Lori Lightfoot | Bildquelle: AP

Bürgermeisterin Lori Lightfoot Zeitenwende in Chicago

Stand: 03.04.2019 17:54 Uhr

Die Demokratin Lori Lightfoot ist die erste afroamerikanische Frau, die zur Bürgermeisterin in Chicago gewählt wurde. Sie übernimmt eine Millionenmetropole, in der Korruption und Polizeigewalt zum Alltag gehören.

Erstmals in der Geschichte der Stadt Chicago ist mit Lori Lightfoot eine Afro-Amerikanerin zur Bürgermeisterin gewählt worden. Sie ist auch die erste offen homosexuelle Person, die an der Spitze der Großstadt steht. Die Juristin setzte sich gegen die 72 Jahre alte Toni Preckwinkle durch. Beide gehören der Demokratischen Partei an.

In dieser Wahl seien Preckwinkle und sie Rivalinnen gewesen, sagte Lightfoot bei ihrer Dankesrede in Chicago. Aber ihre Unterschiede seien nichts im Vergleich zu dem, was sie gemeinsam erreichen könnten.

Lori Lightfoot und Toni Preckwinkle zusammen auf dem Podium während des Wahlkampfs. | Bildquelle: AP
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Lori Lightfoot (rechts) und Toni Preckwinkle zusammen auf dem Podium während des Wahlkampfs.

Gegen soziale Ungleichheit, Waffengewalt und Korruption

Die 56-Jährige mit dem klaren Gesicht und der kurzen Kraushaarfrisur gilt als Außenseiterin, als politische Newcomerin - und als progressiv. Genau wie ihre Herausfordererin gehört auch sie dem linken Flügel ihrer Partei an. Ihr Ziel ist, die soziale Ungleichheit in der Stadt zu bekämpfen sowie die Waffengewalt und die Korruption einzudämmen. Lightfoot hatte im Wahlkampf einen Wandel versprochen und konnte schon in der ersten Abstimmungsrunde vor der Stichwahl die meisten Stimmen auf sich vereinen.

Chicago ist nun die erste der drei größten Städte des Landes, die eine afroamerikanische Frau an der Spitze hat.

Die Politikerin folgt auf den umstrittenen Bürgermeister Rahm Emanuel, der nicht mehr angetreten war. Dem ehemaligen Stabschef des demokratischen Präsidenten Barack Obama waren falsche Entscheidungen im Kampf gegen Kriminalität und Vetternwirtschaft vorgehalten worden.

Ehemalige Staatsanwältin

Ihrer Konkurrentin Preckwinkle war vorgehalten worden, falsche Entscheidungen im Kampf gegen Kriminalität und Vetternwirtschaft getroffen zu haben. Sie galt als Vertreterin des Establishments - was ihrem Wahlergebnis möglicherweise schadete.

Lightfoot ist eine ehemalige Bundesstaatsanwältin. Sie setzt sich für bessere Lebensbedingungen in den mehrheitlich von Schwarzen bewohnten, heruntergekommen Vierteln im Süden und Westen der Stadt ein. Vor allem dort kommt es oft zu brutalen Auseinandersetzungen von kriminellen Gangs.

Polizeireform in Sicht

Die sozialen Ungleichheiten sind in der Metropole im Norden der USA ein großes Problem. Chicago hat außerdem eine der höchsten Mordraten der USA. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 550 Menschen ermordet. Das sind so viele wie in New York und Los Angeles zusammen.

Die Polizei reagiert oft mit roher Gewalt - und mit Willkür. Lightfoot hatte in der Vergangenheit unter anderem ein Gremium zur Reform der Polizei geleitet, nachdem ein schwarzer Jugendlicher von einem weißen Polizisten erschossen worden war. Sie dürfte sich nun nach ihrer Wahl zur Bürgermeisterin weiter für Reformen bei der Behörden einsetzen, um die Straßen Chicagos sicher zu machen.

Mit Informationen von Claudia Sarre und Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington.

Über dieses Thema berichtete mdr AKTUELL am 03. April 2019 um 14:23 Uhr.

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