Abholzung in Porto Velho, Brasilien | Bildquelle: REUTERS

Rodung des Regenwaldes Schulze stoppt Brasilien-Projekte

Stand: 10.08.2019 16:35 Uhr

Die Regenwald-Rodungen haben unter Brasiliens Präsident Bolsonaro massiv zugenommen. Als Reaktion will das Bundesumweltministerium nun Zuschüsse zu Waldschutzprojekten in Millionenhöhe einfrieren.

Wegen der beschleunigten Rodung im Amazonas-Regenwald legt das Umweltressort die finanzielle Förderung von Waldschutz- und Biodiversitätsprojekten in Brasilien auf Eis.

Zweifel an Politik der Bolsonaro-Regierung

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagte dem "Tagesspiegel", die Politik der brasilianischen Regierung im Amazonas lasse Zweifel aufkommen, "ob eine konsequente Reduzierung der Entwaldungsraten noch verfolgt wird".  Erst wenn darüber wieder Klarheit herrsche, könne die Projektzusammenarbeit fortgeführt werden, so die SPD-Politikerin.

Regenwald in Brasilien
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Die Bäume in den Regenwäldern absorbieren CO2 - doch sie sind bedroht.

Dem Bericht zufolge geht es in einem ersten Schritt um einen Beitrag von 35 Millionen Euro. In den sogenannten Amazonas-Fonds hat die Bundesregierung bisher 55 Millionen Euro einbezahlt.

Der Fonds mit einem Volumen von knapp 800 Millionen Euro wird von Norwegen und zu einem kleinen Teil auch von Deutschland finanziert. Mit dem Geld sollen die Abholzung des Regenwaldes gestoppt, Aufforstungsprojekte finanziert und die indigene Bevölkerung unterstützt werden. Zuletzt hatten allerdings Pläne des neuen ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaros für Ärger gesorgt, die Mittel auch für die Entschädigung von Bauern zu verwenden.

Seit Einrichtung des Fonds 2008 seien die Abholzungs- und Rodungszahlen zeitweise auch stark zurückgegangen, schreibt der "Tagesspiegel". Unter Bolsonaro gebe es nun eine Trendwende. Bolsonaro verbitte sich eine Einmischung in "innere Angelegenheiten Brasiliens". Aus Sicht des Bundesumweltministeriums müsse die Beteiligung Deutschlands am Amazonasfonds nun kritisch überprüft werden.

Regenwald-Rodung hat drastisch zugenommen

Seit dem Amtsantritt Bolsonaros wird befürchtet, dass die Agrarindustrie auf Kosten des Regenwalds gefördert wird. Bolsonaro ist Klimaskeptiker und Freund der Agrarindustrie, die neue Flächen für den Anbau von Soja und die Rinderzucht benötigt.

Wie das staatliche Weltrauminstitut INPE in Brasilien erst vor kurzem bekannt gab, wurde allein im Monat Juli drei Mal so viel Regenwald illegal abgeholzt wie im gleichen Monat des Vorjahres, Bereits im Juni sei die Abholzung 88 Prozent höher als im Vorjahresmonat gewesen. Kurz nach der Veröffentlichung der Zahlen entließ Bolsonaro INPE-Direktor Ricardo Galvão.

Satellitenbild von abgeholzte Zonen im Amazonasgebiet | Bildquelle: dpa
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Das vom staatlichen Institut für Weltraumforschung zur Verfügung gestellte Bild zeigt abgeholzte Zonen im Amazonasgebiet im Juli 2019.

Bolsonaro hatte die alarmierenden Daten von INPE, das seit 30 Jahren die Abholzung des Regenwaldes via Satellit dokumentiert, öffentlich als "Lüge" abgetan.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. August 2019 um 07:00 Uhr.

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