Auf einer Bundeswehruniform ist eine Deutschlandflagge aufgenäht. | dpa

Zehn Jahre nach Abzug Bundeswehr soll nach Bosnien und Herzegowina

Stand: 16.06.2022 12:52 Uhr

Vor zehn Jahren zog sich die Bundeswehr aus dem Einsatz in Bosnien und Herzegowina zurück. Nun will das Bundeskabinett wieder Soldatinnen und Soldaten in das Land entsenden. Zustimmen muss noch der Bundestag.

Die Bundeswehr soll künftig wieder an einer europäischen Militäroperation in Bosnien und Herzegowina teilnehmen. Das Bundeskabinett hat dazu einen Entwurf auf den parlamentarischen Weg gebracht.

Stimmt der Bundestag dem Einsatz zu, sollen im August erst mal 25 Soldatinnen und Soldaten in das Land am Balkan verlegt werden. Danach sollen bis zu 50 Soldatinnen und Soldaten in Bosnien und Herzegowina eingesetzt werden können. Das Mandat soll bis Ende Juni 2023 gelten. An der europäischen Mission sind aktuell etwa 2000 Soldatinnen und Soldaten aus mehr als 20 Staaten beteiligt.

Seit 2012 keine Bundeswehr-Soldaten mehr im Land

Der europäische Einsatz mit dem Titel "Eufor Althea" folgte einst auf die NATO-Mission "Stabilisation Force" in Bosnien und Herzegowina. Ziel von "Eufor Althea" ist es, in dem Land für Sicherheit zu sorgen und die Einhaltung des Dayton-Abkommens von 1995 zu unterstützen.

Spannungen in Bosnien und Herzegowina

Bosnien und Herzegowina ist ein Nachfolgestaat der ehemaligen Republik Jugoslawien. 1992 gab es ein Referendum, in dem sich 99,7 Prozent der Wähler für die Unabhängigkeit aussprachen. Viele bosnische Serben, die etwa ein Drittel der damals knapp 4,5 Millionen Einwohner des Teilstaats ausmachten, boykottierten die Abstimmung allerdings.

Anschließend brach ein Krieg aus, der bis 1995 andauerte. Die Intervention von Vereinten Nationen und NATO beendete den Konflikt. Im November 1995 gaben die Kriegsparteien schließlich ihre Zustimmung zum Friedensabkommen von Dayton, das unter Beteiligung der Europäischen Union und der USA zustande kam. Die Verfassung des Landes ist in diesem Friedensabkommen festgelegt.

Seitdem besteht Bosnien und Herzegowina aus zwei Landesteilen: der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska. Dem Grenzdistrikt um die Stadt Brčko wurde ein Sonderstatus verliehen. Verbunden sind die Landesteile durch eine gemeinsame Zentralregierung, die jedoch nur eingeschränkte Befugnisse hat.

Erstmals war die Beteiligung an dem europäischen Einsatz 2004 vom Bundestag beschlossen worden. Auch damals sollten die deutschen Soldaten unter anderem einen Beitrag zur Stabilisierung des von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen ethnischen und religiösen Gruppen gebeutelten Landes. Sie berieten zudem die bosnischen Streitkräfte. Im Jahr 2012 endete der Auslandseinsatz für die Bundeswehr.

Könnte sich Russland-Konflikt auf Westbalkan ausweiten?

Seit einiger Zeit gibt es Bestrebungen in der serbischen Teilrepublik in Bosnien, sich aus den gesamtstaatlichen Institutionen zurückzuziehen und auf eine Abspaltung hinzuarbeiten. Russlands Machthaber Wladimir Putin wird vorgeworfen, solche Bestrebungen zu unterstützen. Auch im benachbarten Serbien gibt es dafür große Sympathien.

Menschenrechtsorganisationen warnen bereits seit dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar vor einer Ausweitung des Konflikts auf den Westbalkan.

Anmerkung der Redaktion: Eine ursprüngliche Version der Informationsbox "Spannungen in Bosnien und Herzegowina" enthielt Fehler. Wir haben diese korrigiert.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 15. Juni 2022 um 14:15 Uhr in den Nachrichten.