Anti-Brexit-Protest in London | Bildquelle: AP

Junge Briten und der Brexit "Dafür haben die Menschen nicht gestimmt"

Stand: 09.12.2018 11:48 Uhr

Vor allem ältere Menschen haben vor zwei Jahren für den Brexit gestimmt. Doch die junge Generation wird die Konsequenzen spüren. Wie geht es Großbritanniens Jugend kurz vor der Abstimmung über das Brexit-Abkommen in der nächsten Woche?

Von Anne Demmer, ARD-Studio London

Mittlerweile twittert Femi fast Tag und Nacht. Vor zwei Jahren hat er angefangen, für ein zweites Referendum zu werben. Der 28-Jährige hat gemerkt, dass Politiker die EU nicht erklären können und es dann selbst in die Hand genommen:

"Wir sind die Generation, die sicherlich am meisten mit dem Rest der Welt vernetzt ist. Wir spielen FIFA online, mit Leuten, die eine Tür weiter wohnen oder in Japan. Wir sehen die Grenzen nicht, so wie diese kleingeistigen Menschen der Brexit-Kampagne 'Leave means leave'", erklärt er. "Sie wollen Grenzen und merken nicht, dass die Menschen da draußen in der Welt so wie wir sind. Sie arbeiten in unseren Krankenhäusern, in unseren Universitäten, sie machen unsere Gesellschaft besser. Das vergessen viele Menschen in meinem Land, das ist sehr traurig."

Er redet schnell, als müsste er die verbleibende Zeit möglichst effizient nutzen, um die Briten von einem zweiten Referendum zu überzeugen. Auf seinem blauen T-Shirt steht mit weißer Schrift geschrieben: "I’m Femi - Talk to me about Brexit" ("Ich bin Femi. Sprich mit mir über den Brexit"). Es ist unsere Zukunft, unsere Wahl - so heißt die Kampagne. Sie wendet sich an junge Leute und verweist darauf, dass diese Umfragen zufolge mit einer Zweidrittelmehrheit in der EU bleiben wollen. 

"Dinge können sich ändern"

Das Brexit-Chaos sieht Femi positiv. Ein zweites Referendum wird wahrscheinlicher, meint er. "Das politische Chaos ist ein Zeichen dafür, dass Dinge sich ändern können. Die Leute sehen, dass die Sache nicht in die richtige Richtung geht. Das ist nicht, wofür die Menschen gestimmt haben, es muss eine Abstimmung über das Brexit-Abkommen geben."  

Lieber Mays Abkommen als gar kein Abkommen

Daniel sieht das anders. Er ist 20, arbeitet für eine Baufirma in London und hofft, dass die Mehrheit der Abgeordneten für das Brexit-Abkommen von Theresa May stimmen wird. Seine Firma ist vom reibungslosen grenzüberschreitenden Handel abhängig:

"Wenn der Deal nicht durchkommt, dann werden wir nur ein noch schlechteres Abkommen hinbekommen, alles wird noch schlimmer und May wird durch ein Misstrauensvotum rausgekickt. Sie hat einfach einen unmöglichen Job. Niemand wird je mit ihr zufrieden sein, weil es so viele verschiedene Meinungen gibt."

"Zwei Jahre lang unsere Zeit verschwendet"

Emily hat gerade ihr Designstudium abgeschlossen. Die 24-jährige arbeitet in einem Laden im Zentrum von London. Vor zwei Jahren hat sie gegen das Brexit-Abkommen gestimmt, ihre Eltern hingegen dafür. Sie ist genervt. "Das ist doch eine Ego-Nummer, die die Politiker da abziehen. Es geht da gar nicht mehr um unsere Bedürfnisse, es ist einfach nur desolat, wir haben zwei Jahre lang unsere Zeit verschwendet. Der Regierung kann keiner mehr vertrauen. Ich glaube im Moment weiß niemand so genau, wie das enden wird."

Was junge Briten über das Brexit-Chaos denken
Anne Demmer, ARD London
09.12.2018 11:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 0. Dezember 2018 um 07:48 Uhr.

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