, belästigt, aus der Wohnung geworfen

Der 21-jährige Buba, der aus dem westafrikanischen Gambia kommt, und seinen Nachnamen nicht im Netz lesen will, erzählt von einem Anruf eines Freundes am Donnerstag vor Ostern. "Sie nehmen unsere Leute fest", habe ihn der Freund gewarnt. Einige Tage lang wurden Menschen mit dunkler Hautfarbe in Guangzhou auf der Straße belästigt, von Vermietern aus ihren Wohnungen geworfen, einige Restaurants hängten Schilder auf: Eintritt für Schwarze verboten.

"Einen Freund von mir haben sie aus dem Hotel geworfen, und ich sage das nicht nur. Ich habe es gesehen", erzählt Buba. "Der Polizist sagte ihm: Alle Schwarzen müssen das Hotel sofort verlassen."

Buba aus Gambia fliegt normalerweise viermal im Jahr für Geschäftstermine nach Guangzhou. Er handelt dort mit Kleidung und Schuhen. Wegen der Reisebeschränkungen sitzt er nun seit Ende Januar in Guangzhou fest. Er wurde im April von den Behörden in Zwangsquarantäne gesteckt, erzählt er, obwohl er mit den infizierten Nigerianern gar nichts zu tun gehabt habe.

"Ich war sehr, sehr sauer. Man kann doch nicht einfach Leute ohne Vorwarnung in Quarantäne stecken. Wir sind auch Menschen, so wie ihr, nur mit anderer Hautfarbe. Chinesen werfen uns Schwarzen vor, das Virus zu verbreiten. Die glauben, dass wir uns alle kennen und miteinander zu tun haben, aber das stimmt nicht."

Behörden räumen Fehler ein

Die Behörden in Guangzhou haben inzwischen Fehler im Umgang mit Ausländern eingeräumt. Neue Regeln wurden erlassen. Auch Chinas Staats- und Parteiführung sah sich gezwungen, auf die rassistischen Vorfälle von Guangzhou zu reagieren. Sprecher Zhao Lijian betonte in Peking, die Staatsführung lehne die Diskriminierung von Menschen und Vorurteile aller Art ab.

Der Realität in Guangzhou entspricht dieser Vorsatz allerdings häufig nicht."Wir wagen es nicht, schwarze Fahrgäste mitzunehmen", sagt ein Taxifahrer, der betont, dass er auch für die meisten seiner Kollegen spreche. "Weiße Leute nehmen wir mit, aber nur, wenn sie von Chinesen begleitet werden. Für einen Weißen, der alleine unterwegs ist, halte ich nicht an. Schwarze aber nehme ich gar nicht mit, die sind schmutzig."

Dass Menschen mit dunkler Hautfarbe in China Rassismus erleben, ist nichts Neues. Die Coronavirus-Krise hat das Problem aber nochmal deutlich verschärft. Die internationale Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" kritisiert den immer wieder offen gelebten Rassismus in China. Sie fordert die chinesischen Behörden auf, stärker dagegen vorzugehen.

Corona und Chinas Rassismusproblem
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
08.05.2020 08:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Mai 2020 um 18:15 Uhr.

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