Ein chinesischer Soldat kriecht unter einer Flamme entlang. | Bildquelle: AFP

Chinas Militär wird moderner und schlagkräftiger "Wir können es mit jeder Armee aufnehmen"

Stand: 20.10.2016 10:57 Uhr

Der chinesische Präsident Xi träumt von einem starken Militär. Er verordnete der Armee die größte Reform ihrer Geschichte, die Marine und Luftwaffe stärkt. Die Gelegenheit könnte günstig sein: Europa scheint abgelenkt, die USA im Führungsanspruch beschädigt.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Modern, schlagfertig, aggressiv - so präsentiert sich Chinas Armee in einem aktuellen Werbevideo. Der Clip soll den Nachwuchs für die Volksbefreiungsarmee begeistern. In dem Werbefilm steigt ein junger chinesischer Soldat in seine Uniform, streicht sich über die Nationalflagge am Revers - und dann geht es los. "Der Krieg kann jederzeit beginnen - seid Ihr bereit?" fragt eine Stimme. Es folgen martialische Bilder vom militärischen Training: Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge, Raketen und andere Waffen.

Viele davon seien mittlerweile auch "Made in China", sagt der parteinahe Politikwissenschaftler Jin Canrong von der Renmin Universität in Peking. "Chinas Kriegsgerät hat sich beeindruckend weiter entwickelt. Chinas Armee kann es heute mit jeder Armee der Welt aufnehmen", gibt er sich überzeugt. "Wenn also andere Länder, speziell unsere Freunde aus den USA, sagen, China möchte seine Muskeln zeigen, dann ist meine Antwort: 'Ja, genau das ist der Fall. Wir zeigen unsere Muskeln!'"

Größte Reform seit den 1950er-Jahren

China hatte 2015 mit umgerechnet geschätzten 189 Milliarden Euro die zweithöchsten Militärausgaben weltweit - nach den USA. Pekings Militärbudget ist in den vergangenen zehn Jahren fast jedes Jahr zweistellig gewachsen. Das Motto der Führung in Peking ist dabei eindeutig: Eine aufstrebende Supermacht braucht moderne und schlagkräftige Streitkräfte.

Um das zu erreichen, hat Präsident Xi Jinping der chinesischen Volksbefreiungsarmee die größte Strukturreform seit den 1950er-Jahren verordnet. In der Vergangenheit operierten Heer, Marine und Luftwaffe weitgehend unabhängig voneinander. Jetzt agieren die Teilstreitkräfte im Verbund. Die Macht übers Militär wurde zentralisiert, hin zu Präsident und Parteichef Xi.

Eine Ehrengarde der chinesischen Marine bei der Übergabezeremonie für den Träger "Liaoning". | Bildquelle: REUTERS
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Die chinesische Marine erhält viele moderne Neubauten und sogar Flugzeugträger (Archiv)

Chinesische Soldaten salutieren während einer Übung mit Hunden | Bildquelle: REUTERS
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Gleichzeitig soll die Armee freundlicher wirken - zum Beispiel mit Vorführungen und Auslandsbesuchen.

Fokus auf Marine und Luftwaffe

"Im 21. Jahrhundert verlagerte sich Chinas nationales Sicherheits- und territoriales Interesse weiter nach außen. Ob im Südchinesischen im Ostchinesischen Meer oder noch weiter draußen. In allen Fällen ist das alte, auf Landkriegsführung konzentrierte Militär nicht mehr relevant. Das war hauptsächlich dazu da, Landesgrenzen am Boden zu schützen," sagt der Wissenschaftler Tai Ming Cheung, der der Universität von Kalifornien seit Jahren Chinas Armee erforscht. "Also wird umstrukturiert: hin zu global einsatzbaren Streitkräften, mit deutlich mehr Gewicht für Marine und Luftwaffe. Auch neue Bereiche wie die Cyber-Kriegsführung werden immer wichtiger."

"Die Chinesen haben die Zahlen, die USA die Qualität"

Präsident Xi möchte sein Land als militärische Großmacht etablieren. Langfristig - also nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren - werde China an der bestehenden Weltordnung rütteln, sagt Militärexperte Cheung: "Je größer die militärische Macht Chinas wird, desto größer wird die Herausforderung für die USA. Man sieht es jetzt schon, dass die USA deshalb ihre Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum verstärken. Die Chinesen haben die Zahlen, die USA haben die Qualität." Cheung spricht inzwischen von einer "strategischen Konkurrenz". China sei eine globale Macht. "Die USA sind bislang die militärische Supermacht, aber China fordert sie heraus", so der US-Wissenschaftler.

Chinesische Soldaten | Bildquelle: dpa
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Abschied von Masse statt Klasse - so will China die USA herausfordern.

Die Gelegenheit scheint günstig

Wie die Botschaft des aggressiven Werbevideos der chinesischen Armee sind auch die Signale der politischen Führung aus Peking eindeutig: China möchte als Supermacht neben den USA weltweit ernst genommen werden.

Pekings Strategen sehen derzeit eine günstige Gelegenheit, um den Aufstieg und die weltweite Präsenz voranzutreiben. Aus chinesischer Sicht sind die Amerikaner in ihrem Führungsanspruch beschädigt. Die Europäer seien vor allem mit sich selbst beschäftigt.

Die Schwäche der anderen Staaten könnte den Aufstieg Chinas zur globalen Militärmacht beschleunigen, hoffen die Strategen.

Auf dem Weg zur Supermacht: Chinas Traum vom starken Militär
A. Dorloff, ARD Peking
20.10.2016 09:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Oktober 2016 um 18:40 Uhr.

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