Unfall in ungarischem Aluminiumwerk Roter Giftschlamm reißt vier Menschen in den Tod

Stand: 05.10.2010 12:44 Uhr

Eine rote Brühe hat mehrere Orte in Westungarn überflutet. Ätzender Giftschlamm aus einem Aluminiumwerk hatte sich nach einem Chemieunfall mit Hochwasser aus der Region vermengt. In den Schlammmassen starben vier Menschen. Sieben schweben noch in Lebensgefahr.

Von Andreas Meyer-Feist, ARD-Hörfunkstudio Wien

Die ersten Helfer am Ort der Katastrophe trauten ihren Augen nicht: Hunderte Häuser überschwemmt von einer ätzenden, roten Giftbrühe. Inzwischen sind drei Ortschaften in Westungarn betroffen: "55 Verletzte haben wir versorgt", berichtet der Notarzt Josef Ziffner. "Sieben befanden sich in Lebensgefahr." Bei den Verletzungen handele es sich vor allem um Verbrennungen und schwere Augenverletzungen. Vier Hubschrauber und 30 Notarztwagen seien im Einsatz gewesen, um die Verletzten in die Krankenhäuser zu transportieren.

Wer Glück hatte, konnte der Giftwelle gerade noch entkommen. "Man hat uns vom Dach geholt - doch in unserem Geschäft haben wir alles verloren", sagt eine Ladenbesitzerin im überschwemmten 5000-Einwohner-Ort Devecser. Und ein geschockter Nachbar erzählt: "Als die rote Flut kam, dachte ich: 'Das gibt's doch nicht.' Und dann war auf einmal alles überschwemmt."

"Zwei Meter hohe Schlammwelle"

Auch die Familie nebenan konnte nur noch das eigene Leben retten: "Eine zwei Meter hohe Welle aus rotem Schlammwasser drückte die Fenster ein. Vielen Menschen waren in Lebensgefahr. Wer konnte, rannte nach oben aufs Dach."

Nicht jeder konnte sich retten: Vier Tote wurden am Mittag bestätigt. Ein dreijähriges Kind und seine einjährige Schwester starben, ein Mann erstickte in seinem Auto und ein weiter Mann wurde in seinem Haus unter der giftigen Schlammlawine begraben.

Soldaten in Schutzanzügen bei Aufräumarbeiten
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Soldaten in Schutzanzügen helfen bei den Aufräumarbeiten.

Frau in überschwemmtem ungarischem Dorf
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In den Straßen stand die rote Giftbrühe bis zu zwei Meter hoch.

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