Bundeswehrsoldat in der afghanischen Stadt Kundus
Hintergrund

ISAF, OEF und Tornado-Einsatz Die drei Bundeswehr-Mandate in Afghanistan

Stand: 17.12.2021 15:59 Uhr

In Afghanistan können bis zu 3600 Bundeswehr-Soldaten eingesetzt werden. Grundlage sind drei Mandate des Bundestages.

Den Anfang machte das Isaf-Mandat

Das älteste der drei Mandate wurde im Dezember 2001 erstmals beschlossen. Demnach dürfen bis zu 3000 Soldaten im Rahmen der "International Security Assistance Force" (ISAF) nach Afghanistan entsandt werden. Die internationale Schutztruppe ist durch eine UN-Resolution legitimiert und steht unter dem Oberkommando der Nato. Die ISAF-Truppen sollen nach dem Sturz des Taliban-Regimes zur Stabilisierung und Aufbau des Landes beitragen.

Haupteinsatzgebiete der Bundeswehr sind die Hauptstadt Kabul und der Norden Afghanistans. Zwar dürfen Bundeswehrsoldaten laut deutschem ISAF-Mandat auch in den übrigen Landesteilen eingesetzt werden, jedoch nur im Rahmen einer befristeten Nothilfe für ISAF-Truppen anderer Staaten. Eine kleine Anzahl der deutschen Soldaten ist auf dem usbekischen Flugplatz Termez stationiert, über den ein Großteil der Versorgung für die internationale Schutztruppe läuft. Bei den meisten Bundestagsabgeordneten ist der ISAF-Einsatz relativ unumstritten. Im Oktober wurde das Mandat um ein weiteres Jahr verlängert.

Deutsche Isaf-Soldaten in Afghanistan

Deutsche Isaf-Soldaten patrouillieren im Bezirk Butkhak südlich von Kabul.

Tornados erst seit Frühjahr 2007 im Einsatz

Umstrittener waren dagegen die landesweiten Aufklärungsflüge deutscher Tornados in Afghanistan. Dieses Mandat ist das jüngste der drei Bundeswehr-Einsätze am Hindukusch und wurde trotz vieler Bedenken im Oktober gemeinsam mit der ISAF-Mission verlängert. Bis zu 500 deutsche Soldaten können in Mazar-i Scharif den Flugbetrieb der Jets gewähren. Zwar dürfen die Tornadopiloten - außer zur Selbstverteidigung - nicht an Kampfhandlungen teilnehmen, da aber die Deutschen auch umkämpfte Gebiete aus der Luft aufklären, ist der Einsatz in der Kritik. Gegner dieses Mandats weisen daraufhin, dass die Aufklärungsergebnisse nicht nur an ISAF weitergegeben werden, sondern auch an den US-geführten Anti-Terror-Einsatz "Operation Enduring Freedom" (OEF).

OEF - wegen ziviler Opfer in der Kritik

Der OEF-Einsatz ist die dritte Mission für Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan und ist zugleich der in Deutschland am heftigsten kritisierte. Seit Dezember 2001 dürfen bis zu 100 Mann der Bundeswehr-Spezialeinheit KSK überall in Afghanistan den Kampf gegen Terroristen unterstützen. Das KSK war im Rahmen von OEF lediglich zwei Mal in Afghanistan im Einsatz und zwar von 2002 bis 2003 sowie 2005. Kontinuierlicher und umfangreicher ist die Mission der Deutschen Marine am Horn von Afrika, der ebenfalls vom OEF-Mandat abgedeckt ist. Doch die Kontrollfahrten in der Meeresenge werden öffentlich kaum wahrgenommen. Hierzulande überwiegen die Schlagzeilen über zivile Opfer in Afghanistan, die durch fortwährende OEF-Kampfhandlungen vor allem im Süden zu beklagen sind. Wegen dieser so genannten Kollateralschäden war die Verlängerung des OEF-Mandats im vergangenen November besonders heftig in der Diskussion - auch innerhalb der Regierungskoalition.