Anwälte nehmen am Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter aus dem Jüdischen Museum in Brüssel teil (Archivbild vom 28.02.2019). | Bildquelle: REUTERS

Urteil nach Anschlag in Brüssel Das Motiv war Judenhass

Stand: 07.03.2019 21:22 Uhr

Fünf Jahre nach dem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel ist der Täter schuldig gesprochen worden: Er muss mit mindestens 30 Jahren Haft rechnen. Der Anschlag gilt als erster Terrorakt des IS in Europa.

Von Holger Romann, ARD-Studio Brüssel

Das Urteil des Brüsseler Schwurgerichts lautet: schuldig in allen Punkten. Nach mehrtägigen Beratungen sah es die zwölfköpfige Jury als erwiesen an, dass der Angeklagte der Mann ist, der am 24. Mai 2014 in die Eingangshalle des Jüdischen Museums stürmte.

Er erschoss binnen weniger Minuten vier Menschen: ein Touristenpaar aus Israel, eine französische Gaststudentin und einen belgischen Angestellten. Das Motiv des Täters: Judenhass.

Eine Gerichtszeichnung zeigt die Angeklagten im Prozesses um den Anschlag im Jüdischen Museum in Brüssel. | Bildquelle: REUTERS
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Eine Gerichtszeichnung zeigt die Angeklagten während des Prozesses in Brüssel.

Im Namen des "Islamischen Staats"

Der Version der Verteidigung, ihr Mandat sei das unschuldige Opfer eines iranisch-libanesischen Geheimdienstkomplotts, wollten die Geschworenen nicht glauben. Sie gingen davon aus, dass der heute 33 Jahre alte Syrien-Heimkehrer die Tat im Namen der Terrormiliz "Islamischer Staat" beging.

Mehrere Zeugen hatten den Angeklagten eindeutig als ehemaligen Folterknecht und Gefängniswärter des IS identifiziert. Die Polizei hatte außerdem ein Bekennervideo sichergestellt, das dem Islamisten zugeordnet wird.

Seinen ebenfalls angeklagten Komplizen verurteilte das Gericht wegen Beihilfe. Er hatte dem Attentäter die Tatwaffe besorgt, eine Kalaschnikow, die dieser bei seiner Verhaftung in Marseille sechs Tage später noch bei sich trug.

Museum vor der Tat beobachtet

Mit dem Schuldspruch ist das Gericht dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft gefolgt. Im Laufe der achtwöchigen Verhandlung hatte sie erdrückende Indizienbeweise gegen den Franzosen algerischer Abstammung vorgelegt. Abgesehen von seinen Fingerabdrücken auf der Tatwaffe waren das vor allem Bilder einer Überwachungskamera, die den Schluss zulassen, dass er das Jüdische Museum bereits am Tag vor dem Attentat ausgekundschaftet hatte.

Wie lang der verurteilte Terrorist ins Gefängnis muss, entscheidet das Gericht nach belgischem Recht in einer Extrasitzung. Beobachter rechnen mit einem Strafmaß von mindestens 30 Jahren.

In Frankreich droht ihm außerdem ein weiterer Prozess: Dort muss er sich wegen der Entführung von vier Journalisten in Syrien verantworten. Der Anschlag auf das Jüdische Museum gilt als der erste Terrorakt des IS auf europäischem Boden.

Attentäter vom Jüdischen Museum Brüssel schuldig gesprochen
Holger Romann, ARD Brüssel
07.03.2019 21:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. März 2019 um 21:00 Uhr.

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