Ein Canna-Bus auf einer Straße in New York. | Simon Seitel

Marihuana legalisiert Die Canna-Busse vom Times Square

Stand: 26.05.2022 15:21 Uhr

Mitten in New York sorgt eine neue Attraktion für Aufmerksamkeit: Canna-Busse. Vor den fahrenden "Coffee Shops" bilden sich teils lange Schlangen. Legal ist der Drogenverkauf, aber nicht unumstritten.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

High Time am Times Square: Kiandra hat alles im Angebot - Gebackenes, Ölprodukte, Fruchtgummis, Lollipops und natürlich den klassischen Joint. Er kostet zwischen 20 und 25 Dollar, der genaue Preis hängt vom Inhalt ab.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Die junge Frau mit den geflochtenen Zöpfen lacht aus dem Verkaufsfenster ihres bunten Trucks. Der lange Bus von "WeedWorldCandies" steht rund um die Uhr am Straßenrand. Praktisch findet das ein Kunde, der sich gerade seine Joints einpacken lässt.

Es ist großartig. Ist doch viel besser, zu wissen, das ist alles sauber hergestellt. Lieber das Zeug hier kaufen, als wenn irgendein Typ es mir an meine Haustür bringt.
Außenansicht eines Canna-Buses in New York. | Simon Seitel

Viele verschiedene Anbieter verkaufen Gras in New York aus Trucks oder Bussen. Bild: Simon Seitel

Gras in der Grauzone

Die Produkte, die hier verkauft werden, wurden in US-Staaten hergestellt, in denen das Weed bereits seit Langem verkauft werden darf. "Cannabliss" oder "Weed World Clinics" heißen die Popup-Stores auf Rädern, die oft längere Schlangen anziehen als die Diners drumherum. Beliebt sind sie auch bei Touristen: "Aus Frankreich und London kommen sie - von überall her", sagt Kiandra. "Jeder raucht doch. Bei manchen Leuten erwartest Du das gar nicht."

Seit einem knappen Jahr ist Kiffen in New York legal: Wer mindestens 21 Jahre alt ist, darf bis zu 85 Gramm Cannabis besitzen. Und dennoch dürfte es diese Canna-Busse noch nicht geben, ärgert sich der Chef der Times-Square-Allianz, Tom Harris: "Sie haben den Besitz von Marihuana legalisiert, aber haben noch keine Regeln für den Verkauf. Und jetzt sehen wir hier diese mobilen Verkaufsstellen auf der Straße. Das führt zu Ordnungsverstößen", sagt er.

Schließlich brauche jede Hotdog-Bude eine Lizenz. Lange haben die Canna-Busse deshalb beim Handel getrickst: Niemand "kaufte" den Joint. Stattdessen gab es ihn als Zugabe für den teuer gekauften Kaffee. Statt Bezahlung nahmen manche Händler "Spenden" für das Gras in der Grauzone. Harris ist wütend:

Diese Trucks parken hier unrechtmäßig, sie verkaufen unrechtmäßig. Sie sammeln Strafzettel fürs Falschparken und ignorieren sie einfach. Täglich kommen 300.000 Menschen an den Times Square. Wir brauchen Regeln, auch um die Geschäfte hier zu managen.
Canna-Bus in New York | Simon Seitel

"Das Gleiche, als ob du Hotdogs auf der Straße verkaufst", sagt eine Verkäuferin. Bild: Simon Seitel

Erste Lizenzen für ehemals Kriminelle

Tatsächlich ist die New Yorker Regierung mit der Legalisierung vorgeprescht, ohne die Lizenzen geregelt zu haben. Die Einnahmen aus dem Handel mit Cannabis sollen irgendwann in die Behandlung von Drogensucht sowie in Bildungsprogramme fließen.

New York verspricht sich durch die die Reform jährlich umgerechnet rund 300 Millionen Euro Steuereinnahmen - dazu Zehntausende neue Arbeitsplätze. Doch die ersten 100 legalen Verkaufslizenzen werden frühestens Ende dieses Jahres vergeben - und zwar an diejenigen, die früher wegen Marihuana-Besitzes bestraft worden sind. Ein fairer Schachzug, findet Kassandra Frederique von der Organsation "Drug Policy Alliance".

Wir wollen eine Industrie um die New Yorker herum errichten, die unter der Über-Kriminalisierung gelitten haben. Wir wollen Fairness in dieser Industrie.

New York eröffnet ein Cannabis-Büro

Nach Statistiken der Bürgerrechtsorganisation ACLU landeten Afroamerikaner in der Vergangenheit für den Besitz von Cannabis in den USA viermal so oft im Gefängnis wie Weiße. Mit der Reform in New York sollen frühere Verurteilungen auch aus den Registern gelöscht werden. Um all das zu regeln, hat die Stadt sogar ein Cannabis-Büro eingerichtet.

Am Times Square ist inzwischen Canna-Bus Nummer acht angekommen. Sie seien von einem anderen Platz von der Polizei vertrieben worden, sagt die junge Frau hinter dem Tresen.

Ich meine, das ist doch legal wie jedes andere Produkt. Das Gleiche, als ob du Hotdogs auf der Straße verkaufst. Nur eben ein Bus, der Haschisch-Produkte verkauft.

Und weil New York dahinter stehe, drücke die Polizei eben auch ein Auge zu. Niemand wolle doch Stress um eine Sache, die gerade entkriminalisiert werden soll.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 24. Mai 2022 um 06:37 Uhr.