Wahlkampf in Bulgarien | dpa

Wahl in Bulgarien Enges Rennen zwischen GERB und Protestpartei

Stand: 12.07.2021 02:38 Uhr

Zum zweiten Mal binnen drei Monaten haben die Bulgaren ein neues Parlament gewählt. Prognosen zufolge liegt die populistische Partei von Entertainer Slawi Trifonow vorne.

Bei der zweiten Parlamentswahl innerhalb von gut 100 Tagen in Bulgarien sehen Prognosen die populistische Partei ITN des Entertainers Slawi Trifonow als Sieger mit knappem Vorsprung vor der Partei des Ex-Ministerpräsidenten Boiko Borissow. Die erst 2020 gegründete systemkritische ITN ("Es gibt so ein Volk") erhielt nach Schätzung zweier Meinungsforschungsinstitute am Sonntag 23,4 bis 24 Prozent der Stimmen. Borissows GERB käme demnach auf 22,9 bis 23,5 Prozent.

Weiter wachsen dürfte der Vorsprung der Entertainer-Partei nach der Auszählung der Stimmen von Bulgaren in 68 Ländern - darunter in Deutschland und Österreich. Die ersten Prognosen nach der Wahl hatten zunächst einen hauchdünnen Vorsprung für Borissow ausgemacht. Laut den Meinungsforschern von Gallup International ist es unwahrscheinlich, dass sich das prognostizierte Wahlergebnis noch einmal dreht. Amtliche Endergebnisse soll es erst binnen vier Tagen geben. Die Neuwahl wurde notwendig, weil sich die zerstrittenen Parteien nach der Abstimmung vom 4. April nicht auf eine Koalition einigen konnten.

Tiefe Spaltung des ärmsten EU-Landes

Das Ergebnis wirft ein Schlaglicht auf die tiefe Spaltung des ärmsten Landes in der Europäischen Union. Trotz Korruptionsvorwürfen hatte Borissows Partei beim letzten Votum im April gewonnen, scheiterte aber mit einer Regierungsbildung.

Sollten sich die Prognosen bestätigen, wäre dies für Borissows GERB die erste Wahlniederlage seit 2009. Die GERB hatte die Wahl vor drei Monaten noch mit gut 26 Prozent gewonnen. Im Europaparlament gehört die GERB ebenso wie die deutschen CDU und CSU zur Europäischen Volkspartei (EVP). Borissows frühere Regierung - seine dritte mit kurzer Unterbrechung - war wegen Korruptionsvorwürfen massiv in die Kritik geraten. Die von Staatschef Rumen Radew eingesetzte jetzige Übergangsregierung enthüllte zahlreiche Missstände, Korruptionspraktiken und Versäumnisse der alten GERB-Regierung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Juli 2021 um 20:00 Uhr.