Nach Festnahme in Marseille Verdächtiger gesteht Anschlag in Brüssel

Stand: 07.03.2019 21:23 Uhr

Kamerabild des Täters mit Kalaschnikow und dunkler Mütze bei der Schießerei im Jüdischen Museum
galerie

Auf dem Standbild einer Kamera aus dem Museum ist der Täter zu erkennen.

Der in Marseille festgenommene Franzose hat sich in einem Video dazu bekannt, dass er im Jüdischen Museum in Brüssel um sich geschossen hat. Dies wurde bei einer Pressekonferenz der belgischen Staatsanwaltschaft in Brüssel mitgeteilt.

In einem nach der Festnahme gefundenen Video seien die Tatwaffen zu sehen und die Stimme des Verdächtigen zu hören, der sich darin zu der Tat bekennt, sagte der belgische Generalstaatswalt Frederic Van Leeuw. Der 29-jährige Mehdi N. habe versucht, den Anschlag zu filmen, doch die Kamera habe nicht funktioniert. Offenbar wurde die Kamera bei Durchsuchungen in der Region Courtrai am frühen Sonntagmorgen gefunden. Zwei Menschen würden derzeit verhört. Van Leeuw machte keine Angaben darüber, ob diese beiden Personen als Verdächtige gelten.

Der Anschlag am vergangenen Wochenende, bei dem drei Menschen getötet worden waren, wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet. Daher stammen auch die Bilder, die die Ermittler vermutlich auf die Spur des Verdächtigen brachten.

Auf der Pressekonferenz in Paris hieß es, dass der mutmaßliche Dschihadist sich mehr als ein Jahr lang in Syrien aufgehalten habe. Der Verdächtige habe bereits fünfmal in Frankreich im Gefängnis gesessen und sich während seines letzten Aufenthalts hinter Gittern radikalisiert, sagte der Pariser Staatsanwalt Francois Molins. Drei Wochen nach seiner Haftentlassung Ende 2012 sei er nach Syrien ausgereist. Er soll nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP dem französischen Inlandsgeheimdienst bekannt gewesen sein.

Der Verdächtige stammt nach Angaben aus französischen Ermittlerkreisen aus Roubaix in Nordfrankreich. Der Beschuldigte schweigt zu allen Vorwürfen.

Bereits am Freitag festgenommen

Der 29-Jährige war am Freitag in Marseille festgesetzt worden, als er mit dem Bus aus Brüssel eintraf. Bei ihm wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Kalaschnikow-Sturmgewehr und eine Pistole gefunden - Waffen, wie sie auch bei der Schießerei benutzt worden waren. Die Kalaschnikow sei in die Flagge der Organisation "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) eingehüllt gewesen, so die Staatsanwälte. Die ISIS gilt als eine der wichtigsten Dschihadisten-Gruppen, die derzeit in Syrien kämpfen.

Zudem habe Mehdi N. "eine beeindruckende Menge Munition" bei sich gehabt. Im Gepäck sei zudem eine schwarze Mütze gefunden worden - ein solches Modell hatte auch der Täter in Brüssel getragen. Belgien kündigte bereits einen Antrag auf Auslieferung des Verdächtigen an.

Busbahnhof in Marseille
galerie

Der Verdächtige war am Freitag am Busbahnhof von Marseille festgenommen worden.

Hollande will Dschihadismus bekämpfen

Frankreich Präsident François Hollande versprach ein entschiedenes Vorgehen gegen Dschihadisten. "Wir werden sie bekämpfen", sagte er vor Journalisten. Der im April vorgestellte Plan gegen den Dschihad-Tourismus werde "in den kommenden Monaten ausgebaut", sagte er. Die ganze Regierung sei mobilisiert.

Bei der Schießerei in dem nicht besonders gesicherten Museum waren am 24. Mai ein israelisches Paar und eine ehrenamtliche Mitarbeiterin aus Frankreich erschossen worden. Ein belgischer Angestellter des Museums wurde schwer verletzt und später für klinisch tot erklärt.

Darstellung: