Demonstranten fordern die Rückgabe des Chagos Archipels vor dem Londoner Big Ben (Archiv). | Bildquelle: REUTERS

Weltgerichtshof London soll Chagos-Archipel zurückgeben

Stand: 25.02.2019 19:45 Uhr

Großbritannien und seine ehemalige Kolonie Mauritius streiten über einen militärisch bedeutsamen Archipel im Indischen Ozean. Geht es nach dem Weltgerichtshof, muss London die Inseln zurückgeben.

Großbritannien hat jahrzehntelang unrechtmäßig den militärisch bedeutsamen Chagos-Archipel im Indischen Ozean besetzt. Zu dieser Auffassung kam der Internationale Gerichtshof in einem nun veröffentlichten Gutachten. London habe gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker verstoßen und müsse die Inselgruppe, zu der auch der US-Militärstützpunkt Diego Garcia gehört, schnellstmöglich an Mauritius zurückgeben.

Das Gutachten des IGH wurde im Auftrag der UN-Vollversammlung erstellt. Es ist zwar nicht völkerrechtlich bindend, jedoch von großer symbolischer Bedeutung für das auf seine Kolonialhistorie stolze Vereinigte Königreich. Es liegt nun im Ermessen der Vollversammlung der Vereinten Nationen, wie mit der Auffassung der Richter umzugehen ist.

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Das Gutachten des IGH wurde im Auftrag der UN-Vollversammlung erstellt.

Archipel beheimatet US-Luftwaffenstützpunkt

Die Richter argumentierten, Großbritannien habe die Inseln in den 1960er-Jahren unrechtmäßig von seiner damaligen Kolonie Mauritius abgespalten. Mauritius erhielt daraufhin die Unabhängigkeit, die Chagos-Inseln blieben aber britisch. Zu unrecht, wie die IGH-Richter nun erklärten, denn die territoriale Integrität von Mauritius sei dabei verletzt worden. Die Entkolonialisierung des Landes hätte dementsprechend nicht abgeschlossen werden können.

Die Hauptinsel des Archipels ist Diego Garcia. Diese verpachtet Großbritannien seit 1966 an die USA. In der Folge errichteten die Amerikaner dort Anfang der 1970er-Jahre ihren wichtigsten Militärstützpunkt im Indischen Ozean. Die rund 1500 Bewohner wurden gezwungen, die Insel zu verlassen. Viele wurden in Großbritannien angesiedelt und haben bereits vor britischen Gerichten für eine Rückkehr auf die Inseln geklagt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Februar 2019 um 20:00 Uhr.

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