Kim Jong Un trifft chinesischen Präsidenten. | Bildquelle: AP

Gespräche mit Xi Jingping Kim Jong Un per Sonderzug in China

Stand: 08.01.2019 12:19 Uhr

Erneut ist er in China: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist der Einladung von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jingping gefolgt. Ein Thema ist das Gipfeltreffen mit US-Präsident Trump.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Es war wieder der grüne gepanzerte Zug mit dem gelben Streifen unter den Fenstern, der in den späten Morgenstunden in Peking einrollte. Im Waggon sechs saß der Gast, bei dem immer erst kurz vorher bekannt wird, dass er kommt: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Bereits in der chinesischen Grenzstadt Dandong war der Zug gesichtet worden. Am Morgen haben dann Staatsmedien beider Länder den Besuch bestätigt.

Im nordkoreanischen Staatsfernsehen zu sehen: Militärische Ehren und Händeschütteln beim Abschied in Pjöngjang. In Peking wurden sofort Straßen gesperrt, um Kim mit großer Polizeikolonne zu Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zu eskortieren.

Kim folgt mit dem Besuch einer Einladung des chinesischen Staatspräsidenten, so Außenamtssprecher Lu Kang: "Dieser Austausch ist ein wichtiger Teil der traditionellen Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern. China möchte Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel. Wir wollen eine friedliche, politische Lösung für das Atomproblem. China war bislang immer eine treibende Kraft bei den Bemühungen, den Atomkonflikt auf der Halbinsel zu lösen."

Sonderzug von Nordkorea nach China | Bildquelle: AP
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Der berühmte Sonderzug mit dem gelben Streifen.

Suche nach Unterstützung bei Lockerung der UN-Sanktionen

Bei den Gesprächen dürfte es vor allem um das geplante Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump gehen. Ort und Zeitpunkt stehen noch nicht fest. Kim möchte außerdem so schnell wie möglich eine Lockerung der UN-Sanktionen gegen sein Land erreichen und erhofft sich dabei Unterstützung aus China. Die Lockerung der wirtschaftlichen Sanktionen ist grundsätzlich auch im chinesischen Interesse, denn 90 Prozent des nordkoreanischen Handels wird über China abgewickelt.

Der erneute Besuch soll zeigen: China sitzt mit am Tisch, wenn es um die Zukunft und die Entwicklung Nordkoreas geht. Egal ob Friedensvertrag oder eine wirtschaftliche Modernisierung Nordkoreas: China möchte seinen Einfluss geltend machen und das Feld nicht allein den USA überlassen, sagt der Nordkorea-Experte Zhao Tong vom Carnegie-Tsinghua Zentrum für Globale Politik in Peking. Am Ende des Tages habe China keine fundamentalen Probleme mit Nordkorea. Außer beim Thema der atomaren Bewaffnung gebe es keine grundlegenden Konflikte.

"Aber selbst dort hat China zu einem gewissen Grad Verständnis dafür, dass Nordkorea glaubt, Atommacht sein zu müssen, damit das Regime überleben kann. Aber jetzt, wo Nordkorea faktisch zur Atommacht geworden ist, geht es Nordkorea auch um wirtschaftliche Entwicklung. Und das schafft Möglichkeiten, das bilaterale Verhältnis zwischen China und Nordkorea weiter zu verbessern", so Thao Tong.

Kim und Xi hatten sich nach einer jahrelangen Eiszeit im vergangenen Jahr gleich dreimal getroffen: im März, im Mai und im Juni. Kein Besuch war im Vorfeld angekündigt worden. Kim wird bei diesem China-Besuch von seiner Frau und von mehreren ranghohen Regierungsvertretern begleitet.

Fernseher mit Neujahrsansprache vom Kim Jong Un | Bildquelle: AFP
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In der Neujahrsansprache drohte Kim damit, vom Annäherungskurs abzuweichen.

Neue Drohungen

Beim historischen Singapur-Gipfel im Juni hatte sich Kim mit US-Präsident Trump allgemein auf das Ziel einer atomaren Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel geeinigt. Aber konkrete Termin-Zusagen Nordkoreas blieben bislang aus, ebenso wie konkrete Angebote der USA, wie Gegenleistungen aussehen könnten.

Und der Ton wird schon wieder schärfer: In seiner Neujahrsansprache vor einer Woche hatte Kim damit gedroht, vom Annäherungskurs abzurücken, sollten die USA weiter an den Sanktionen festhalten. Bis Donnerstag soll die Delegation aus Nordkorea in Peking bleiben. Heute feiert Kim in Chinas Hauptstadt seinen Geburtstag. Experten gehen davon aus, dass er 35 oder 36 Jahre alt wird. Sein genaues Geburtsjahr ist nicht bekannt.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un besucht erneut China
Axel Dorloff, ARD Peking
08.01.2019 11:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Januar 2019 um 12:27 Uhr.

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