In Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, steigen nach Anschlägen im März 2018 schwarze Rauchwolken auf. | Bildquelle: AFP

Neuer Armeechef in Burkina Faso Im Teufelskreis des Terrors

Stand: 12.01.2019 12:47 Uhr

Der westafrikanische Staat Burkina Faso kämpft vergeblich gegen Gewalt und Anschläge. Der Terror breitet sich über die Grenzen des Landes hinaus aus. Fraglich ist, ob ein neuer Armeechef das ändern kann.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat 

Rinaldo Depagne beobachtet die Entwicklung in Burkina Faso seit vielen Jahren. Jetzt sagt der Experte der Denkfabrik International Crisis Group: "Ich habe noch nie ein solches Ausmaß an Gewalt erlebt." Nur über die besonders Aufsehen erregenden Attacken wird auch in internationalen Medien berichtet: Der zeitgleiche Angriff auf die französische Botschaft und das Armee-Hauptquartier im vergangenen Frühjahr. Doch die Gewalt ist in dem westafrikanischen Land fast Alltag.

Im Norden von Burkina Faso, an der Grenze zum ebenfalls von Terror geplagten Mali, sterben oft Soldaten und Gendarme, wenn sie auf Sprengsätze auffahren. Mittlerweile ist auch das Grenzgebiet zum Nachbarstaat Niger im Osten des Landes betroffen.

Präsident setzt auf Zusammenarbeit mit Mali und Niger

Als Burkina Fasos Präsident Roch Kaboré Mitte Dezember mal wieder in Paris Unterstützung suchte, schilderte er die Lage so: "Im Osten und im Norden von Burkina Faso sind aktuell fast 600 Schulen geschlossen, wegen der Sicherheitsrisiken. Das bedeutet, wir müssen unsere Aktionen koordinieren: Niger, Mali und Burkina Faso müssen gemeinsam verhindern, dass sich Terroristen in diesem Gebiet bewegen können."

In Burkina Faso setzt sich eine Entwicklung fort, die schon vor mehr als zehn Jahren im Norden von Mali begonnen hat. Damals kamen radikale islamistische Gruppen aus Algerien nach Nord-Mali. Sie etablierten sich dort, schürten lokale Konflikte und Krisen. So begann die Destabilisierung von Mali. Dieses Phänomen griff in den Nachbarstaat Niger über.

Burkina Fasos Päsident Roch Kaboré
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Burkina Fasos Päsident Roch Kaboré: 600 Schulen aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Extremisten versprechen Hilfe und Geld

Jetzt geht es in Burkina Faso weiter. Aber seitdem habe sich etwas verändert, sagt Crisis-Group-Direktor Depagne: "Jetzt ist es anders. Es geht nicht mehr nur um islamistische Ideologie. Es geht auch um soziale Unruhen. Jetzt schließen sich Leute diesen Terrorgruppen an, die keineswegs ans Kalifat oder an die Ideologie glauben, die Al Kaida entwickelt hat."

Es sind Menschen, die unter der katastrophalen Wirtschaftslage leiden. Sie haben kaum Gesundheitsversorgung, Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Die Extremisten versprechen ihnen Hilfe und Einkommen.

Massaker nicht gestoppt

Mittlerweile verdächtigen sich Volksgruppen gegenseitig, gemeinsame Sache mit den Terroristen zu machen. Das zeigt sich immer wieder in Mali, ganz aktuell aber auch Burkina Faso: Am Neujahrstag wurde ein Dorf im Norden des Landes überfallen. Bewaffnete ermordeten mehr als 40 Menschen. Die Angreifer sollen der Volksgruppe der Mossi angehören, die Opfer den Peul.

Als das Massaker seinen Lauf nahm, war von Burkina Fasos Armee nichts zu sehen. Das war wohl der Auslöser für den Rausschmiss des Streitkräfte-Chefs in Burkina Faso.

Die Armee verhindert solche Konflikte nicht. Seit einem Putschversuch vor drei Jahren sind die Streitkräfte geschwächt. Hinzu kommt, dass Burkina Faso Hunderte Soldaten ins Nachbarland Mali geschickt hat. Sie sind dort bei der Friedenstruppe der Vereinten Nationen eingesetzt.

Kein Vertrauen in Armee

Depagne meint, Burkina Fasos Präsident Kaboré brauche diese Einheiten in den Konfliktregionen des eigenen Landes. Aber auch das werde keine entscheidende Veränderung bringen: "Es bedarf nicht nur einer militärischen Antwort. Man muss an die sozialen und politischen Ursachen der Problem herangehen."

Dazu gehört, dass sich viele Menschen von Armee, Polizei und Gendarmerie in Burkina Faso nicht beschützt fühlen. Beamte, Justizangestellte, aber auch Lehrer wandern aus den Krisengebieten des Landes ab. Die Bevölkerung bleibt sich selbst überlassen. Sie sucht teilweise Schutz und Hilfe ausgerechnet bei denen, die das Land destabilisieren - bei radikalislamistischen Milizen. Dringend notwendige Projekte für die Bevölkerung werden wegen der grassierenden Sicherheitsprobleme kaum noch umgesetzt.

Das ist der Teufelskreis von Burkina Faso, aber auch der von Mali und Niger.

Neuer Armeechef, altes Problem – Burkina Faso kämpft gegen Terror und Gewalt
Jens Borchers, ARD Rabat
12.01.2019 12:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2019 um 08:00 Uhr.

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