Thomas Derksen | Bildquelle: picture alliance / Stringer/Imag

Deutscher Online-Star in China "Afu" - verehrt wie ein Buddha

Stand: 08.04.2019 10:03 Uhr

Der deutsche Thomas Derksen wird in China wegen seiner Videoclips wie ein Buddha verehrt. Durch seine Geschichten ist er zum Mittler der Kulturen geworden.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Zu den bekanntesten Deutschen in China gehört neben Angela Merkel, Oliver Kahn und Miro Klose auch Thomas Derksen. Der gebürtige Gummersbacher ist in Deutschland fast unbekannt, in China ist der 30-Jährige mit seinen Video-Clips hingegen ein gutbezahlter Online-Star. Allerdings wurde er nicht mit seinem deutschen Namen bekannt, sondern unter "Afu", das ist sein chinesischer Spitzname.

Blick in die chinesische Küche

Die rund 10-minütigen Video-Geschichten von "Afu" handeln von seinem Leben in Shanghai, vom Zusammenleben mit seiner chinesischen Frau, seinen Schwiegereltern und ganz viel geht es ums Essen.

"Essen ist wahnsinnig wichtig in China, egal ob in der Familie, beim Daten oder bei geschäftlichen Treffen - das Essen spielt eine wichtige Rolle hier. Und auch ich liebe die chinesische Küche. Deswegen geht es in unseren Videos häufig darum. Die Leute schauen sich das auch sehr gerne an," erzählt Derksen.

Thomas Derksen | Bildquelle: picture alliance / Stringer/Imag
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Sieben Millionen Follower online verfolgen die Videos von Thomas Derksen, bei denen es immer wieder ums Essen geht.

Egal, ob "Afu" im Norden Chinas unterwegs ist und scharfe Fischuppe probiert, oder ob er in seiner Heimatstadt Gummersbach östlich von Köln in einem stinknormalen deutschen Supermarkt einkaufen geht: Er und seine Frau machen daraus launige Videos, und seine Fans in China lieben diesen Einblick ins deutsche Leben, in die Denkweise der Deutschen.

Bei Facebook und YouTube hat "Afu" rund 400.000 Follower. Auf chinesischen Video-Seiten sind es nochmal fast 20 Mal so viele. "In China gibt es ja wahnsinnig viele Plattformen. Wir haben glaube ich 20 Plattformen insgesamt. Wir haben zusammengenommen sieben Millionen Follower. Hört sich nach einer Menge an, aber ist für chinesische Verhältnisse nur so mittelmäßig."

Mittler zwischen den Kulturen

In den vergangenen Jahren ist Thomas Derksen alias "Afu" nicht nur zu einem der bekanntesten Deutschen in China geworden - er ist inzwischen der wahrscheinlich einflussreichste Mittler zwischen den Ländern und den Kulturen. Vorurteile abbauen, voneinander lernen, mit kurzen Videos über echt Alltägliches, das gelingt ihm mit seinen Clips.

"Ich interessiere mich für Deutschland, war aber nie dort", sagt die 30-jährige Gong Chen, aus der chinesischen Stadt Hohhot in der Provinz Innere Mongolei, "für mich ist es interessant, durch ihn und seine Videos einen Einblick in die deutsche Seele und in die Denkweise der Deutschen. Ich lerne so sehr viel über das Land."

Lachen über sein Schäferstündchen

Zu Afus Erfolgsrezepten gehört auch, dass er über sich selbst lachen kann. Zum Beispiel über seine - wie er selbst sagt - "buddha-mäßige" Figur etwa, über seine weiße Haut, auf die Chinesinnen so stehen. Und auch darüber, wie es sich anfühlt, wenn der streng traditionelle künftige chinesische Schwiegervater ihn inflagranti mit der Tochter erwischt.

"Das war, als wir gerade zusammengezogen sind. Wir konnten uns allerdings keine eigene Wohnung leisten. Dieses kleine Schäferstündchen ist besonders gut ausgegangen! Das ist wirklich meine Lieblingsgeschichte, denn sie zeigt ganz gut den 'Clash of cultures' ", so Derksen.

Gruß vom "Tigervater"

Diese und viele andere Szenen aus seinem Leben in China hat "Afu" in seinem Buch "Und täglich grüßt der Tigervater: Als deutscher Schwiegersohn in China“, verarbeitet. Der inzwischen kommerziell sehr erfolgreiche Video-Blogger Derksen erzählt darin sein Leben.

Superstar "Afu" gibt Einblicke in die deutsche Seele
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
08.04.2019 10:47 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 08. April 2019 um 06:36 Uhr im Deutschlandfunk.

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