Eingestürzte Brücke in Genua | Bildquelle: REUTERS

Unglück in Genua Viele Fragen und wenige Antworten

Stand: 15.08.2018 00:08 Uhr

Nach dem Einsturz einer Brücke in Genua zeichnet sich ein Streit über Ursachen ab. Der Betreiber weist die Verantwortung von sich. Die Regierung droht mit einer Klage - und schaut nach Brüssel.

In Genua ist viele Stunden nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke die genaue Zahl der Opfer noch unklar. Zugleich deutet sich eine Debatte über die Ursache des Unglücks und die politischen Konsequenzen an, die auch die EU betreffen könnten.

Die Nachrichtenagentur Ansa berichtet unter Berufung auf die Feuerwehr, mindestens 35 Menschen seien ums Leben gekommen. Offiziell bestätigt sind bislang 26 Todesopfer, wie die Region Ligurien mitteilte. 15 seien verletzt, neun davon in sehr kritischem Zustand. Regierungschef Giuseppe Conte sagte in Genua, dass die Zahlen steigen dürften.

Brückeneinsturz in Genua fordert viele Tote und Verletzte
tagesthemen 22:15 Uhr, Ellen Trapp, ARD Rom

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Einsturz während eines Unwetters

Die Morandi-Brücke auf der Autobahn A10 war am Mittag in 45 Metern Höhe auf einer Länge von rund 100 Metern eingestürzt. Zu der Zeit herrschte über der Hafenstadt ein schweres Unwetter mit starkem Regen und Gewitter. Augenzeugen berichteten, kurz vor dem Einsturz sei ein Blitz in die Brücke eingeschlagen.

Auf der Autobahn herrschte dichter Verkehr, da in Italien am Mittwoch den Feiertag Mariä Himmelfahrt begeht. Die Trümmerteile stürzten auf einen Fluss sowie auf Straßen und Gleise eines Industriegebietes. Zahlreiche Lkw und Pkw wurden in die Tiefe gerissen und unter Betonteilen begraben. Hunderte Rettungskräfte versuchten, Opfer zu bergen und in die umliegenden Krankenhäuser zu bringen.

Helge Roefer, ARD Rom, zzt. Genua, zum Brückeneinsturz
nachtmagazin 00:40, 15.08.2018

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Betreiber verweist auf Kontrollen

Die Brücke war 1967 fertiggestellt worden und ist Teil der Autobahn 10, die die italienische Riviera und Südfrankreich verbindet. Die Betreibergesellschaft Autostrade per Italia erklärte am Nachmittag, zum Zeitpunkt der Tragödie seien Bauarbeiten an der Sohle des Viadukts ausgeführt worden. Der Zustand der Brücke sowie der Fortgang der Renovierung seien immer wieder kontrolliert worden. Erst wenn ein gesicherter Zugang zur Unfallstelle möglich sei, könne Näheres über die Ursachen des Einsturzes gesagt werden.

Verkehrsminister Danilo Toninello drohte dagegen mit einer Klage gegen die Betreibergesellschaft, sollte ein Gericht eine Untersuchung einleiten. Der Minister nannte das Unglück eine "gewaltige Tragödie".

Landesweite Probleme bei der Infrastruktur

Der Einsturz lenkte zugleich den Blick auf die schlechte Verfassung vieler Straßen und Brücken im Land. Verkehrsminister Toninello räumte ein, das Unglück belege den maroden Zustand der Infrastruktur in Italien und die Wartungsmängel. Innenminister Matteo Salvini erklärte, es sei "nicht akzeptabel, auf diese Weise in Italien zu sterben".

Zugleich betonte Salvini, der Vorfall belege, wie dringend das Land öffentliche Investitionen benötige. Damit verknüpfte der Vorsitzende der rechtspopulistischen Lega die Katastrophe von Genua mit dem Dissens zwischen seiner Regierung und der EU über die Verschuldung Italiens. Er bekräftigte, er wolle die Sicherheit der Italiener an erste Stelle stellen. Der Innenminister deutete zudem indirekt an, dass sich Italien nicht durch die Stabilitätsvorgaben der EU an erheblichen Investitionen in die Infrastruktur hindern lasse.

Für Genua dürfte der Einsturz lange spürbare Folgen haben. Die Brücke werde abgerissen und das werde einhergehen mit schwerwiegenden Auswirkungen auf den Verkehr und mit Problemen für die Bürger und Unternehmen, hieß es aus der Regierung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. August 2018 um 20:00 Uhr.

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