Die Kuppel eines Sicherheitsbehälters wird im Kernkraftwerk Taishan Block 2 hochgezogen. | picture alliance / dpa

China AKW-Betreiber meldet "Leistungsproblem"

Stand: 14.06.2021 19:23 Uhr

Das Atomkraftwerk Taishan in China ist das erste weltweit, das mit Druckwasserreaktoren der neuesten Generation Strom produziert. Die Technologie galt bislang als besonders sicher. Jetzt kam es zu Unregelmäßigkeiten.

Bei einem chinesischen Atomkraftwerk in der Nähe der Millionenmetropole Hongkong ist es nach Angaben seines französischen Ko-Betreibers zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Berichten zufolge wurde in der Druckwasser-Reaktoranlage in der Nähe der Stadt Taishan Gas freigesetzt. Das Kernkraftwerk wird von dem französischen Energiekonzern EDF und dem chinesischen Atom-Energieunternehmen CGN als Joint Venture betrieben.

Die chinesischen Betreiber wiesen Spekulationen über mögliche Umweltschäden zurück. Die Umweltdaten in dem Werk sowie in dessen Umgebung seien normal, teilte das Unternehmen CGN mit. Es werde regelmäßig gemessen. Die beiden Blöcke arbeiteten entsprechend den Sicherheitsvorschriften.

Hinweise auf Verschlechterung der Brennstoffhüllen

Von französischer Seite heißt es hingegen, es gebe ein "Leistungproblem". Das EDF-Tochterunternehmen Framatome erklärte in einer kurzen Mitteilung, man arbeite mit Experten zusammen, um die Lage zu prüfen und mögliche Probleme zu lösen. Nach den verfügbaren Daten arbeite das Kernkraftwerk Taishan aber innerhalb der Sicherheitsparameter.

EDF teilte mit, in einem der beiden Reaktoren gebe es einen Anstieg der Konzentration "bestimmter Edelgase". Dies sei aber ein bekanntes Phänomen. Die Erhöhung deute aber auf eine mögliche Verschlechterung der Brennstoffhüllen hin, so der Konzern. Die ausgetretenen Gase seien nicht giftig, alle Werte lägen zudem unterhalb der geltenden Grenzwerte, welche die Sicherheit des Reaktors garantieren sollen.

Allerdings gibt es von Framatome Kritik an den zulässigen Grenzwerten in China. Die chinesische Regierung habe die Werte erhöht, um die Anlage nicht schließen zu müssen.

US-Behörden warnen vor bevorstehender Bedrohung

Framatome hatte Berichten des Nachrichtensenders CNN zufolge die US-Regierung über eine "bevorstehende radiologische Bedrohung" informiert. Dem Bericht nach schätzen die US-Beamten die Lage zwar als kritisch, aber nicht als akut bedrohlich für Arbeiter oder die Umwelt ein. Auch die Internationale Atomenergiebehörde in Wien erklärte, ihr lägen aktuell keine Hinweise auf einen radiologischen Zwischenfall vor.

Das Atomkraftwerk Taishan liegt in Südchina, rund 130 Kilometer von Hongkong entfernt. Die Millionenmetropolen Guangzhou und Shenzhen liegen ebenfalls in der Region und werden von der Anlage mit Strom versorgt. Die Anlage - mit zwei in Frankreich entwickelten Druckwasserreaktoren der dritten Generation vom Typ EPR - ist die erste ihrer Art, die auch am Netz ist. Die Technologie soll auch in Anlagen in Frankreich, Finnland und Großbritannien zum Einsatz kommen.

Mit Informationen von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. Berlin

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 14. Juni 2021 um 19:07 Uhr.