Der chinesische Ex-Banker Lai Xiaomin im Gerichtssaal. | Bildquelle: AFP

Wegen Korruption und Bigamie Ex-Banker in China zum Tode verurteilt

Stand: 05.01.2021 14:44 Uhr

Ein chinesisches Gericht hat einen ehemaligen Top-Banker zum Tode verurteilt. Lai Xiaomin soll sich der Korruption und Bigamie schuldig gemacht haben. Gestanden hatte er im Staatsfernsehen.

Ein Spitzenbanker in China ist in einem der größten Korruptionsskandale des Landes zum Tode verurteilt worden. Das Gericht warf dem Ex-Verwaltungsratschef des Vermögensverwalters "Huarong Asset Management", Lai Xiaomin, vor, zwischen 2008 und 2018 Bestechungsgelder in Höhe von umgerechnet etwa 225 Millionen Euro entgegen genommen zu haben.

Lai Xiaomin habe sich gesetzlos und gierig verhalten und müsse nach dem Gesetz entsprechend hart bestraft werden, erklärte das Gericht. Zudem wurde er wegen Bigamie verurteilt. Er habe neben seiner Ehe "lange Zeit mit anderen Frauen" zusammengelebt, mit denen er nicht-eheliche Kinder habe.

Geständnis im Staatsfernsehen

Das Urteil gegen Lai ist eines der härtesten in Fällen von Wirtschaftskriminalität in den vergangenen Jahren. In Korruptionsfällen werden häufig lebenslange Haftstrafen und Bewährungsstrafen verhängt, Todesurteile waren zuletzt aber selten gesprochen worden.

Lai stand von 2012 bis 2018 an der Spitze bei "Huarong", dem viertgrößten Vermögensverwalter in China. Außerdem war er in verschiedenen Positionen bei der chinesischen Zentralbank beschäftigt. 2018 wurde er aus der Kommunistischen Partei (KP) ausgeschlossen und der Korruption bezichtigt. Im Januar 2020 wurde ein Geständnis Lais im staatlichen Fernsehsender CCTV ausgestrahlt. Dazu wurden Bilder eines Appartements in Peking gezeigt, das angeblich Lai gehörte und in dem sich Safes sowie Schränke mit großen Mengen Bargeld befanden.

Der chinesische Ex-Banker Lai Xiaomin während einer Wirtschaftskonferenz (März 2016). | Bildquelle: AFP
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März 2016: Lai Xiaomin, damals noch Verwaltungsratschef des Vermögensverwalters "Huarong Asset Management", spricht auf einer Wirtschaftskonferenz im südchinesichen Boao.

"Verbrechen müssen streng bestraft werden"

In seiner Entscheidung gegen den 58-Jährigen führte das Gericht nun die enorme Höhe der von Lai akzeptierten Bestechungsgelder an. Zudem soll er umgerechnet mehr als drei Millionen Euro Staatsvermögen unterschlagen haben. Obwohl der Angeklagte gegen andere "Huarong"-Mitarbeiter aussagte, sei der "Grad des Schadens für die Gesellschaft", der von Lai ausgegangen sei, zu hoch. "Seine Verbrechen sind äußerst schwerwiegend und müssen gesetzlich streng bestraft werden", hieß es in der Entscheidung des Gerichts. Laut dem Urteilsspruch werden alle persönlichen Besitztümer Lais konfisziert. Zudem verliert er alle politischen Rechte.

"Huarong Asset Management" ist eines von vier Unternehmen, die in den 1990er-Jahren gegründet wurden, um Kredite notleidender Banken aufzukaufen und so zur Wiederbelebung der staatlichen Finanzindustrie beitragen sollten. Lai war einer von Hunderten Beamten aus Regierungsbehörden, staatlichen Unternehmen und Militär, gegen die Ermittlungsverfahren eingeleitet worden waren.

Vier Todesurteile seit 2013

In China läuft derzeit eine groß angelegte Kampagne gegen Korruption, die von Präsident Xi Jinping angekündigt wurde. Nach Ansicht von Kritikern verschaffte sich der Staatschef damit auch die Möglichkeit, gegen Widersacher vorzugehen. Das Staatsfernsehen strahle oftmals Interviews mit Verdächtigen aus, die sich zu kriminellen Handlungen bekennen, obwohl gegen sie noch gar keine Prozesse angelaufen sind. Seit Xis Amtsübernahme 2013 wurden bereits vier hochrangige KP-Mitglieder zum Tode verurteilt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Januar 2021 um 15:04 Uhr.

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