Streit über Verbleib des Diktatoren-Paares Ceausescu-Überreste in Bukarest exhumiert

Stand: 21.07.2010 16:53 Uhr

Liegen wirklich die Überreste des rumänischen Ex-Diktatorenpaares Ceausescu in den zwei einfachen Gräbern auf dem Bukarester Militärfriedhof? Letzte Gewissheit sollen nun DNA-Tests bringen. Im Morgengrauen exhumierten Rechtsmediziner die Überreste - genau beobachtet von Ceausescu-Anhängern.

Von Ralf Borchard, zzt. ARD-Hörfunkstudio Südosteuropa

Zwei ältere Männer erinnern an den rumänischen Diktator Ceausescu.
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Zwei Männer erinnern an den rumänischen Diktator Ceausescu.

Die Gräber wurden am frühen Morgen ohne Vorankündigung geöffnet. Offenbar wollte die rumänische Regierung die Presse fernhalten und größere Menschenaufläufe vermeiden. Doch sobald die Nachricht von der Exhumierung Nicolae Ceausescus und seiner Frau Elena die Runde gemacht hatte, fanden sich einige Getreue vor dem Friedhofstor ein.

Darunter vor allem Rentnerinnen - eine von ihnen rief erbost: "Ceausescu war ein Patriot. Die heutigen Machthaber sind keine Patrioten. Sie scheffeln riesige Privatvermögen und bringen sie dann ins Ausland."

Es gibt sie noch immer - die die Ceausescu-Zeit verklären und sagen, damals war alles besser. Sie sind aber nicht die Mehrheit, auch wenn Skepsis gegenüber der demokratisch gewählten Regierung weit verbreitet ist.

"Unter Ceausescu hat niemand Hunger gelitten"

"Diese Mistkerle müssen die beiden Ceausescus unbedingt anständig bestatten. Und zwar im Grab ihrer Eltern in ihrem Geburtsort Scornicesti", forderte einer der Umstehenden. Das hätten die Ceausescus verdient. "Während der 25-jährigen Herrschaft der Ceausescus hat niemand, weder ich noch sonst jemand in diesem Land, Hunger gelitten. Und heute weiß ich nicht, wie ich meine Schulden bezahlen soll!"

Eine Jacke und eine Hose mit Einschusslöchern

Ein Bild des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu auf seinem Grab | Bildquelle: dpa
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Nach der Exhumierung verblieb nur ein Bild des Diktators auf dem Grab.

Die Exhumierung des Ehepaars Ceausescu wurde von Angehörigen durchgesetzt. Sie wollen klären lassen, ob es sich in den Särgen tatsächlich um die sterblichen Überreste des Ex-Diktators und seiner Frau handelt.

Mircea Oprean, ein Schwiegersohn, durfte die Rechtsmediziner heute früh begleiten. Er habe die Jacke wiedererkannt, die sein Schwiegervater bei der Hinrichtung getragen habe, sagte er anschließend. Die Jacke und die im Sarg verbliebene Hose hätten Einschusslöcher. Er gehe davon aus, dass es sich tatsächlich um die Ceausescus handle. Sicher könne er aber erst nach Abschluss der DNA-Tests sein. Bis dahin könnten aber Wochen, möglicherweise sogar Monate vergehen.

Zwei einfache Gräber für das Diktatoren-Paar

Der rumänische Diktator war am 22. Dezember 1989 gestürzt worden. Wenige Tage später wurde er zusammen mit seiner Frau Elena erschossen. Die beiden wurden eiligst in zwei einfachen, getrennten Gräbern auf dem Bukarester Militärfriedhof bestattet.

Der rumänische Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu (li.) mit seiner Frau Elena bei einem Deutschlandbesuch. (Archivbild von 1984)
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Ceausescu wurde im Dezember 1989 gestürzt und hingerichtet. (Archivbild des Präsidentenpaares von 1984)

Dieser liegt unweit des riesigen Ceausescu-Palastes, der nach dem Pentagon in Washington als zweitgrößtes Gebäude der Welt gilt. Noch heute thront dieses Monument des Größenwahns über Bukarest und hält die Erinnerung an die Zeit der Diktatur wach. Der rumänische Publizist Erwin Kessler, der für die Kulturzeitschrift "22" schreibt, ist überzeugt, dass dadurch das Datum des Ceausescu-Sturzes allgegenwärtig bleibt. Und dies sei gut so: "Es sollte stets ein Thema sein. Denn in Wirklichkeit haben wir bis heute kein demokratisches Leben. Wir haben eine Scheindemokratie." In Rumänien gebe es nur eine falsche Offenheit und eine scheinbare Meinungsvielfalt. "Es gibt noch viel zu tun, um die Ideale des 22. Dezember wiederzubeleben."

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