Ein Mann vor dem Versicherungskonzern Anbang in Peking | Bildquelle: REUTERS

China kontrolliert Unternehmen Auf Kurs gebracht

Stand: 23.02.2018 11:05 Uhr

Über Jahre war der Kaufrausch chinesischer Firmen im Ausland nicht zu stoppen. Auch der Versicherungskonzern Anbang griff beherzt zu - und übernahm sich deutlich. Jetzt schreitet Peking ein.

Chinas Behörden greifen beim angeschlagenen Versicherungskonzern Anbang durch: Die staatliche Versicherungsaufsicht CIRC teilte mit, dass sie für mindestens ein Jahr die Kontrolle beim drittgrößten Versicherer des Landes übernehmen werde. Zudem werde gegen den im vergangenen Sommer abgetretenen Firmenchef Wu Xiaohui wegen des Verdachts auf "Wirtschaftsverbrechen" ermittelt.

Bei der Maßnahme handelt es sich laut CIRC nicht um eine Verstaatlichung. Die Übernahme der Geschäftsführung solle sicherstellen, dass Kunden vor "rechtswidrigen Praktiken" geschützt werden. Hintergrund ist der riesige Schuldenberg, den Anbang in den vergangenen Jahren angehäuft hat. Die Regierung in Peking schaute lange tatenlos zu und betrachtete die milliardenschweren Auslandsinvestitionen durchaus mit Wohlwollen.

Ehemaliger Chef des Versicherungskonzerns Anbang | Bildquelle: REUTERS
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Gegen den ehemaligen Anbang-Chef Wu Xiaohui wird wegen des Verdachts auf "Wirtschaftsverbrechen" ermittelt.

Beispiellose Einkaufstour im Ausland

Seit 2014 befindet sich Anbang auf einer beispiellosen Einkaufstour im Ausland, wo das Unternehmen seitdem 12,2 Milliarden Euro für Übernahmen ausgab. Darunter auch mehr als anderthalb Milliarden Euro für das berühmte Waldorf-Astoria-Hotel in New York. Zwischenzeitlich galt der Konzern auch als Interessent für die HSH Nordbank. Nach eigenen Angaben ist Anbang inzwischen mehr als 250 Milliarden Euro schwer.

In Schwierigkeiten geraten ist nicht nur der Versicherungsriese, sondern auch der Immobilienkonzern Wanda, der sich zur Begleichung seiner hohen Verbindlichkeiten von zahlreichen Einkaufszentren und Vergnügungsparks trennen musste. 

Ebenso düster sieht es beim Mischkonzern HNA aus, der in den vergangenen drei Jahren weltweit Unternehmensanteile im Wert von mehr als 30 Milliarden Euro kaufte, darunter auch knapp zehn Prozent der Deutschen Bank. Am defizitären Lokalflughafen Frankfurt-Hahn sicherte sich HNA-Chef Chen Feng für 15 Millionen Euro 82,5 Prozent. Nun wird jedoch immer deutlicher, dass sich das Unternehmen ebenfalls übernommen hat.

Peking unterstützte Auslandsgeschäfte

Lange schaute die Regierung in Peking bereitwillig solchen Kauforgien chinesischer Konzerne im Ausland zu und pumpte in einigen Fällen über die Staatsbanken sogar neue Milliarden nach. Doch damit ist nun Schluss. Seit einigen Monaten versucht sie, die völlig überschuldeten staatsnahen Großkonzerne wieder auf einen gesunden Kurs zu bringen.

Der Fall Anbang ist auch aus politischer Sicht bemerkenswert: Anfang März beginnt in Peking der Nationale Volkskongress. Dass die Staatsführung so kurz vorher den ehemaligen Vorzeige-Unternehmer Wu offiziell angklagt, ist eine Machtdemonstration. Denn der Anbang-Gründer gilt als bestens vernetzt in der Kommunistischen Partei Chinas. Er ist außerdem mit der Enkeltochter des frührenen Staatsführers Deng Xiaoping verheiratet.

Mit Informationen von Steffen Wurzel, ARD-Studio Schanghai

China: Staat übernimmt Führung bei Krisen-Konzern Anbang
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
23.02.2018 10:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Februar 2018 um 17:23 Uhr.

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