Norwegische Bücher auf der Frankfurter Buchmesse. | Bildquelle: AFP

Norwegen Im Land der Bücher

Stand: 16.10.2019 01:39 Uhr

Norwegen ist ein Leseland. Im Schnitt liest jeder der rund fünf Millionen Norweger etwa 15 Bücher im Jahr - fünf mehr als die Deutschen. Damit liegt das Land seit Jahren in Europa auf den vorderen Plätzen.

Von Christian Stichler, ARD-Studio Stockholm

In Faerland fing alles an mit einer neuen Straße. Mitte der neunziger Jahre. Sie führte dazu, dass der Verkehr künftig um den Ort herum geleitet wurde. Es war die Zeit, als die Idee mit den Büchern geboren wurde. "Damals sagten viele: Was für ein verrückter Plan", erzählt Eyvind Ødegård heute. Aber inzwischen sagt das keiner mehr. Heute gibt es in dem kleinen Ort mehr als 150.000 Bücher, obwohl Faerland nur rund 280 Einwohner zählt.

In Scheunen, alten Fischerhäuschen, Regalen am Ufer: überall Bücher. "Die Leute bringen sie einfach vorbei", berichtet Randi Finne, die in einem der Antiquariate arbeitet. Faerland ist heute das einzige offizielle Bücherdorf in Norwegen. Und in dem Jahr, da das Land Ehrengast auf der Buchmesse in Frankfurt ist, sind besonders viele Journalisten an den Sognefjord gereist. Denn Norwegen ist ein Leseland. Im Schnitt liest jeder der rund fünf Millionen Norweger etwa 15 Bücher im Jahr - fünf mehr als die Deutschen. Damit liegt das Land seit Jahren in Europa auf den vorderen Plätzen.

Ehrengast der Frankfurter Buchmesse: Das Leseland Norwegen
tagesthemen 22:15 Uhr, 15.10.2019, Christian Stichler, ARD Stockholm

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Viel Geld für den Erhalt der Lesekultur

Man könnte meinen, es liege an den langen dunklen Wintermonaten, weshalb die Norweger so viel lesen. Oder vielleicht an dem weit verzweigten Land, wo viele Menschen viele Stunden im Zug oder Bus sitzen, um von A nach B zu kommen. Das alles mag auch eine Rolle spielen.

Aber das norwegische Lese-Wunder ist ein Ergebnis staatlicher Förderung. Denn seit den sechziger Jahren gibt der der Staat viel Geld für den Erhalt der Lesekultur aus. Am Anfang war es die Sorge, die amerikanische Literatur könne die norwegischen Autoren in der Nachfolge der großen Dichter wie Knut Hamsun oder Henrik Ibsen verdrängen. Deshalb wurde ein staatlicher Fonds ins Leben gerufen, der die Aufgabe hat, jedes Jahr von den wichtigsten norwegischen Neuerscheinungen rund 1000 Exemplare aufzukaufen und an die Bibliotheken zu verteilen. "Das ist ein einzigartiges Literatur-Förderprogramm", sagt Kristenn Einarsson von der Norwegischen Verleger-Vereinigung. "Und in dreifacher Hinsicht gut: der Schriftsteller bekommt eine garantierte Mindestsumme, der Verlag ebenso und vor allem finden die Bücher über die Bibliotheken ihre Leser."

Leserzahlen steigen

Denn allen Unkenrufen zum Trotz: Norwegens Büchereien erleben einen Boom. Die Zahl der Nutzer steigt. Gerade bei jungen Leuten.

Das beste Zeichen für den Boom der Bibliotheken findet man in Olso am Hafen unweit der Oper. Dort entsteht zur Zeit Norwegens Super-Bücherei: die neue Nationalbibliothek, eine der modernsten weltweit. Im kommenden Jahr wird sie eröffnet. Das gläserne Gebäude bietet viel mehr als nur Bücher: es wird ein Kino, Räume für Medienworkshops, eine Lounge, eine Gaming-Zone und Restaurants geben. Die Bücherei als ein Ort, an dem man sich gerne aufhält und nicht nur Bücher ausleiht. Das ist das Konzept der Zukunft.

Die Nutzung der Bibliotheken in Norwegen ist grundsätzlich kostenlos. Eine Mehrwertsteuer auf Bücher gibt es auch nicht. Im Sommer wurde die Steuer auch für E-Books gestrichen. Der Trend zum digitalen Lesen hält an. Im Schnitt wird heute In Norwegen bereits mehr Lese-Zeit vor einem E-Reader oder einem Tablet verbracht als vor einem Buch. Immer beliebter: Die Flatrate für Bücher. Gegen eine monatliche Gebühr von rund 18 Euro hat man beispielsweise bei Storytel Zugriff auf mehr als 160.000 Bücher- und Hörbücher. Das soll den Buchmarkt revolutionieren, ähnliche wie Spotify es beim Musikmarkt schon vorgemacht hat.

Aber das gute alte Buch wird seinen Platz trotzdem bei den Norwegern behalten. Nicht nur im Bücherdorf Faerland. Davon ist zumindest Buchhändler Knut William überzeugt. Er arbeitet in einer Buchhandlung am Osloer Hauptbahnhof. "Wir Norweger haben noch ein sehr analoges Freizeitverhalten", erzählt der Mann mit dem roten Vollbart. "Wir sind gerne und viel draußen an der Natur - irgendwo auf einer Hütte ohne Strom und Internet." Und was funktioniere dann am besten? Natürlich ein gutes altes Buch.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 15. Oktober 2019 um 22:18 Uhr.

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