Demonstration von Fischern in London: Brexit Carnage, Brexit-Gemetzel, steht auf dem Lkw | dpa

Proteste in Großbritannien Fischereibranche gegen Brexit-Bürokratie

Stand: 18.01.2021 15:13 Uhr

Seit dem Brexit sind die bürokratischen Hürden für die Ausfuhr von Fisch aus Großbritannien in die EU hoch. Dagegen haben nun britische Fischereiunternehmen protestiert. Sie werfen der Regierung Inkompetenz und eine Zerstörung der Branche vor.

Britische Fischer haben im Londoner Regierungsviertel gegen eine ausufernde Export-Bürokratie im Zuge des Brexit protestiert. Dazu parkten sie mehr als 20 Lieferwagen für Meeresfrüchte mit Protestparolen wie "Brexit-Gemetzel" nahe dem Amtsitz von Premierminister Boris Johnson in der Downing Street und des britischen Parlaments.

Die Fischer fordern ein besser funktionierendes System und beklagen einen Mangel an zuständigen Zollbeamten auf beiden Seiten des Ärmelkanals. Außerdem warfen sie der Regierung Inkompetenz und eine Zerstörung der Branche vor.

Fischer protestieren mit ihren Lastwagen in der Nähe der Downing Street in London | dpa

Fischer protestierten unter anderem in der Nähe der Downing Street... Bild: dpa

Lkw mit der Aufschrift (Übersetzung aus dem Englischen) "Inkompetente Regierung zerstört Meerestiere-Industrie" | AP

...und sagen: "Inkompetente Regierung zerstört die Meeresfrüchte-Industrie". Bild: AP

400 Seiten Exportdokumente

Es herrsche die Angst vor, dass das System zusammenbrechen könnte, sagte Gary Hodgson vom Krabben-Exportverband Venture Seafoods. Viele Fischergemeinden hätten für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt, aber keiner habe mit solchen Einschränkungen durch die neue Bürokratie gerechnet. So habe eine Exporteur zuletzt 400 Seiten Exportdokumente für einen Fährtransport in die EU benötigt.

Wegen tagelanger Verzögerungen an den Häfen beklagen etliche Fischerei-Betriebe große Verluste. Laut dem Hafenverband British Ports Association dauert die Reise auf den Kontinent für britische Fischereiunternehmen derzeit oft vier Tage anstatt nur einen. Premier Boris Johnson tat die Probleme an den Häfen bislang als "Kinderkrankheiten" ab, die sich bald erledigt haben dürften.

Prozesse dauerhaft länger?

Experten zufolge sind viele Änderungen jedoch permanent, so dass sich beide Seiten darauf einstellen müssten, dass Prozesse länger dauerten.

Durch den Brexit sind seit Anfang des Jahres bei der Einfuhr von Lebensmitteln in die EU aufwendige Gesundheits- und Zollkontrollen notwendig. Wegen der bürokratischen Hürden haben bereits zahlreiche schottische Fischer den Export in die Europäische Union gestoppt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Januar 2021 um 15:00 Uhr.