Taucher am Wrack der Britannic

Gesunkene "Titanic"-Schwester "Britannic" soll Tauchattraktion werden

Stand: 23.07.2016 04:07 Uhr

Jeder kennt die "Titanic", aber nur wenige ihr Schwesterschiff, die "Britannic". Sie wurde im Ersten Weltkrieg in der Ägäis von einer deutschen Seemine versenkt. Nun will der Eigentümer ein Museum bauen und das Wrack zur Tauchattraktion machen.

Von Wolfgang Landmesser, ARD-Studio Athen

Jiannis Tsavelakos, Chef der Tauchschule "Kea Divers", hat uns mit dem Motorboot zu der Stelle gebracht, wo die "Britannic" liegt. Der Ort ist etwa dreieinhalb Kilometer vor der griechischen Insel Kea, in 120 Metern Tiefe. Die See ist ruhig an diesem Tag, tiefblau der Ozean, strahlendblau der Himmel. Es fällt schwer, sich die Katastrophe vorzustellen, die hier am 21. November 1916 passierte - vor fast 100 Jahren.

Die "Britannic" war gerade dabei, den Kanal zwischen den Inseln Makronisos und Kea zu durchfahren, erzählt Simon Mills. "Sie kam mit einer Geschwindigkeit von 21 Knoten, als es um zwölf Minuten nach acht Uhr morgens einen großen Knall gab." Unterhalb der "Britannic", dem Schwesterschiff der legendären Titanic, war eine deutsche Mine explodiert. Das im Ersten Weltkrieg für Verwundetentransporte umgebaute Schiff war unterwegs nach Limnos, wo es ein großes Lazarett gab für Soldaten, die bei den Kämpfen um die Dardanellen verwundet worden waren.

Wrack der Britannic
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Wer das Wrack der Britannic sehen will, muss sich 120 Meter in die Tiefe begeben.

Geschichte des Wracks aufarbeiten

Simon Mills ist einer der besten Kenner der "Britannic", schließlich ist er ihr Eigentümer. In den 1990er-Jahren kaufte er das Wrack von der britischen Regierung. Am Anfang wollte er, dass seine "Britannic" da unten in der Tiefe möglichst unberührt bleibt. Doch inzwischen geht es ihm vor allem darum, die Geschichte des Wracks aufzuarbeiten und die Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen. "Die 'Britannic' ist noch intakt. Wir wissen, wie es innerhalb des Schiffes aussieht. Die medizinischen Einrichtungen sind erhalten auch die Brücke und die Balustraden, es ist alles noch da."

Simon Mills und Byron Riginos sitzen in einem Café am Hafen. Byron ist Vorsitzender des Vereins der Inselfreunde, der eine Konferenz im Herbst vorbereitet, um 100 Jahre danach an die Wracks von Kea zu erinnern. Nur wenige Tage vor der "Britannic" sank auch das französische Schiff "Burdigala", das Soldaten nach Thessaloniki gebracht hatte - ebenfalls Opfer einer deutschen Mine.

Konferenz soll Kea bekannt machen

Die Konferenz soll eine Geschichte ins Licht rücken, die kaum jemand kennt. Genauso wie Kea nahezu unbekannt sei, trotz seiner Schönheiten, meint Byron. "Mit der Konferenz wollen wir auch auf Kea aufmerksam machen, als Ziel für Touristen und Taucher. Wir haben hier insgesamt sechs Schiffswracks. Es ist ein einzigartiger Ort mit sehr sauberem Wasser. Zwar liegen die Wracks teilweise sehr tief, das macht es schwierig, sie zu besuchen. Aber wir haben Pläne für ein Museum, um ihre Geschichte bekannter zu machen."

Ein Exponat im neuen Inselmuseum könnte auch ein Stück von einem Liegestuhl der "Britannic" sein. Sheila McBeth-Mitchell, eine Krankenschwester, die an Bord war, hatte es vom Schiff mitgenommen. "Sie hat das mit Schnitzereien verzierte Teil von einem der Besatzungsmitglieder bekommen, hat es unter ihrem Mantel an Land gebracht und ihr ganzes Leben über aufbewahrt. Ihr Enkel wird es zur Konferenz mitbringen."

Fast alle Passagiere überlebten

30 der über 1000 Menschen an Bord kamen beim Untergang der "Britannic" ums Leben, als zwei Rettungsboote in die gigantische Schiffsschraube gerieten. Mit einem Bootskorso wollen die Veranstalter am ersten Konferenztag der Opfer gedenken. Zwei Teams werden auch hinunter tauchen, erzählt Tauchlehrer Tsavelakos. "Es wird zwei Tauchgänge geben, um an den Untergang der beiden Schiffe zu erinnern. Zum Gedenken an den 100. Jahrestag werden die Taucher auch Tafeln anbringen."

Eine der Gedenktafeln wird Carl Spencer gewidmet sein. Der erfahrene Wracktaucher starb 2009 bei Filmaufnahmen für eine National-Geographic-Dokumentation über die "Britannic".

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