Blick auf eine Mochsee in Brunei | Bildquelle: AP

Brunei Scharia-Strafrecht tritt in Kraft

Stand: 03.04.2019 04:53 Uhr

Im Sultanat Brunei gelten seit heute härtere Strafgesetze. Sie sehen unter anderem die Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Sex vor. Der Schritt ruft weltweit lautstarke Kritiker auf den Plan.

Trotz internationaler Kritik gelten seit heute im Sultanat Brunei härtere Strafgesetze. Homosexuellen etwa droht in dem südostasiatischen Staat künftig die Todesstrafe. Wer gleichgeschlechtlichen Sex hat, muss damit rechnen, zu Tode gesteinigt zu werden.

Verschärft wurden auch die Strafen für Diebstahl: Künftig müssen Diebe damit rechnen, dass ihnen Hände und Beine amputiert werden. Grundlage dafür ist die Scharia, die im weiten Sinne die religiösen und rechtlichen Normen im Islam regelt.

In dem Sultanat auf der Insel Borneo sind zwei Drittel der mehr als 420 000 Einwohner muslimischen Glaubens. Brunei profitiert von Öl- und Gasvorkommen. Seit einiger Zeit sind dort konservative islamische Kräfte auf dem Vormarsch. Der autoritär regierende Sultan Hassanal Bolkiah - mit einem Vermögen von vielen Milliarden Euro einer der reichsten Monarchen der Welt - hatte 2014 damit begonnen, die Scharia einzuführen.

Karte: Brunei
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Brunei ist ein Kleinstaat auf der Insel Borneo, dessen zwei getrennte Landesteile von Malaysia und dem Südchinesischen Meer umgeben sind.

Internationale Proteste gegen die neuen Gesetze

Gegen die neuen Gesetze gibt es international zahlreiche Proteste. Die Vereinten Nationen forderten das Mitgliedsland auf, auf solch "drakonische Strafen" zu verzichten. Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler (SPD), erklärte: "Diese Strafen sind mit der Menschenwürde nicht vereinbar und können mit religiösen Gründen nicht gerechtfertigt werden". Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte sie "zutiefst barbarisch".

Schwule und Lesben werden in der ehemaligen britischen Kolonie seit Langem unterdrückt. Bislang standen auf homosexuelle Beziehungen bis zu zehn Jahre Haft. Künftig kann gleichgeschlechtlicher Sex mit öffentlichen Züchtigungen durch den Stock bestraft werden - oder auch, wenn das Gericht der Meinung ist, besonders hart urteilen zu müssen, mit der Todesstrafe. Diese Drohung richtet sich vor allem gegen homosexuelle Männer. Experten halten es aber für wenig wahrscheinlich, dass es tatsächlich Hinrichtungen geben wird.

Sultan von Brunei, Hassanal Bolkiah | Bildquelle: LUONG THAI LINH/EPA-EFE/REX
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Hassanal Bolkiah, der Sultan von Brunei, gilt als einer der reichsten Männer der Welt.

Kritik von George Clooney und Elton John

Auch Prominente schlossen sich den Protesten gegen die neuen Gesetze an: Der britische Popstar Elton John und der US-Schauspieler George Clooney riefen zum Boykott von neun Luxushotels auf, die im Besitz des Sultanats in Großbritannien, Frankreich, Italien und den Vereinigten Staaten sind. Menschenrechtsgruppen nennen Brunei das Saudi-Arabien Südostasiens. Saudi-Arabien ist vom Wahhabismus geprägt, einer besonders strengen und traditionellen Auslegung des Islam.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. April 2019 um 13:00 Uhr.

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