Taliban | Bildquelle: AP

Afghanistan-Konflikt China bietet sich als Vermittler an

Stand: 23.10.2019 16:49 Uhr

Die USA haben die Friedensverhandlungen zwischen Taliban und afghanischer Regierung erst kürzlich beendet - nun könnte China die Vermittlerrolle übernehmen. In wenigen Tagen schon soll es Gespräche geben.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Nach dem Abbruch der Gespräche zwischen den USA und den Taliban in Doha Anfang September übernimmt jetzt offenbar die Volksrepublik China die zentrale Vermittlerrolle für einen Frieden in Afghanistan. Bereits Ende des Monats soll der sogenannte innerafghanische Dialog beginnen.

Die Volksrepublik China habe dazu nach Peking eingeladen, twitterte der Taliban-Sprecher Suhail Shaheen. Geplant seien der 29. und 30. Oktober. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, bestätigte die Bereitschaft der Regierung in Peking, in Afghanistan zu vermitteln. Einen Termin gebe es aber noch nicht, sagte Hua laut der chinesischen Nachrichtenagentur CCTV: "China unterstützt den Dialog zwischen den Parteien in Afghanistan, einschließlich der afghanischen Regierung und der Taliban. Wir sind bereit, den Friedens- und Versöhnungsprozess in die Wege zu leiten, unter Berücksichtigung des Willens der Afghanen."

Der afghanische Präsdient Aschraf Ghani | Bildquelle: JAWAD JALALI/EPA-EFE/REX
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Ob auch der afghanische Präsident Ghani an den Gesprächen teilnimmt, ist unklar.

Teilnahme der Regierung unklar

Ob die afghanische Regierung unter dem noch amtierenden Präsidenten Ashraf Ghani an Gesprächen in Peking teilnimmt, ist noch unklar. Bislang haben die Taliban direkte Verhandlungen mit der afghanischen Regierung stets abgelehnt. Sollten Regierungsvertreter an den Gesprächen in Peking teilnehmen, dann nur als Privatpersonen, schrieb Taliban-Sprecher Shaheen. Von der Regierung in Kabul gibt es bislang noch keine Reaktionen.

USA bekräftigen Unterstützung für Regierung

Vor wenigen Tagen waren sowohl US-Verteidigungsminister Mark Esper als auch eine Delegation des US-Repräsentantenhauses unter Führung der Sprecherin des Parlaments, Nancy Pelosi, nach Kabul gekommen - unabhängig voneinander. Esper bekräftigte dabei die weitere Unterstützung der USA für Afghanistan.

"Unsere Sicherheitspartnerschaft mit Afghanistan bleibt stark, unsere Aufgabe hat sich nicht verändert. Wir werden weiterhin Anti-Terror-Einsätze durchführen und die afghanischen Streitkräfte unterstützen. Die USA sind weiterhin fest entschlossen, Afghanistan auf seinem Weg zu Frieden und Entwicklung zu helfen. Bis das erreicht ist, werden wir unsere Einsätze gegen die Taliban und alle anderen Gruppen, die das afghanische Volk terrorisieren, fortsetzen."

Schleichender US-Abzug?

Anfang der Woche hatten Medienberichte über einen bereits begonnenen schleichenden Rückzug der US-Truppen in Afghanistan für Verunsicherung gesorgt. Unter Berufung auf den Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan hatte die "New York Times" berichtet, dass im Laufe der vergangenen zwölf Monate bereits rund 2000 US-Soldaten das Land verlassen hätten. Damit läge die US-Truppenstärke am Hindukusch zurzeit nur noch bei 12.000 und nicht, wie bislang angenommen, bei 14.000 Soldaten.

China übernimmt Vermittlerrolle für Frieden in Afghanistan
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
23.10.2019 16:32 Uhr

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