Die amerikanische Biochemikerin Jennifer A. Doudna (l) und die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier. | dpa

Auszeichnung aus Stockholm Chemie-Nobelpreis für Gen-Forscherinnen

Stand: 07.10.2020 13:09 Uhr

Mit dem Nobelpreis für Chemie werden in diesem Jahr die Französin Emmanuelle Charpentier und die US-Amerikanerin Jennifer Doudna ausgezeichnet. Sie haben Methoden zur Erbgut-Veränderung entwickelt. Charpentier arbeitet in Berlin.

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an die derzeit in Deutschland arbeitende Genforscherin Emmanuelle Charpentier (Frankreich) sowie an Jennifer A. Doudna (USA) für die Entwicklung von Methoden zur Erbgut-Veränderung. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften mit.

Sie haben die so genannte Genschere Crispr/Cas9 maßgeblich entwickelt. Crispr/Cas9 habe die molekularen Lebenswissenschaften revolutioniert, neue Möglichkeiten für die Pflanzenzüchtung gebracht, trage zu innovativen Krebstherapien bei und könne den Traum von der Heilung vererbter Krankheiten wahr werden lassen, so das Nobelkomitee.

DNA mit höchster Präzision verändern

Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna machten eines der schärfsten Werkzeuge der Gentechnologie nutzbar: Mit Crispr/Cas9-Genscheren könnten Forscher die DNA von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen mit höchster Präzision verändern, wie es zur Begründung hieß.

Die Französin Charpentier arbeitet derzeit am Max-Planck-Institut in Berlin und forscht an Krankheitserregern. "Ich war sehr emotional, das muss ich sagen", sagte sie nach der Bekanntgabe.

Ursprünglich ist die Crispr/cas9-Methode von Bakterien abgeschaut. Sie haben eine Art Immunsystem entwickelt, mit dem sie Angriffe von Viren erkennen und abwehren können. 2012 hatten Charpentier und Doudna die Idee, daraus ein molekularbiologisches Werkzeug zu entwickeln. Wissenschaftler hoffen, damit in der Pflanzen- und Tierzucht zum Beispiel ertragreichere oder krankheitsresistente Sorten und Rassen zu entwickeln.

Renomée, aber auch ethische Zweifel

Im Sommer 2018 entschied der Europäische Gerichtshof in einem Grundsatzurteil, dass auch die mit einer Gen-Schere manipulierten Pflanzen als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden müssen.

Im Bereich der Medizin erwarten Forscher, dass möglicherweise menschliche Gendefekte repariert und damit Erkrankungen wie die Malaria und schwere Erbkrankheiten wie Mukoviszidose, Sichelzellanämie oder Muskeldystrophie verhindert werden können. Umstritten sind dabei Eingriffe in die menschliche Keimbahn, weil die Erbgutveränderungen Auswirkungen auf alle künftigen Generationen haben.

Im April 2015 berichteten chinesische Forscher erstmals, menschliche Embryonen mit Crispr/cas genetisch verändert zu haben. Die Embryonen wurden aber nicht weiterentwickelt oder eingepflanzt. Im November 2018 teilte dann ein chinesischer Wissenschaftler mit, er habe das Erbgut von gerade zur Welt gekommenen Zwillingsmädchen im frühen Embryonen-Stadium mit Hilfe der Genschere verändert. In Deutschland sind Eingriffe in die menschliche Keimbahn bislang nicht erlaubt.

Seltene Auszeichnung für Frauen

Die renommierteste Auszeichnung für Chemiker ist in diesem Jahr mit insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 950 000 Euro) dotiert - eine Million Kronen mehr als im Vorjahr.

Die feierliche Übergabe der Preise findet traditionsgemäß am zehnten Dezember statt, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Seit 1901 wurde der Chemie-Nobelpreis an 183 verschiedene Forscher vergeben. Unter den Preisträgern waren bislang fünf Frauen, etwa Marie Curie 1911, die die radioaktiven Elemente Polonium und Radium entdeckt hatte.

Über dieses Thema berichteten am 07. Oktober 2020 die tagesschau um 12:00 Uhr und tagesschau24 um 12:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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mlz 07.10.2020 • 20:55 Uhr

Glückwunsch an die beiden Forscherinnen

Ein wirklich verdienter Preis - dass CRISPR/Cas ausgezeichnet werden würde, war nur noch eine Frage der Zeit und es ist gut, dass man damit nicht noch ein paar Jahrzehnte gewartet hat. Wie bei allen großen Forschungsleistungen kann man leider nicht alle ehren, die Großes zu dieser Entdeckung beigetragen haben. Virginijus Šikšnys ist schon genannt worden, auch Feng Zhang, Francis Mojica, Philippe Horvath und andere mehr hätten einen Anteil des CRISPR-Cas Preises mehr als verdient gehabt. Sehr schade finde ich, dass hier in den Kommentaren direkt von Eugenik fabuliert und das Verändern von Genen komplett verteufelt wird. Diesem Urteil liegt leider eine sehr verquere Vorstellung von "Natürlichkeit" zugrunde. Nebenbei bemerkt: Der CRISPR/Cas Methode haben auch viele Arbeiten zu SARS-Cov2 bedient, um das Virus besser zu verstehen. Da wurden im Labor Zellen beispielsweise so verändert, dass das Virus nicht mehr eindringen kann und so der Infektionsmechanismus aufgeklärt.