Bundeswehr-Soldaten unterstützen den Kampf gegen das Coronavirus. | Bildquelle: AFP

Coronavirus Bundeswehr im Krisenmodus

Stand: 11.04.2020 02:50 Uhr

Täglich wächst die Zahl der Anfragen an die Bundeswehr, bei der Eindämmung der Corona-Krise zu helfen. Es wird befürchtet, dass die Pandemie weltweit zu weiteren Konflikten führen könnte. Die Truppe würde so weiter belastet.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist die morgendliche Routine in Corona-Zeiten: Täglich um 8.30 Uhr meldet sich von Bonn aus Generalleutnant Martin Schelleis per Telefon- oder Videokonferenz und lässt sich auf den neuesten Stand bringen: Wie viele Infizierte gibt es in Deutschland? Wie oft wurde die Bundeswehr von zivilen Stellen um Hilfe bei der Eindämmung der Pandemie gebeten? Wie viele Soldaten sind dafür im Einsatz?

Diese Zahlen zu liefern, dafür ist zum Beispiel Generalmajor Carsten Breuer vom sogenannten "Kommando Territoriale Aufgaben" in Berlin zuständig: Insgesamt fast 15.000 Soldaten hat die Bundeswehr abgestellt, um sie innerhalb kürzester Zeit alarmieren und in den Anti-Corona-Einsatz schicken zu können. Gebraucht werden davon in der derzeitigen Lage zwar lediglich ein paar hundert - aber sicher ist sicher, erklärt Martin Schelleis, der an der Spitze dieses Einsatzkontingents steht, im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio:

"Über die sanitätsdienstliche Hilfe sind wir bei der Beratung und in der zupackenden Hilfe beim Aufbau von Behelfskrankenhäusern tätig. Zum Beispiel in Berlin und in Hannover."

Hilfe für NATO-Partner Großbritannien

Das ist ein typisches Beispiel dafür, wo und wie die Bundeswehr aktuell zivilen Stellen unter die Arme greift. Die Truppe hilft nun auch dem NATO-Partner Großbritannien, dem sie 60 mobile Atemgeräte zugesagt hat, die etwa für den Krankentransport eingesetzt werden können. Die Lieferung soll "zeitnah" erfolgen, heißt es auf Nachfrage.

Und die Bundeswehr stellte Soldaten ab, die in Deutschland als Testpersonen bei der Erprobung jener Mobiltelefon-App mitwirkten, die künftig Kontaktpersonen Infizierter ermitteln können soll. Doch so sehr die Lage in Deutschland derzeit im Fokus steht - größte Sorge bereitet Schelleis das, was die Pandemie jenseits von Europa, in Asien, in Afrika anrichten könnte: 

"Das wird zu Verwerfungen führen, die auch das sicherheitspolitische Gefüge durcheinanderbringen. Es wird Gewinner geben, es wird Verlierer geben. Es wird einen gewaltigen Leidensdruck in vielen Erdteilen mit sich bringen, der auch einhergehen wird mit einem großen Migrationsdruck."

Erhöhtes Gewaltpotential

Vor neuen Verteilungskämpfen und einem erhöhten Gewaltpotential warnt auch die Bundeswehr-Denkfabrik GIDS in einer aktuellen Studie. Martin Schelleis, der gleichzeitig Inspekteur der Streitkräftebasis ist, befürchtet, dass sich wegen der Corona-Pandemie bestehende Konflikte verschärfen - und neue Krisen und Kriege hinzukommen könnten.

"Und dann ist unser Platz - und das ist ja die Hauptaufgabe der Bundeswehr: äußere Sicherheit - in den Auslandseinsatzgebieten, in den bestehenden und vielleicht künftig neu hinzukommenden."

Noch ist das Zukunftsmusik - wenn auch keine, die besonders verheißungsvoll klingt. Aktuell besteht die Aufgabe der Bundeswehr darin, die bereits bestehenden Auslandseinsätze - in Mali, Afghanistan, Litauen - so gut es angesichts der Krise geht, weiter zu führen, und gleichzeitig aktuell die "Amtshilfeanträge" ziviler Stellen hierzulande abzuarbeiten.

Schon das vergangene Jahr sei - mit Waldbränden, Schneekatastrophen und insgesamt knapp 250 Anträgen - anspruchsvoll gewesen. Doch bereits in den ersten Monaten 2020 wurde diese Marke wegen der Corona-Krise übertroffen. Und täglich kommen nach Angaben der Bundeswehr etwa 15 bis 20 Anträge hinzu.

Corona - Bundeswehr im Krisenmodus
Kai Küstner, ARD Berlin
10.04.2020 22:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. April 2020 um 06:12 Uhr.

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Kai Küstner | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

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