Ein Feuerwehrmann steht mit einem Feuerwehrschlauch vor einem lodernden Buschfeuer in Clarence Valley, Australien. | Bildquelle: dpa

Feuer in Australien Der Busch brennt - ungewöhnlich früh

Stand: 10.09.2019 07:34 Uhr

"Eine sehr ernste Situation so früh wie noch nie im Jahr": In Australien wüten bereits seit Tagen heftige Buschfeuer, Hunderte Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Und das Wetter spielt gegen die Einsatzkräfte.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Dicke schwarze Wolken steigen auf, der starke Wind verzerrt den Ton der Handykamera. Schaulustige filmen die Brände, die in den Bundesstaaten Queensland und New South Wales im Osten Australiens toben. Sie zerstören Tausende Hektar von Buschland und sogar subtropischen Regenwald - etwas, das die Feuerwehrleute nie zuvor erlebt haben.

Der Winter in Australien hatte Rekordtemperaturen, in vielen Regionen hält die Dürre schon jahrelang an und dazu kommen jetzt noch heiße Winde, erzählt Feuerwehrmann Brian Williams: "Im Moment ist es sehr kritisch. Wir versuchen, Gegenfeuer einzusetzen, und unsere Mannschaften arbeiten so hart wie möglich, aber wir müssen sehr vorsichtig mit unseren Gegenmaßnahmen sein - denn die Winde sind so stark."

Karte: Australien, Queensland und New South Wales
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Die Winde sorgen dafür, dass sich die Feuer immer weiter ausbreiten.

Ernste, brandgefährliche Situation

Diese Winde sollen noch tagelang anhalten. Mit Hubschraubern und Löschflugzeugen versuchen die Behörden die Brände einzudämmen. Viele Schulen sind geschlossen, Anwohner und Touristen aus Ortschaften und Ferienanlagen wurden in Notunterkünfte gebracht, wie Bob Simpson aus Sydney: "Wir waren wandern, dann kam die Nachricht, dass unser Hotel geräumt wird, also mussten wir uns sehr beeilen. Wir konnten gerade noch unsere Sachen schnappen, und dann nichts wie raus. Wir hoffen, alle werden rechtzeitig in Sicherheit gebracht."

So früh im australischen Frühling habe es noch nie eine so ernste und im wahrsten Sinne brandgefährliche Situation gegeben, sagte der Leiter der Feuer und Katastrophenschutzbehörde von Queensland. Das sei ein Vorzeichen für eine ausartende Feuersaison im kommenden Sommer.

"Plan für das Überleben"

Fernseh- und Radiosender weisen die Bevölkerung darauf hin, wie man sich auf ein Buschfeuer vorbereiten sollte: "Wer einen Plan hat, hat größere Chancen, ein Buschfeuer zu überleben", heißt es dort, darum solle man alle nötigen Nummern und Kontakte in Laptop und Telefon haben. Den Rasen soll man kurz halten und sich mit der Familie zusammensetzen und überlegen, was man tun will: Früh flüchten oder bleiben und das Haus verteidigen? Lebenswichtige Entscheidungen.

Erin Brady ist geflohen, erzählt sie dem Radiosender ABC: "Vor einer Stunde sind wir raus, wir hatten aber Glück, weil wir genügend Zeit hatten. Wir konnten also nicht nur unsere Pässe, sondern auch Kunstwerke und anderes Wichtiges einpacken. Freunde von uns hatten Pech, sie wohnen auf der anderen Seite des Feuers und konnten nur noch raus, sie sind mit dem nackten Leben davongekommen."

Fischrettung in Gang

Durch den Klimawandel müsse sich Australien auf neue und größere Feuerrisiken einstellen, sagen Politiker. Steigende Temperaturen, dauerhafte Trockenheit, all das trägt dazu bei. In vielen Bereichen des Landes hat es seit Jahren nicht geregnet.

Tote Fische im australischen Darling River | Bildquelle: AFP
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Bereits im vergangenen Sommer waren im Darling River wegen der extremen Trockenheit fast eine Million Fische gestorben.

Die schiere Ausdehnung des australischen Kontinents, die vielen abgelegenen Gebiete von riesigem Regenwald und Buschland machen es den Feuerwehrleuten umso schwerer, die Brände zu bekämpfen, erzählt Kevin Walsh: "Es ist eine sehr gefährliche Situation hier, die sich andauernd ändert. Wir haben Unterstützung aus der Luft und versuchen, die Feuer einzudämmen, aber weil sie massiv und nicht nur kurzlebig sind, werden wir sehen, wieviel Erfolg wir damit haben." Das Wetter werde sich erst in ein paar Tagen zu Gunsten der Einsatzkräfte drehen.

Wegen der extremen Trockenheit in Australien hat die Regierung von New South Wales begonnen, Fische zu retten: Im Darling River sind Zigtausende Fische in Lebensgefahr, da große Teile des Flusses zu Tümpeln vertrocknet sind. Im vergangenen Sommer waren bereits fast eine Million Fische gestorben.

Buschfeuer in Australien Schlimmer Start in heiße Saison
Lena Bodewein, ARD Singapur
10.09.2019 06:54 Uhr

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