Drei blaue Briefkästen der US-Post | Bildquelle: REUTERS

100.000 Wähler betroffen Briefwahlchaos in New York

Stand: 06.10.2020 08:32 Uhr

Falsche Adressen und Namen: Rund 100.000 Wähler in New York haben ungültige Briefwahlunterlagen erhalten. Eine heikle Panne und Bestätigung für Präsident Trump.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Als die Corona-Pandemie in New York besonders schlimm tobte, entschloss sich der 61 Jahre alte Phil Oetiker aus Brooklyn - zum ersten Mal in seinem Leben - bei der Präsidentschaftswahl seine Stimme per Briefwahl abzugeben. Er wollte kein Risiko eingehen, sich im Wahllokal anzustecken und beantragte gemeinsam mit seiner Frau die Unterlagen.

Falsche Adresse, falsche Namen

Wochenlang hörte Phil Oetiker nichts von der New York Board of Elections, der zuständigen Behörde. Auch nicht, nachdem die Parteitage von Republikanern und Demokraten auch formal ihre Kandidaten bestimmt hatten. Ende vergangener Woche lagen dann endlich die Umschläge im Briefkasten: "Ich will gerade mein Kreuzchen machen", berichtet er, "da sehe ich, dass auf dem Rückumschlag ein ganz anderer Name steht. Jemand aus der Nachbarschaft, den ich nicht kenne, zwei Straßen weiter." Auch seine Frau hat die Unterlagen einer Fremden erhalten.

Bei einer kleinen Umfrage im Nachbarschaftsblog im Internet stellt sich heraus: Niemand in der Umgebung hat die richtigen Dokumente bekommen.

Oetiker ist sich sicher, dass viele Leute den Irrtum gar nicht bemerken und ihre Wahlunterlagen abschicken. "Das heißt, dass die Stimmen ungültig sind. Wenn mein Wahlzettel im Umschlag von jemand anderem steckt und die Unterschrift falsch ist, dann müssen sie die Stimme aussortieren."

100.000 Wähler betroffen

Als das Desaster die Runde machte, schickte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo seine Chefberaterin Melissa DeRosa vor, die zähneknirschend zugeben muss: "Wie es aussieht, sind insgesamt rund 100.000 Wähler betroffen, die allermeisten davon in Brooklyn." Die Druckerei habe Wahlzettel und Umschläge falsch zugeordnet. "Das ist nicht akzeptabel. Zu sagen, dass uns das besorgt, wäre die Untertreibung des Jahres", so DeRosa.

Bill de Blasio und seine Frau Gracie | Bildquelle: AP
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Bürgermeister De Blasio kritisiert die Wahlbehörde.

Ihr Chef, Gouverneur Cuomo, blieb erstmal lieber auf Tauchstation. Stattdessen fand Bürgermeister De Blasio deutliche Worte über die Wahlbehörde New York Board of Elections: "Ich weiß gar nicht, wie oft so etwas schon passiert ist. Es gibt da bestimmt auch gute Leute, die sich Mühe geben. Aber es ist einfach keine moderne Behörde." Das müsse sich ändern.

Um die Ergebnisse der Vorwahlen in New York City im Juni zu ermitteln, brauchte die Behörde bis August. Zehntausende Stimmen mussten sofort aussortiert werden, weil Poststempel und Unterschriften fehlten oder Umschläge falsch zugeklebt waren.

Bestätigung für Trumps Zweifel

Schon damals nutzte US-Präsident Donald Trump die Gelegenheit, die Sicherheit der Briefwahl an sich anzuzweifeln. Und natürlich reagierte er auch auf die neue Panne mit Häme.

Ein Unding für Wähler Phil Oetiker: "Das ist doch die beste Keule für den politischen Gegner, um zu sagen, dem System kann man nicht trauen. Das regt mich so auf. Wie kann man das zulassen?" Dabei sei es gerade bei dieser Wahl so wichtig gewesen, keine Fehler zu machen. Aufzupassen.

Oetiker wartet jetzt auf die neuen Wahlunterlagen. Seine Frau hat sich nun entschieden, sicherheitshalber lieber ins Wahllokal zu gehen - obwohl die Corona-Infektionsraten gerade in Brooklyn wieder kräftig steigen.

Briefwahlchaos in New York sorgt für Ärger - und freut Trump
Peter Mücke, ARD New York
06.10.2020 07:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Oktober 2020 um 07:20 Uhr.

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