Hintergrund

UN-Inspektoren

Kontrolle des syrischen Arsenals Viele Hürden für C-Waffenbeseitigung

Stand: 12.09.2013 21:49 Uhr

Syriens Angebot zur internationalen Kontrolle seiner Chemiewaffen könnte einen US-Angriff auf das Land abwenden. Die Überwachung und Zerstörung des großen Arsenals wäre allerdings kompliziert, teuer und langwierig. Zudem müssten die Rebellen einbezogen werden.

Die internationale Chemiewaffenkonvention wurde bisher von 189 Staaten unterzeichnet und ratifiziert - Syrien hat dies angekündigt, aber noch nicht umgesetzt. Sollte die Regierung in Damaskus der Vereinbarung beitreten, würde es sich damit der Vernichtung seiner Bestände verpflichten. Zudem dürften keine neuen Kampfstoffe mehr hergestellt werden. Der arabische Staat soll über mehr als 1000 Tonnen verschiedener chemischer Waffen verfügen - unter anderem Sarin, Senfgas und VX-Kampfstoffe. Eine schnelle und vollständige Vernichtung gilt mitten im Bürgerkrieg als sehr schwierige Aufgabe.

Viele Lager- und Produktionsstätten

Dem syrischen "Zentrum für wissenschaftliche Studien und Forschung" unterstehen nach Angaben des Instituts für Strategische und Internationale Studien Anlagen in Dumair, Chan Abu, Schamat und Firaklus. Die Chemiewaffen und Lager sind über eine Reihe von weiteren Standorten verteilt, vermutlich auf etwa rund 50.

Die UN-Inspektoren treffen in Damaskus ein.
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Zur Kontrolle des syrischen Arsenals wären internationale Kontrolleure notwendig - zum Beispiel UN-Inspekteure.

Die meisten chemischen Waffen seien in alawitische Gebiete in Latakia und an die Küste transportiert worden, sagte der desertierte syrische Brigadegeneral Mustafa al Scheich der Nachrichtenagentur Reuters vor einigen Monaten. Ein Teil der chemischen Munition sei allerdings auf Stützpunkten in der Umgebung der Hauptstadt Damaskus verblieben.

Die USA beobachten schon seit vergangenem Jahr, wie die syrische Armee seine Chemiewaffen im Land verteilt. Generalstabschef Martin Dempsey sagte bei einer Kongressanhörung Ende August, er gehe davon aus, dass die Regierungstruppen dies täten, um die Waffen vor Vernichtung zu schützen. US-Regierungsvertreter räumen ein, dass die Bewegung der C-Waffen die Identifikation der zugehörigen Anlagen komplizierter mache.

"Das ist nicht, was man unter Granatenbeschuss machen will"

Selbst wenn alle chemischen Waffen erfasst und von internationalen Beobachtern registriert werden könnten, wäre der Transport und die Vernichtung der Kampfstoffe extrem schwierig. "Es ist für mich schwer vorstellbar, wie das inmitten eines Bürgerkriegs geschehen soll", sagte der Direktor der Nichtregierungsorganisation Arms Control Association, Daryl Kimball.

Das große Arsenal Syriens könnte nicht in mobilen Anlagen vernichtet werden. Stattdessen müssten in Syrien Anlagen dafür errichtet werden die von internationalen Inspekteuren überwacht würden. "Das ist nichts, was man unter Gefahr eines Granatenbeschusses machen will", sagte Kimball mit Blick auf die unvermindert anhaltenden Kämpfe.

Ralf Trapp, Toxikologe, zu den Fallstricken der Chemiewaffenkontrolle
ARD-Morgenmagazin, 11.09.2013

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Langwierig und teuer

Der frühere UN-Waffeninspekteur David Kay sagte, zur Sicherstellung der syrischen Chemiewaffen müssten zunächst alle Anlagen rund um die Uhr unter Bewachung gestellt werden. Die Zerstörung der Bestände würde dann vermutlich mehrere Jahre dauern und umgerechnet rund 7,5 Milliarden Euro kosten, schätzt Kay. Zum Vergleich nannte er die USA, die in den vergangenen beiden Jahrzehnten rund haben 35 Milliarden Dollar ausgegeben hätten, um 90 Prozent ihrer Chemiewaffenbestände in speziellen Anlagen zu verbrennen.

Transport nach Russland?

Als Alternative zur Vernichtung der Chemiewaffen könnten die syrischen Bestände auch außer Landes gebracht werden - zum Beispiel nach Russland. "Russland wäre gut als Empfänger der syrischen Chemiewaffenbestände geeignet, da es bereits mehrere Anlagen gibt, um frühere sowjetische Bestände zu zerstören", meint etwa Karl Dewey von der britischen Nichtregierungsorganisation IHS Jane's. Zeitgleich warten er davor, dass der Transport der riesigen Bestände inmitten der Kämpfe schwierig werde und die Kooperation der verschiedenen Rebellengruppierungen erfordern würde.

Ein Transport von Artilleriegranaten und Raketen, die mit Kampfstoffen bestückt sind, ist zudem extrem gefährlich. Der Giftgasexperte Ralf Trapp von der Organisation for the prohibition of chemical weapons (OPCW) meint deshalb: "Die einzige praktische Lösung ist ein Zwischenlager in Syrien selbst."

Die Vernichtung der syrischen Giftgasbestände wäre nicht unmöglich, aber langwierig, teuer und mitten im Bürgerkrieg auch für internationale Kontrolleure lebensgefährlich. Außerdem wäre zumindest zeitweise und regional begrenzt eine Kooperation der zersplitterten Rebellengruppen notwendig. Vor einer endgültigen Machbarkeitsprüfung müssen die Details der syrisch-russischen Vereinbarung bewertet werden, die noch nicht öffentlich sind.

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