Centre Pompidou in Shanghai | Bildquelle: dpa

China zahlt 2,8 Millionen Euro Centre Pompidou residiert jetzt in Shanghai

Stand: 08.11.2019 16:04 Uhr

Das Pariser Museum Centre Pompidou hat seine Dependance in Shanghai eröffnet. Eine künstlerische Zusammenarbeit mit einem totalitären Staat - geht das? Als Win-Win-Situation sieht es die Pariser Seite.

Von Birgit Eger, ARD-Studio Shanghai

Auf Französisch stellt Bernard Blisténe die neue Ausstellung der Presse vor, ein Dolmetscher übersetzt ins Chinesische. Der Direktor des Nationalen Museums für Moderne Kunst am Pariser Centre Pompidou beschreibt die Suche der Künstler nach einer universellen Kunst, aber er erzählt auch von dem politischen Druck, dem Künstler ausgesetzt waren.

Doch in der Übersetzung kommt nicht alles bei den chinesischen Journalisten an. Abstrakte Malerei, Filzstapel oder Video-Installationen sind für viele Chinesen ein exotisches Erlebnis. Doch einige wollten schon am Eröffnungstag ganz früh dabei sein und empfehlen den Besuch: "Ich habe von der Ausstellung gestern in der Zeitung gelesen, sie ist großartig, man sollte unbedingt hingehen", sagt ein Besucher.

Bernard Blisténe, Direktor des Nationalen Museums für Moderne Kunst am Centre Pompidou, bei der Eröffnung der Centre-Pompidou-Ausstellung in Shanghai
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Suche nach universeller Kunst, politischer Druck auf Künstler - beides thematisierte Bernard Blisténe, Direktor des Nationalen Museums für Moderne Kunst am Centre Pompidou in Paris (links), bei der Eröffnung in Shanghai.

Drei Quader und ein Atrium von Chipperfield

Das Centre Pompidou in Shanghai hat der britische Architekt David Chipperfield entworfen: Drei Quader sind um ein Atrium gruppiert. Das Gebäude ist Teil der Museumsmeile von Shanghai, gut eine halbe Stunde Taxifahrt vom Zentrum entfernt.

Seit 2007 gibt es die Idee einer Zusammenarbeit der Museen. Doch erst vor zwei Jahren unterzeichneten die Präsidenten der beiden Länder, Xi Jinping und Emmanuel Macron, den entsprechenden Vertrag.

Bei seinem Besuch in dieser Woche in Shanghai eröffnete Macron das Museum - für China ein willkommener Anlass, andere Nachrichten in die Welt zu senden: Kultur statt Handelskrieg, internationale Partnerschaft statt Unterdrückung von Minderheiten.

"Gerade mal ein Museum für 78.000 Menschen"

Berühmte Ausstellungen ins Land zu holen, passt auch in die ehrgeizige Entwicklungspolitik Chinas. Denn im Gegensatz zum wirtschaftlichen Fortschritt gibt es in der Museumslandschaft noch viel aufzuholen, meint Rebecca Catching, Autorin eines Buches über Museumsentwicklung in China:

"Zur Jahrhundertwende hatte China gerade mal 1400 Museen, jetzt sind es schon 5000. Aber das bedeutet, dass China immer noch hinterherhinkt, was die Zahl der Museen im Verhältnis zur Bevölkerung angeht: In China gibt es gerade mal ein Museum für 78.000 Menschen, in den USA beträgt das Verhältnis 1:9000."

Frankreichs Präsident Macron und der Präsident des Centre Pompidou, Serge Lasvignes, enthüllen gemeinsam mit dem Projektleiter vor Ort, Fong Shizhong, eine Plakette bei der Eröffnung des Centre Pompidou West Bund Museums in Shanghai. | Bildquelle: REUTERS
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Frankreichs Präsident Macron und der Präsident des Centre Pompidou, Serge Lasvignes, enthüllen gemeinsam mit dem Projektleiter vor Ort, Fong Shizhong, eine Plakette bei der Eröffnung des Centre Pompidou West Bund Museums in Shanghai.

Werbung für Centre Pompidou in Paris

Chinesen für moderne Kunst begeistern, vor allem aber auch den Namen Centre Pompidou bekannt machen - das erhofft sich der Präsident des Centre Pompidou, Serge Lasvignes. Denn erst ein Prozent der Touristen im Pariser Centre Pompidou kommen aus China.

"Wir haben keine Mona Lisa und wir haben kein Guernica", sagt Lasvignes. "Das heißt für den Tourismus: Bei den organisierten Gruppenreisen aus China bleibt keine Zeit für den Besuch des Centre Pompidou. Aber unsere Zeit wird kommen."

Doch er habe festgestellt, dass es in China eine neue gebildete und interessierte Mittelklasse gebe, die schon mal mit einer Gruppenreise in Frankreich war und dann wiederkomme, um neue Dinge zu entdecken, so Lasvignes. "Und deshalb präsentieren wir uns hier, um zu zeigen, welche Schätze wir noch haben und was es noch zu sehen gibt."

2,8 Millionen zahlt Shanghai für die Ausstellung

In China sind die meisten Museen in staatlicher Hand. Deshalb muss auch das Centre Pompidou mit der zuständigen Stelle der Stadt zusammenarbeiten. Eine Partnerschaft, die sich aber auszahlt: Shanghai stellt den Museumsbau, zahlt die Miete für die Ausstellungsstücke und die Lizenz für die Nutzung des Namens. Das Centre Pompidou stellt die Kunstwerke und bietet die fachliche Beratung.

Rund 2,8 Millionen Euro pro Jahr nehme das Pompidou auf diese Weise ein, sagte Lasvignes einer französischen Zeitung. Das Geschäft sei aber nur zustande gekommen, weil die chinesischen Partner das künstlerische Konzept nicht in Frage gestellt hätten.

Fünf Ausstellungsstücke nicht genehmigt

Denn ohne die Zustimmung der zuständigen Behörden geht gar nichts. Von den rund 100 Ausstellungstücken seien jedoch nur fünf nicht genehmigt worden, aus verschiedenen Gründen, so Lavignes.

"Natürlich respektiere ich hier die Gesetze, denn es ist nicht mein Land. Aber ich hatte hier die Freiheit zu tun, was ich wollte und was ich in Frankreich auch gemacht hätte."

Der größte Teil der Ausstellung ist für fünf Jahre nach Shanghai ausgeliehen. Je nach Erfolg, wird dann neu verhandelt werden.

Museumsexport - Centre Pompidou in Shanghai eröffnet
Birgit Eger, SWR
08.11.2019 11:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. November 2019 um 14:28 Uhr.

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