Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze. | dpa

Drohende Nahrungsmittelknappheit Schulze will Bündnis für Ernährungssicherheit

Stand: 20.04.2022 11:23 Uhr

Wegen des Ukrainekriegs droht eine weitreichende Ernährungskrise. Entwicklungsministerin Schulze wirbt vor der Frühjahrstagung der Weltbank deshalb für ein neues Bündnis für globale Ernährungssicherheit.

Um einer schweren weltweiten Ernährungskrise vorzubeugen, will Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze ein neues Bündnis für globale Ernährungssicherheit schaffen. Das schlug die SPD-Politikerin vor ihrer Abreise zur Weltbank-Frühjahrstagung in Washington vor.

Der Vorschlag ist eine Reaktion auf die Folgen des Ukrainekriegs. Die Ukraine ist ein weltweit wichtiger Getreideexporteur. "Getreidespeicher, Traktoren und Felder werden zerstört", so Schulze. "Ukrainische Landwirte können jetzt nicht mehr aussähen, und die nächste Ernte droht in weiten Teilen auszufallen." Auch die Häfen, die normalerweise zum Export genutzt würden, seien momentan unter Beschuss. Mit Getreide beladene Schiffe würden festgehalten.

Teil von Sicherheitspolitik

Die Entwicklungsministerin warnte davor, dass sich einige Länder auf die Seite Russlands schlagen könnten, weil sie von russischen Getreidelieferungen abhängig seien. Zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin damit gedroht, kein Getreide mehr in "feindliche" Staaten zu liefern.

"Es droht die schwerste globale Ernährungskrise der vergangenen Jahrzehnte, die vor allem die Ärmsten in Afrika, im Nahen Osten und im asiatisch-pazifischen Raum betreffen wird", sagte Schulze. Ernährungssicherheit sei ein Teil von Sicherheitspolitik, die Alternative seien Hunger und instabile Gesellschaften. "Putin nutzt Hunger als Waffe, denn Hunger führt zur Destabilisierung von Gesellschaften."

Maßnahmen koordinieren

Das neue Bündnis solle unterschiedliche Maßnahmen koordinieren, so Schulze. Sie habe den Vorschlag für die deutsche G7-Präsidentschaft im Vorfeld eingespeist und wolle ihn in Washington weiter vorantreiben. In ersten Gesprächen sei sie damit auf "offene Ohren" gestoßen.

Zuerst müsse sichergestellt werden, dass die Lagerbestände an Nahrungsmitteln fair verteilt würden und die Preise nicht in die Höhe schießen, sagte Schulze. Viele Länder müssten außerdem wieder mehr Lebensmittel selbst anbauen und damit krisenfester werden.

Agrarmärkte offen halten

Eine Krise dürfe nicht gegen die andere ausgespielt werden, so Schulze. Die Landwirtschaft in der Sahelzone etwa müsse sich auch wegen der Klimakrise stark verändern. Zugleich dürfe die Artenvielfalt nicht vernachlässigt werden. Es sei zu kurz gedacht, geschützte Flächen für intensive Landwirtschaft freizugeben.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte bereits 430 Millionen Euro zugesagt, die Deutschland zusätzlich für die Ernährungssicherheit zur Verfügung stellt. Finanzminister Christian Lindner forderte alle Länder auf, die Agrarmärkte offen zu halten. Es sollen keine Vorräte gehortet und keine ungerechtfertigten Ausfuhrbeschränkungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse verhängt werden, so der FDP-Politiker.

Über dieses Thema berichtete BR24 Aktuell am 20. April 2022 um 11:05 Uhr.