Brunei Todesstrafe | Bildquelle: REUTERS

Urteile gegen Homosexuelle Brunei will Todesstrafe nicht umsetzen

Stand: 05.05.2019 21:37 Uhr

Nach internationalen Protesten will Brunei die Todesstrafe gegen Homosexuelle nicht umsetzen. Das kündigte Sultan Hassanal Bolkiah an. Ein "De-Facto-Moratorium" gelte auch für Urteile gegen Homosexuelle.

Das Sultanat Brunei will nach internationalen Protesten darauf verzichten, die Todesstrafe gegen Homosexuelle zu vollstrecken. Dies hat Sultan Hassanal Bolkiah in einer Rede zum Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan angekündigt. Das bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten geltende "De-Facto-Moratorium", keine Todesurteile umzusetzen, gelte auch für Urteile gegen Homosexuelle. Zudem sprach er von "Missverständnissen".

Todesstrafe durch Steinigung

Anfang April waren in dem Sultanat auf der südostasiatischen Insel Borneo härtere Strafgesetze in Kraft getreten. Homosexuellen drohte die Todesstrafe durch Steinigung. Grundlage dafür ist die Scharia, die die religiösen und rechtlichen Normen im Islam regelt.

International gab es viele Proteste, angeführt von Hollywood-Star George Clooney. Er rief dazu auf, Hotels zu boykottieren, die dem Sultan gehören. Er ist einer der reichsten Monarchen der Welt.

Schwule und Lesben werden unterdrückt

In dem Sultanat sind zwei Drittel der mehr als 420.000 Einwohner muslimischen Glaubens. Seit einiger Zeit sind dort konservative islamische Kräfte auf dem Vormarsch. Der autoritär regierende Sultan hatte 2014 damit begonnen, die Scharia einzuführen. Schwule und Lesben werden in der ehemaligen britischen Kolonie seit langem unterdrückt. Bisher standen auf homosexuelle Beziehungen bis zu zehn Jahre Haft.

Brief an EU: "Toleranz, Respekt und Verständnis"

Noch vor knapp zwei Wochen hatte Brunei die international heftig kritisierte Einführung der Todesstrafe gegen Homosexuelle in einem Brief an das Europäische Parlament verteidigt. Der "Guardian" zitierte aus dem Brief des Sultanats, Steinigungen als Strafe für gleichgeschlechtlichen Sex würden selten sein, da zwei Männer von "hohem moralischem Rang und Frömmigkeit" als Zeugen erforderlich seien. Im Hinblick auf den Wunsch des Landes, seine traditionellen Werte und seine "Familienlinie" zu bewahren, fordere man "Toleranz, Respekt und Verständnis".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Mai 2019 um 10:00 Uhr.

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