Mit Bussen werden die Bewohner des Dschungels in andere Unterkünfte gebracht. | Bildquelle: AFP

Flüchtlingslager von Calais wird geräumt Mit dem Bus raus aus dem "Dschungel"

Stand: 18.01.2018 22:21 Uhr

Frankreichs größter Slum wird aufgelöst - Hunderte von Migranten verlassen Calais. Nach vereinzelten Protesten in der Nacht verläuft die Räumung des "Dschungels" nun relativ ruhig und geordnet. Die Menschen werden in Zentren im französischen Hinterland gebracht.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Manchmal kommt es dann doch zu einer leichten Drängelei in der Schlange der Wartenden, etwa 1000 Menschen wollen es in die ersten 60 Busse schaffen, die sie aus dem "Dschungel" in so genannte Empfangs- und Orientierungszentren bringen, aber im Prinzip sind alle recht gelöst.

"Viele Menschen sind seit Monaten hier und sie sehen, wie schwierig es mittlerweile ist, nach England zu kommen, berichtet Clare Millot von der Hilfsorganisation Salam. "Und so werden die einen immer verzweifelter: Manche versuchen, mit dem Schlauchboot den Ärmelkanal zu überqueren oder durch den Eurotunnel zu laufen. Viele aber sagen sich auch: Es hat keinen Sinn mehr, fahren wir also in diese Orientierungszentren."

Etwa 450 dieser Orientierungszentren gibt es im Land. Dort können die Flüchtlinge duschen, sie bekommen etwas zu essen und sie müssen nicht im Slum und im Dreck darüber nachdenken, wie es weitergehen soll. Wir sind sehr zufrieden mit Frankreich", erzählt ein Mann aus dem Sudan, als er in einen der wartenden Busse einsteigt. "Mit England sind wir weniger zufrieden."

Zufrieden ist auch die Präfektin der Region, Fabienne Buccio. Bislang nämlich blieb alles friedlich: "Alles ist gut, gut organisiert, alles verläuft in geordneten Bahnen und sehr methodisch."

Und wer nicht freiwillig gehen will?

Nur: Was passiert mit denjenigen, die das Lager nicht freiwillig verlassen wollen, weil sie die Hoffnung nicht aufgeben, doch irgendwie nach England zu kommen? Nicht alle etwa 8000 Flüchtlinge nämlich wollen gehen. Christian Salomé von der Hilfsorganisation "auberge des migrants" befürchtet Schlimmes: "Der Staat will nicht mehr, dass es hier eine Art Empfang gibt, also werden sie sich wie vor zehn, zwanzig Jahren auch in Calais herumschlagen, unter Brücken, in verlassenen Häusern schlafen, und diejenigen, derer man habhaft wird, wird man in Abschiebezentren stecken. Dort hat man bereits Platz geschaffen."

Morgen kommen die Bagger

Salomé begleitet bereits die Auflösung des Lagers von Sangatte im Jahr 2002. Er weiß also, wovon er spricht. Schon morgen sollen die ersten Bagger im Lager Zelte und provisorische Hütten zerstören. Insgesamt eine Woche veranschlagte die französische Regierung dafür, 1250 zusätzliche Polizisten sollen dafür sorgen, dass alles reibungslos verläuft. Und wenn nicht? Die Präfektin gibt sich gelassen: "Ich glaube, dass die Migranten einfach genug haben von diesem Dschungel und froh sind, wenn sie in den Aufnahmezentren sind."

Diese Meinung teilt auch Clare Millot von Salam: "Dort können sie sich wenigstens ein bisschen ausruhen, sie haben es warm und trocken. Das haben wir schon seit langem vom französischen Staat gefordert, würdevolle Unterkünfte und nicht diese Plastikbehausungen. Daher sind wir sehr zufrieden, dass das jetzt kommt."

Schnell werden vor dem Hangar, in dem sich die Flüchtlinge registrieren lassen, noch ein paar Selfies gemacht, dann geht es los: irgendwo ins französische Hinterland. Vorerst.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Oktober 2016 um 16:00 Uhr.

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